06.04.2018 - 14:06 Uhr
Deutschland & Welt

Neue CD von Spliff-Gitarrist Potsch Potschka Ewgig kreist der Spliff

Ein Wahl-Brandenburger, der viele Jahre seines Lebens in Berlin und dort seine musikalischen Glanzzeiten genossen hat - spricht Fränkisch? Doch der 66-jährige Bernhard "Potsch" Potschka lässt im Gespräch dank seines melodischen Singsangs keinerlei Zweifel daran, im gemütlichen Würzburg das Licht der Welt erblickt zu haben.

von Autor MFGProfil

Potschka ist ein Urgestein der aufregenden Ära, als in heimischen Gefilden die sogenannte "Neue Deutsche Welle" genannt, das Ding der Stunde war. Wenn auch nur für wenige Jahre in den frühen 80ern. Nena, Trio, Markus oder Hubert Kah waren die nationalen Heroen der Stunde, um nur die Spitze des Erfolgs-Eisbergs zu nennen. Und dann gab es Spliff. Deren Gitarrist war Potschka zwischen 1980 - 1985.

Doch Potschkas Kreativ-Karriere hat noch einige Highlights mehr zu bieten: In den 70ern Mitstreiter der Polit-Rockband Lokomotive Kreuzberg, im selben Jahrzehnt bei der Nina Hagen Band an Bord. Im Anschluss also Spliff, die sich etwa mit Hit-Singles wie "Carbonara", "Deja Vu" oder "Das Blech" für immer ins Gedächtnis der einheimischen Musik-Kommune eingebrannt haben.

Nach der Trennung von Spliff siedelte Potschka erstmal nach Spanien über, gründete dort die unterschiedlichsten Ethno-Bands, die weitgehend unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfanden. Bis der Franke sich mit der Putsch Potschka-Band 2015 auf seine Rock-Wurzeln zurück besann. Es entstand das Album "In Rock", in dem es heftig zur Sache ging. Und jetzt gibt es "Potsch Potschka spielt Spliff", das sich ausschließlich um Spliff-Songs kümmert, in heavy Arrangements.

Wie entstand die Idee, Spliff-Klassikern einen modernen, rockigeren Anstich zu verpassen?

Potsch Potschka: In den 90ern war ich vor allem in der Weltmusik-Szene unterwegs, habe mit den musikalischen Freunden von überallher auf diesem Planeten jedoch kaum Live-Auftrittsmöglichkeiten bekommen. Da standen einfach zu viele Menschen auf der Bühne rum. (lacht) Als einige Freunde von mir das mitbekamen, meinten sie: "Kehr doch, zumindest teilweise, zum Rock-Konzept von einst zurück." Genau das habe ich getan. Zwar bin ich eigentlich ausgebildeter Pianist. Doch bereits seit den 70ern steht bei mir die Gitarre im Vordergrund. Die habe ich auf meinen letzten beiden Alben "In Rock" und jetzt "Potsch Potschka spielt Spliff" in den Vordergrund gestellt. Daher kracht es ganz schön bei diesen Platten.

Wie kam es zur Auswahl der elf Coverversionen auf der neuen CD?

Die Herausforderung dabei war, dass ich bei sämtlichen Stücken sowohl auf Keyboards als auch auf Elektronik komplett verzichte. Dadurch musste ich die Partituren der Originale ziemlich stark umschreiben, ohne dass dabei die Grundmelodien verloren gingen. Interessant ist, dass bei meiner aktuellen Platte keine einzige Komposition von mir darunter ist. Vielleicht sind die zu komplex. Zumindest wusste ich nicht, wie ich sie adäquat neu arrangieren sollte.

Wenn man seit Jahren als "lebender Kult-Musiker" definiert wird - wie geht man damit um?

Da müffelt es schon ziemlich. (lacht) Aber klar schmeichelt einem so eine Auszeichnung auch. Wobei ich mich selbst und meine Arbeit all die Jahrzehnte hinweg wesentlich kritischer betrachte als meine Fans das tun. Die haben glänzende Augen, wenn sie meinen Stoff hören. Ich kriege dabei manchmal kalte Füße vor Schreck.

Ist Spliff der Nukleus Ihrer musikalischen Arbeit. Oder lediglich eine weitere Station Ihrer langjährigen Kreativ-Karriere?

Spliff ist ohne Frage immens wichtig für mich! Natürlich auch unter kommerziellem Aspekt. In meinem Haus in Brandenburg hängen einige Goldene Schallplatten, auf denen das Wort "Spliff" zu finden ist. Die staube ich regelmäßig brav ab. (lacht) Ganz im Ernst: Mit Spliff war ich ein echter Pop-Star. Ob ich damit künstlerisch ebenfalls auf dem Zenit meiner Karriere stand, müssen Außenstehende beurteilen.

Wie haben die übrigen Spliff-Mitstreiter Herwig Mitteregger, Reinhold Heil und Manfred Praeker auf Ihre Coverversionen reagiert?

Manfred ist 2012 verstorben, das ist bekannt. Als ich ihm kurz vor seinem Tod von meinen Cover-Plänen erzählte, war er es, der mir dabei massiv Steine in den Weg legen wollte. Das ist nach wie vor sehr traurig für mich. Mit Herwig und Reinhold habe ich nach wie vor Kontakt. Wir sind heute eine Art "Spliff-Familie", worüber ich mich unbändig freue! Trotzdem wird es niemals zu einer Reunion der Gruppe kommen. Man sollte sich irgendwann von einer - wenn auch noch so schönen - Vergangenheit verabschieden können.

Geht es bei Ihnen weiter mit dem Spliff-Sound, zumindest irgendwie?

Drei der neuen musikalischen Kumpels, die sowohl auf "In Rock" als auch auf "Potsch Potschka spielt Spliff" mitgewirkt haben, gehen mit mir in absehbarer Zeit auf Tour. Wir werden Stücke der letzten beiden Platten zum besten geben. Wir spielen in erster Linie Spliff-Songs, keine Frage. Und wir werden hoffentlich unter Beweis stellen, dass Spliff-Lieder für die Ewigkeit sind.

Klicken Sie hier für mehr Artikel zum Thema:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.

Nachrichten per WhatsApp