15.09.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

Neues Bandprojekt mit großen Stars: "Gizmodrome" Enorme Dynamik

In Zeiten, in denen es für Musiker alltäglich geworden ist, sich im Zuge einer Albumproduktion gegenseitig Musikdateien zu mailen anstatt jemals dafür gemeinsam im Studio gewesen zu sein, haben "Gizmodrome" ganz anders gestartet: Mit der Begeisterung vierer Musiker im Proberaum

von Autor MFGProfil

Es ist ein verwegener Haufen, der sich unter dem nicht minder verwegenen Namen "Gizmodrome" zu seinem Debütalbum "Gizmodrome" (ear music) zusammen gefunden hat. Da hätten wir den amerikanischen Ex-Police-Drummer Stewart Copeland, der es sich bei diesem Projekt nicht nehmen lässt, auch als Sänger zu agieren. Des Weiteren den gleichfalls aus den USA stammenden Gitarristen Adrian Belew, der schon für King Crimson, David Bowie, Frank Zappa oder die Talking Heads mächtig in die Saiten gegriffen hat. Der Engländer Mark King ist der Inbegriff des Slap-Bassisten und war Mitbegründer von "Level 42". Zu guter Letzt gibt es noch den Mailänder Vittorio Cosma, für einige Jahre erfindungsreicher Keyboarder der italienischen Prog-Legende "PFM".

"Gizmodrome" haben in ganz anachronistischer Weise ihren Erstling aufgenommen: Man hat sich nicht gegenseitig Dateien hin und her geschickt, wie das inzwischen modern ist, stattdessen verbarrikadierte man sich für 15 Tage in einem Nord-italienischen Studio, um die zwölf Tracks ganz in althergebrachter Tradition gemeinsam aufzunehmen, wodurch sie eine enorme Dynamik entwickeln und die Spielfreude bei solchen Haudegen vorprogrammiert ist. "Das Ganze ist Progressive Pop, behaupte ich mal", erklärt Adrian Belew beim Interview in der Suite eines Münchner Nobel-Hotels. Um gleich darauf Stewart Copeland krachend auf den Oberschenkel zu klatschen, während er sich ein Grinsen nicht verkneifen kann.

Es wird viel gelacht beim Gespräch an diesem Nachmittag. Man hat allen Grund zur Freude, denn "Gizmodrome" ist ein launiges Stück unvorhersehbarer Klänge geworden, das von sämtlichen musikalischen Einflüssen profitiert, welche die vier alten Knaben aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen ins Geschehen eingebracht haben. Der 65-jährige Copeland und sein zwei Jahre älterer Landsmann Belew sind bester Dinge beim launigen verbalen Schlagabtausch. "Wir haben Musikgeschichte geschrieben", feixt Copeland, "und daher nichts zu verlieren. Insofern sind wir absolut tiefen entspannt."

Wie kam es zu dieser ungewöhnlichen Kooperation von vier Alpha-Tieren, was hat euch zusammengebracht?

Stewart Copeland: Schuld daran ist meine Wenigkeit - ich kenne Vittorio seit über zehn Jahren, arbeite mit ihm an den unterschiedlichsten Projekten. Irgendwann hat er mich, den in Kalifornien Lebenden, zu sich nach Mailand eingeladen, damit ich dort mit meiner Familie Urlaub machen kann und gleichzeitig mit ihm an ein paar losen Ideen locker arbeite. Das klang spannend. Also habe ich mich auf die Sache eingelassen. Aber ehe Adrian und Mark an Bord kamen, hat es noch eine Zeitlang gedauert. Doch jetzt ist die Sache ausgereift, wir können loslegen. Anfang nächsten Jahres werden wir auf Tour gehen und freuen uns darauf. Ideen für eine zweite Platte gibt es ebenfalls. Wir sind eine Art Uralt-Boygroup.

Der Beat scheint eine gewichtige Rolle im "Gizmodrome"-Kontext zu spielen, richtig?

Adrian Belew: Das tut er! Ganz ehrlich, ich wäre diesem Stall von merkwürdigen Säcken nicht beigetreten, wenn der Rhythmus nicht im Vordergrund gestanden hätte. (lacht) Aber jetzt ernsthaft: Ohne dass du zu Musik nicht ordentlich tanzen kannst, funktioniert sie in meinem Weltbild nicht. Beweg dich und werde frei!

Wie darf man "Progressive Pop" definieren - denn so definiert ihr euren Sound ja selbst?

Belew: Eigentlich wollen wir in erster Linie gefährlich klingen! Wir fühlen uns durchaus dem Progressive-Rock von King Crimson oder den frühen Genesis verbunden, gleichzeitig kann man nihilistische Punk-Töne raushören. Diese Kombination ist absolut irre. Und ich hoffe, sie ist unwiderstehlich.

Wie wichtig war es, sich gemeinsam im Studio zu verbarrikadieren und einfach mal aufzunehmen?

Copeland: Extrem wichtig, weil ansonsten die Synergie nicht funktioniert hätte. Man kann doch kein spannendes Rock-Werk aufnehmen, wenn man sich seelenlos Daten hin- und herschickt, oder täusche ich mich? Das beraubt eines solchen Sounds wie des unseren jeglicher Energie.

Produziert worden ist "Gizmodrome" vom italienischen Star-Prouzenten Claudio Dentes. Wie wichtig er war er für den Ablauf des Ganzen?

Copeland: Claudio ist ein im besten Sinne des Wortes Verrückter, er lässt die Leute nicht aus dem Studio, ehe sie ihm nicht das geliefert haben, was er sich vorstellt. Ich liebe diese Art zu arbeiten, denn jeder Beteiligte erweist dem Anderen seinen Respekt, fordert aber auch das Äußerste von ihm. Trotzdem war der Aufnahme-Vorgang sehr entspannt: Wir Vier von der Band haben gegen Neun ein Frühstück eingeworfen, danach ging es ins Studio. Und um circa 17 Uhr haben wir fluchtartig gemeinsam das Studio verlassen, gerne Arm in Arm, um das italienische "dolce Vita" zu genießen. Der Konsum von Wein hat dabei eine nicht unwesentliche Rolle gespielt. Das ganze Projekt ist eine große Party von vier Jungs, die dem Zuhörer nichts weiter als eine tolle musikalische Party servieren wollen.

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