02.02.2018 - 15:35 Uhr
Deutschland & Welt

Neue ProgRock-Band Single Celled Organism Düster in die Zukunft

Es gibt wieder mehr progressive Rock-Alben aus deutschen Landen, gepaart mit inhaltlichem Konzept dahinter. Ganz in der Tradition der 70er und unvergesslicher Meisterwerke von Genesis, Yes oder Pink Floyd.

von Autor MFGProfil

Eines davon stammt von Single Celled Organism, hinter dem der in Hamburg ansässige Musiker, Komponist und Produzent Jens Lueck steckt. Der 50-Jährige ist leidenschaftlicher Anhänger von Prog-Standardwerken wie "The Wall", "The Lamb Lies Down On Broadway" und "Tales From Topographic Oceans", bei denen allesamt eine lineare Geschichte erzählt wird. Lueck bekam vor drei Jahren von seiner damals 14-jährigen Tochter eine SMS, in welcher der Teenager ihm vorschwärmte: "Papa, habe gerade ein geniales Album von einer Gruppe namens Porcupine Tree gehört". Es handelte sich dabei um das sinistre Konzept-Werk der englischen Band um Mastermind Steven Wilson, betitelt "Fear Of A Black Planet".

Bizarre Story

"Ich war enthusiastisch, dass sich junge Leute für diese Art von Musik begeistern können, die mich meine ganze Jugend über positiv verfolgt hat", schwärmt Lueck bis heute. Und so machte er sich ans Werk, um "Neo-Prog" seinen eigenen Stempel aufzudrücken. Heraus gekommen ist - mit Hilfe von prächtig talentierten Freunden, die teilweise aus dem Eloy- und Sylvan-Umfeld stammen sowie Lebenspartnerin Isgaard, Sängerin der Formation gleichen Namens - die Scheibe "Splinter In The Eye" (Afraid Of Sunlight Records), die nicht nur in der Tradition der laut Lueck "heiligen Pink Floyd" steht, sondern sich problemlos mit nationalen Lyrik-Rock-Koryphäen wie Grobschnitt oder Anyone's Daughter messen kann.

https://www.youtube.com/watch?time_continue=467&v=a7NNT6pr0yI

Die Handlung hinter der Scheibe ist eine reichlich düstere, stellenweise bizarre Story: Es wird die Geschichte einer unglücklichen, isolierten Minderjährigen erzählt, die ihre komplette Kindheit und Jugend unter wissenschaftlicher Aufsicht in einem Labor verbringt. In den ersten elf Lebensjahren ist das weibliche Versuchsobjekt ausschließlich von intelligenten Robotern umgeben. Anlässlich ihrer Volljährigkeit soll sie zuerst der Medienwelt ausgesetzt und im Anschluss in die "reale" Welt entlassen werden, das ist der Plan. Doch es kommt anders, denn als das bedauernswerte Mädchen gerade mal 16 ist, bricht ein biologischer Krieg in der Welt aus. Mit einem Mal fühlt sich kein Betreuer mehr für das Zivilisations-Opfer zuständig.

"Mir ist bewusst, dass diese Erzählung sehr futuristisch und finster ausgefallen ist", gesteht Jens Lueck unumwunden ein. "Bleibt mir nur zu hoffen, dass ich mit meiner Prognose für die menschliche Zukunft nicht recht behalten werde. Leider ist sie in dieser Form nicht auszuschließen, wenn man die humane Entwicklung verfolgt."

Jens Lueck betrachtet sich nach eigener Aussage "nicht als Misanthropen, aber es gibt bestimmt regelmäßig grüblerische Phasen in meinem Leben. Die derzeitige Situation auf unserem Planeten lässt mir nicht allzu viel Spielraum dabei, diese Phasen abzustellen."

Emotionale Schwere

Natürlich bietet sich progressiver Rock als Plattform für solcherart Gedanken richtiggehend an, denn dieser Sound lebt seit jeher von emotionaler Schwere, Komplexität und dem Drang nach Eskapismus. "Mir ist egal, wie meine Arbeit kategorisiert wird, ob man sie als anachronistisch oder weltfremd abtut", sagt Lueck mit fester Überzeugungskraft in der Stimme. "Die Grundidee hinter Prog-Rock ist schließlich, dass man seine Visionen auf möglichst hohem Niveau stetig weiter entwickelt."

Der Umstand, dass der Schlaks an "Splinter In The Eye" nicht nur als Musiker und Komponist heranging, sondern auch als Produzent, seiner Haupttätigkeit im "zivilen" Leben, war Segen und Fluch zugleich. "Einerseits ist es hilfreich, alle Vorgänge komplett unter Kontrolle zu haben", meint Lueck. "Andererseits muss ein Typ wie ich aufpassen, dass er nicht über den eigenen Perfektionismus stolpert. Weil man sonst Gefahr läuft, sein Werk nie abzuschließen."

"Splinter In The Eye" liegt eine äußerst aufwendige Produktion zugrunde. Und obwohl die Scheibe von einer kleineren Plattenfirma veröffentlicht wurde, ließ sich Lueck in keiner Minute von diesem Vorhaben abbringen. "Ich habe mich darauf richtiggehend eingeschworen", erzählt der freundliche, in sich ruhende Hanseat: "Entweder ich ziehe dieses Projekt so durch, wie ich es mir vorstelle, auch wenn das viel Zeit und Geld in Anspruch nimmt. Oder ich lasse es. Denn wer weiß - vielleicht macht man so etwas nur einmal im Leben? Also machte ich es. Das höchste Lob für diese Konsequenz: Meine Tochter ist total begeistert von der Platte. Was will ein Vater mehr?"

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