Phil Collins
Der freundliche Millionär von nebenan

In der retrospektiven Re-Issue-Reihe " Take A Look At Me Now" wurden alle acht Soloalben von Phil Collins in erweiterten und remasterten Editionen veröffentlicht. Auftakt war mit dem 1981er Album "Face Value" und "Both Sides" (1993).
 

Es ist vollbracht: Mega-Star Phil Collins hat mit den acht Ausgaben der Retrospektive "Take A Look At Me Now", erschienen in den Formaten CD, Vinyl, Download und speziellen Box-Sets, seine bisherige, ganz erstaunliche Solo-Karriere von 1981 bis 2010 dokumentiert.

Hamburg. "Mehr Material, das ich für veröffentlichungswürdig halte, gibt es nicht, dies ist die Essenz aus 35 Jahren Musik, die ich im Alleingang verbrochen habe", lacht der 65-Jährige. "Also keine Angst: Jetzt ist dieses lange Kapitel meiner Laufbahn abgeschlossen. Von heute an gibt es nur noch Neues von mir. Oder auch nichts, wer weiß das schon?"

Der "eingefleischte Brite durch und durch", wie Collins sich selbst bezeichnet, obwohl er seit gut einem Jahr in Florida residiert, hat die Reihe, deren erste Veröffentlichungen im November 2015 das Licht der Öffentlichkeit erblickten, die letzten im Sommer 2016, selbst kuratiert. Alle Werke wurden von Meister-Regisseur Nick Davis gemastert.

Was zur positiven Folge hat, dass nicht nur die acht Original-Scheiben in neuem technischem Glanz erstrahlen, sondern Collins auch sehr persönlich Demos, B-Seiten und vor allem unveröffentlichte Live-Mitschnitte aus all den Dekaden ausgewählt und zur Freigabe abgesegnet hat. "Ich bin immer sehr stolz auf meine Demos gewesen und habe sie oft als B-Seiten veröffentlicht. Trotzdem habe ich es bis auf wenige Ausnahmen vermieden, sie in diese Reihe mit aufzunehmen", erklärt Collins. "Stattdessen habe ich mein Augenmerk darauf gelegt, wie schön sich diese Stücke entwickelten, wenn sie live auf der Bühne gespielt wurden. Dann entfalteten sie ihre volle Pracht. Mir ging es nicht darum zu zeigen, woher diese Lieder kamen, das kann man auf den Studio-Versionen nachhören. Sondern darum, wohin sie gingen und wo sie heutzutage stehen."

Charmanter Entertainer

Phil Collins tauchte bereits in einer Statistik des Jahres 1998 - nach Ex-Beatle Paul McCartney - als zweitreichster britischer Pop-Musiker auf, sein Vermögen damals wurde auf rund 700 Millionen D-Mark geschätzt. Bekannt in der Musikszene wurde der 1951 in London Geborene ab 1970 als Schlagzeuger der Progressive Rock-Formation Genesis. Nach dem Weggang von Sänger Peter Gabriels war er ab dem Jahr 1975 Frontmann der Band.

Seit 1981 nahm der charmante Entertainer neben seiner Genesis-Tätigkeit höchst erfolgreiche Solo-Alben auf, ansonsten war er als Schauspieler in mehreren Filmen wie etwa dem Erfolgsstreifen "Buster" zu bewundern. 1996 trennte sich Collins von Genesis, "im besten Einvernehmen von den anderen", wie er rückblickend sagt. Denn, so meinte er damals: "Ich will ab sofort einfach nur für mich selbst arbeiten", begründete er diesen wegweisenden Schritt in seiner Karriere, "ich habe noch so viele Pläne, die ich nur alleine realisieren kann. Schließlich werde ich ja nicht jünger." Dennoch ließ sich der kleine Mann mit dem schütteren Haar und dem breiten Grinsen 2007 von seinen ehemaligen Bandkollegen Mike Rutherford und Tony Banks dazu hinreißen, sich nochmals auf einer breit angelegte - und höchst erfolgreiche - Genesis-Revivaltournee zu begeben, welche die Gruppe quer durch die Welt und in stets ausverkaufte Stadions führte.

Bei allem Trubel um seine Person und derzeit weit über 100 Millionen verkaufter Soloalben weltweit ist Phil Collins ein extrem angenehmer - und selbstkritischer - Zeitgenosse geblieben, den die Kritik der Medien, die ihn all die Jahrzehnte seiner musikalischen Laufbahn verfolgte, nach wie vor trifft.

"Das stimmt", bekennt er, "obwohl das früher noch schlimmer war. Speziell in den späten 80-ern dachte ich allen Ernstes, die Presse hat recht mit der Einschätzung meiner Arbeit und ich produziere in der Tat nur banalen Schrott. Doch als ich mir in der letzten Zeit eine Menge meiner alten Songs anhörte, um mich im Anschluss an die Arbeit zu 'Take A Look At Me Now' zu machen, dachte ich bei mir: 'Hey, das Zeug ist wirklich gut'. Zumindest ein Teil meiner alten Sachen. Es ist klar, dass an einigen Liedern immer der Zahn der Zeit nagt, da ich mich zu sehr von irgendwelchen Trends habe verführen lassen. Doch einige meiner Songs sind definitive Pop-Klassiker, das lasse ich mir nicht nehmen." Phil Collins sieht sich heutzutage jedenfalls "wesentlich selbstbewusster als früher, was die eigene Arbeit angeht", bestätigt er. Und fügt hinzu: "Das ist natürlich eine Frage des Alters. Ich habe ja das große Glück, dass die Menschen millionenfach meine Platten kaufen, das ist natürlich auch eine Form der Bestätigung. Verkaufszahlen sind gut fürs Ego, absolut. Ansonsten kann ich nur aufrichtig behaupten, dass ich mich in meiner Arbeit nie verbogen habe. Und dennoch damit erfolgreich war. Nur wollte ich noch vor einigen Jahren alle Menschen davon überzeugen, dass ich ehrliche, qualitativ wirklich hochwertige Musik mache. Das sollte mir nicht gelingen. Heutzutage kann ich weitestgehend auf schlechte Kritiken scheißen. Gottseidank!"

Ganz normaler Mensch

Darüber hinaus stellt der gelassene Brite fest, dass er "ein ganz normaler Mensch" sei. Aber ist es aufgrund seines öffentlichen Status überhaupt möglich, ein "normales Leben" zu führen, was immer das heißen mag? "Innerhalb der Parameter, in denen ich lebe, bin ich wohl der normalste Mensch der Welt", lacht Collins. "Okay, ich habe ein paar Millionen auf der Bank, ich muss mich daher um einige alltägliche Dinge im Leben nicht kümmern, das gebe ich zu. Doch ansonsten stehe ich morgens auf, ich setze mich in mein Auto, fahre zum Supermarkt, kaufe dort ein, stelle mich in der Reihe an wie alle anderen und warte, bis ich zum Bezahlen daran komme. Alles ohne Leibwächter, ohne Aufwand, ohne Stress."

"Manche Leute wollen Autogramme von mir, also gebe ich sie ihnen. Aber ansonsten? Ich führe eigentlich das Leben eines Langweilers, der Dinge macht wie Hundert Millionen anderer Menschen auch, Tag für Tag. Und warum auch nicht? Es ist das angenehmste Dasein, das ich mir vorstellen kann.", erklärt Collins
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