15.04.2018 - 14:58 Uhr
Deutschland & Welt

Regisseur Milos Forman gestorben Immigrant mit zwei Oscars

Los Angeles. Ob "Einer flog über das Kuckucksnest", "Amadeus" oder "Hair" - Milos Forman war ein Ausnahmeregisseur und vielfach preisgekrönt. Schon sein erstes Hollywood-Projekt wurde in Cannes ausgezeichnet, später bekam er zwei Oscars. Am Freitag ist Forman im Alter von 86 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Als Forman 1976 mit seinem ersten Oscar für "Einer flog über das Kuckusnest" in der Hand seiner Wahlheimat, den USA, für die Auszeichnung dankte, war der tschechische Akzent noch deutlich zu hören. Acht Jahre zuvor war er aus der damaligen Tschechoslowakei in die USA emigriert, nachdem sowjetische Panzer 1968 den Prager Frühling niederwälzten. Bei der Oscar-Verleihung im März 1976 setzte sich Forman gegen Star-Regisseure wie Robert Altman, Federico Fellini und Stanley Kubrick durch. Sein Psychodrama "Einer flog über das Kuckucksnest" gewann fünf Oscars, darunter für Regie, Hauptdarsteller Jack Nicholson und als bester Film.

1997 erhält Milos Forman den "Goldenen Bären" für die Filmbiografie "Larry Flynt - Die nackte Wahrheit". Bild: Andreas Altwein/dpa
von Agentur DPAProfil

Forman wurde 1932 in Mittelböhmen als jüngster Sohn eines Lehrers geboren. Er war acht Jahre alt, als seine Eltern von der Gestapo verhaftet wurden, beide kamen in Konzentrationslagern ums Leben. An der Prager Filmakademie lernte Forman sein Handwerk. Mit Filmsatiren wie "Die Liebe einer Blondine" (1965) und "Der Feuerwehrball" (1967) zählte er zu den Vorreitern der experimentierfreudigen Neuen Welle des tschechoslowakischen Films.

Sein erstes Hollywood-Projekt, die Generationen-Satire "Taking Off" (1971), holte zwar beim Cannes-Festival einen Jury-Preis, floppte aber an den amerikanischen Kinokassen. Mit "Kuckucksnest" wendete sich das Blatt. Mit der Mozart-Biografie "Amadeus" (1984) besiegelte Forman seinen Erfolg in Hollywood. Der Film, der das Musik-Genie in einem neuen, nicht nur freundlichen Licht zeigt, gewinnt acht Oscars - auch für die beste Regie.

Forman ging kontroverse Stoffe mutig an und führte häufig die Kehrseiten seiner Figuren vor. Reine Filmbiografien seien meistens "ziemlich langweilig", sagte er 2006 beim Kinostart von "Goyas Geister" der Deutschen Presse-Agentur. "Da muss immer noch etwas anderes in der Geschichte stecken." "Larry Flynt - Die nackte Wahrheit", die Geschichte des erfolgreichen US-Verlegers des Pornoblattes "Hustler", löste eine heftige Diskussion um dessen Rolle als Vorkämpfer der Meinungsfreiheit aus. Bei der Berlinale 1997 gab es dafür den Goldenen Bären. 2012 meldete sich Forman aber noch einmal zurück, diesmal vor der Kamera. An der Seite von Catherine Deneuve und ihrer Tochter Chiara Mastroianni trat der Gelegenheits-Schauspieler in der französischen Musikromanze "Les Bien-Aimés" auf. Der Film spielt in Paris, Prag, London und den USA. In der Rolle eines gealterten tschechischen Liebhabers kehrte Forman zu seinen Wurzeln zurück.

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