23.11.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Neun Prozent der Deutschen sind absolute Buch-Verweigerer - Hoher Anteil bei der Ausleihe: "Leseratten" und "Regalsteller" im Land der Dichter und Denker

von Redaktion OnetzProfil

Was das Lesen angeht, scheiden sich im Land der Dichter und Denker die Geister: Die einen können ohne Bücher nicht sein, die anderen kommen prima ohne sie aus. Der Börsenverein des Deutschen Buchhandels wollte es genauer wissen und hat eine Studie über das Leseverhalten der Deutschen in Auftrag gegeben. Die Affinität zum Buch reicht - in Typen eingeteilt - von der "kauffreudigen Leseratte" über den "Regalsteller", der Bücher nur als Deko fürs Wohnzimmer braucht, bis hin zum "Buchresistenten", der um Bücher komplett einen Bogen macht.

Für die Studie wurden in diesem Jahr 10 000 Menschen ab zehn Jahren befragt. Das Ergebnis: Neun Prozent der Deutschen - darunter 55 Prozent Männer - sind "buchresistent": Wenn's um Bücher geht, werden sie zu Totalverweigerern und greifen stattdessen lieber zur Fernbedienung oder surfen durchs Internet. Die größte Gruppe der Befragten, rund 40 Prozent, sind die "Wenigleser". Sie konsumieren zwischen einem und neun Büchern im Jahr. 24 Prozent der Bevölkerung sind "Durchschnittsleser", die auf mehr als neun Bücher im Jahr kommen.

Die echten Bücherwürmer schließlich versammeln sich in der Gruppe der "Vielleser", die mehr als 18 Bücher im Jahr verschlingen - ihr Anteil liegt immerhin bei 27 Prozent. "Überraschend war für uns, dass aber nur zehn Prozent der Deutschen auch ,Vielkäufer' sind", sagt die Geschäftsführerin für die Buchhandelssparte des Börsenvereins, Dorothea Redeker.

Die Lieblinge der Buchbranche sind natürlich diejenigen, die beides tun: Viel kaufen und viel lesen - die "kauffreudigen Leseratten". Sie sind mit fünf Prozent allerdings in der Minderheit. Lesen ist für sie ein Hobby; sie kennen sich sehr gut im Buchangebot aus und informieren sich ständig über Neuerscheinigungen, verrät die Studie.

Ganz anders die Spezies der "ausleihenden Leseratte", als die immerhin 21 Prozent der Deutschen bezeichnet werden. Sie liest durchschnittlich bis überdurchschnittlich viele Bücher, kauft im Verhältnis dazu aber relativ wenige Bücher neu. Stattdessen leiht sie sich den Lesestoff gern bei Freunden oder in der Bibliothek aus und hat daher eine hohe Affinität zu gebrauchten Büchern.

Besonders skurril ist die Gruppe der "buchkaufenden Nichtleser" - sie ist aber mit zwei Prozent auch verschwindend klein. Das sind diejenigen, die zwar Bücher kaufen, sie aber nicht lesen, sondern meist verschenken. Dabei interessieren sie sich besonders für teure gebundene Bücher, die sie allerdings nicht so gern in der Buchhandlung, sondern lieber im Supermarkt oder Discounter kaufen.

Auch hinsichtlich der Inhalte hat die Studie verschiedene Typen ausgemacht. So gibt es etwa die "Konsum-Materialisten", die leichte Unterhaltung bevorzugen, oder die "Hedonisten", die sich besonders an Science-Fiction und Fantasy, zum Beispiel Harry-Potter-Romanen, erfreuen. Die "Traditionsverwurzelten" hingegen fühlen sich besonders zu den Themen Garten, Gesundheit, Natur und leichte Belletristik hingezogen. Daneben lässt sich noch eine Gruppe von "DDR- Nostalgischen" charakterisieren, bei denen vor allem Ost-Literatur und Gesellschaftskritisches Absatz findet.

Die Studie verrät auch, wie groß die privaten Bibliotheken der Deutschen sind: 40 Prozent der Bundesbürger haben in ihrem Regal 50 bis 200 Bücher stehen. Jeder Vierte verfügt über 200 bis 500 Exemplare. Und bei 14 Prozent gibt es sogar mehr als 500 Bücher im Schrank.

Leseintensität und Buchbesitz hängen dabei nicht immer zwingend zusammen. Sieben Prozent der Deutschen sind "Regalsteller": Sie kaufen mehr Bücher als sie lesen. "Bücher haben eine hohe Wertschätzung in der Gesellschaft", sagt Redeker. Viele Menschen kaufen daher Bücher nur aus dekorativen Gründen - weil's im Regal was hermacht. Andere kommen aus Zeitmangel nicht zum Lesen, obwohl sie es sich eigentlich vorgenommen hatten.

Im Ergebnis habe die Studie gezeigt, dass es klar voneinander abgrenzbare Leserprofile gibt. "Eine der wichtigsten Schlussfolgerungen ist daher für uns, dass sich die Buchhandlungen - vor allem die kleineren - immer mehr spezialisieren und je nach ihrem Kundenstamm nur ein spezielles Sortiment anbieten sollten", resümiert Redeker. In drei Jahren soll die Studie wiederholt werden.

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