11.08.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Regensburger Ausstellung zum 75. Geburtstag des Malers und Grafikers Ludwig Gebhard "Er ist sich immer treu geblieben"

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Eigentlich wollte er Geiger werden. Aber als junger Mann kapitulierte Ludwig Gebhard vor dem Instrument. Eine weise Entscheidung. Der gebürtige Tiefenbacher (Landkreis Cham) wurde Künstler und auf diesem Gebiet zu einem der größten Exportschlager der Oberpfalz. Am 14. August wäre der "Bayer mit dem Bergsteigergesicht", wie er einst charakterisiert wurde, 75 Jahre alt geworden. Die Regensburger Galerie Dr. Erdel Verlag widmet dem 2007 Verstorbenen aus diesem Anlass eine Ausstellung.

Breit gefächertes Spektrum

"Menschenbild" lautet der Titel der Schau. Aus dem breit gefächerten Spektrum des Malers, Grafikers und Bildhauers Gebhard wurde dafür eine Reihe von Blättern mit figürlichen Themen herausgegriffen. 26 Linolschnitte und Radierungen, größtenteils aus den letzten zehn Schaffensjahren des Künstlers, sind in den Räumen direkt an der Donau zu sehen.

Die menschlichen Umrisse erkennt man darin oft erst auf den zweiten Blick. Arme, Beine, Augen: Wie Teile einer Maschine hat Ludwig Gebhard die stets auf die einfachsten Linien reduzierten Körperteile zu Figuren zusammengesetzt. "Ludwig Gebhard war anspruchsvoll", sagte Max Riedl bei seiner Einführungsrede. "Er forderte vom Betrachter Mitdenken und Mitgestalten durch Sehen und Denken."
Mit seinem ganz eigenen Stil feierte Gebhard internationale Erfolge. Vor allem aufgrund seiner Linolschnitte gehört er zu den international führenden Druckgrafikern der zeitgenössischen Kunst. Den Linolschnitt führte er zu vollendeter Perfektion: Eine exakte Ausführung ist charakteristisch für die Arbeiten Ludwig Gebhards.

"Er ist sich immer selbst treu geblieben", sagt Gebhards Witwe Konradine über ihren verstorbenen Mann. "Er hat keine Mode mitgemacht." Während andere Künstler der neoexpressionistischen Wildheit frönten, ging Gebhard seinen ganz eigenen Weg. In ihrer Präzision unterscheiden sich die Menschenbilder des Oberpfälzers auch von den kubistischen Werken Picassos - selbst wenn eine gewisse Ähnlichkeit besteht zwischen den eigenwillig zusammengefügten Gliedmaßen Gebhards und den zersplitterten Figuren des Großmeisters der klassischen Moderne.

Hinzu kommt: Gebhards Bilder sind bunt. Satte Farben wetteifern hier in ihrer Leuchtkraft. Ein Umstand, der auch Max Riedl zu folgender Interpretation veranlasste: "Gebhards Bilder vermitteln durch die Helligkeit und Farbigkeit vorsichtigen Optimismus", sagte der Lehrer und Kunstbuchautor. "Daran ändert auch nichts, dass die Köpfe der Menschen oft aus maschinenteilförmigen Komponenten zusammenmontiert sind."

Museum in Tiefenbach

Die Ausstellung "Ludwig Gebhard - Menschenbild" ist bis zum 26. September in der Galerie Dr. Erdel Verlag, Fischmarkt 3 in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Mittwoch und Freitag von 16 bis 19 Uhr oder nach Vereinbarung (Telefon 0941 / 702194). In Tiefenbach gibt es außerdem das Ludwig-Gebhard-Museum.

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