09.01.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Regensburger LOHRBärverlag bietet auf CD einen grandiosen Streifzug durch Böhmens Geschichte "Das Leben ist zum Verrücktwerden schön"

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Geschichte kann so spannend sein. Man muss sie nur richtig erzählen können. Der beste Beweis dafür ist das neue Hörbuch des Regensburger LOHRBär-Verlags. "Das Leben ist zum Verrücktwerden schön", lautet dessen Titel, "Böhmische Geschichte literarisch." Dem Herausgeber Arthur Schnabl ist eine verblüffende Glanzleistung gelungen: Auf drei CDs und in 226 Minuten bugsiert er den Zuhörer durch fast 1000 Jahre Geschichte. Und keine Sekunde davon ist langweilig.

Dichter erzählen

Schnabls Vorgehensweise ist eigentlich ganz einfach: Er lässt Profis zu Wort kommen. Und zwar keine verbissenen Historiker, die auf jedem geschichtlichen Detail beharren. Es sind Schriftsteller, die hier erzählen. Auf was es dem Herausgeber ankommt, formuliert eine fiktive Figur gleich zu Beginn des Hörbuchs: "Die Geschichte ist doch nichts anderes als unsere Geschichten. Und ein Wirtshaus, das ist eigentlich eine Universität, wo sich die Leute Geschichten erzählen, die der Seele weh tun, und die sogar noch im Entsetzlichen schön und interessant sind."
Wie sehr dieser letzte Satz oft auf die tschechische Literatur zutrifft, beweist Jaroslav Haseks "Der brave Soldat Schwejk". Der berühmte Roman ist auszugsweise auch auf der neuen CD vertreten. Von den Habsburgern zur Teilnahme am Ersten Weltkrieg gezwungen, äußerten die Tschechen ihren Widerwillen ironisch in Form von völlig überzogenem Patriotismus: Haseks braver Soldat Schwejk dient der österreichischen Monarchie mit solch einer idiotischen Begeisterung, dass sie einfach zusammenbrechen muss.

16 tschechische und deutsche Literaten führen auf den drei CDs durch die böhmische Geschichte, die fast immer auch ein Stück deutsche ist. Der Reigen von Erzählungen beginnt mit einem Auszug aus Adalbert Stifters Roman "Witiko", der die Frühzeit der tschechisch-deutschen Beziehungen im 12. Jahrhundert schildert.

Und er endet mit der Erzählung "Schiri", in der sich der ostbayerische Gegenwartsautor Bernhard Setzwein der Situation nach dem Fall des "Eisernen Vorhangs" widmet. Dem geschichtlichen Verständnis dienen kurze Einführungen vor jeder Erzählung. In bewundernswerter Prägnanz werden die Jahrhunderte alten Verbindungen zwischen Deutschland und Böhmen erklärt, außerdem die Hussitenaufstände, der 30-jährige Krieg, die Gründung der Tschechoslowakei und der Prager Frühling.
Dass der Schwerpunkt der Erzählungen auf den Schicksalen einzelner Menschen liegt, macht die große Geschichte umso eindringlicher. Es ist fesselnd und beklemmend zugleich, wenn eine Zeitzeugin wie Milena Jesenská über den Morgen des 15. März 1939 berichtet. An diesem Tag waren die deutschen Truppen unter Hitler in Prag einmarschiert und hatten nach der Annexion Böhmens und Mährens auch die "Resttschechei" besetzt. Milena Jesenská starb kurze Zeit später in einem Konzentrationslager.

Böhmischer Akzent

Selten wird Bildung - und zwar sowohl geschichtliche als auch literarische - so gut vermittelt wie anhand dieses neuen Hörbuchs. "Das Leben ist zum Verrücktwerden schön" ist ein Werk, das in einer Gegend, die erst vergangenes Jahr einen "böhmischen Akzent" gesetzt hat, eigentlich in jedem CD-Regal stehen müsste.

"Das Leben ist zum Verrücktwerden schön. Böhmische Geschichte literarisch" ist im LOHRBär-Verlag erschienen und kostet 19,90 Euro.

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