26.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Regisseur und Schauspieler Richard Attenborough im Alter von 90 Jahren verstorben - Werke mit ... Von "Gandhi" bis "Jurassic Park"

Bei der 55. Verleihung der "Oscars" 1983 erhielt Richard Attenborough (links) den Preis für die Beste Regie und als Produzent in der Kategorie Bester Film für "Gandhi". Meryl Streep bekam ihren Oscar als Beste weibliche Hauptdarstellerin in dem Film "Sophies Entscheidung". Ben Kingsley erhielt die vergoldete Statuette für die Beste männliche Hauptrolle in dem Film "Ghandi". Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Ein magerer Lendenschurzträger hat nicht jedem Regisseur zum Gipfelsturm verholfen. Doch Richard Attenboroughs Monumentalfilm "Gandhi" (1982) über den indischen Freiheitskämpfer räumte acht Oscars ab und bescherte dem Briten Weltruhm. Spätestens seitdem war Attenborough vor allem in seiner Heimat im kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Leben eine unangreifbare Größe. Vom Königshaus bis zum Premierminister: Die Kontakte des Mannes mit dem weißen Rauschebart reichten bis ganz nach oben - für die meisten war Lord Attenborough trotzdem schlicht "Dickie". Am Sonntag starb der Regisseur und Schauspieler im Alter von 90 Jahren, wie sein Sohn der BBC sagte.

Während seiner langen Karriere beschäftigte Attenborough dabei kaum etwas wie das Leben Gandhis. Mehr als zwei Jahrzehnte hatte er das Epos geplant und Geld gesammelt. Belohnt wurde er mit Oscars, unter anderem für den "Besten Film" und "Beste Regie". "Ich will unterhalten und das Publikum dabei auch zum Nachdenken anregen", erklärte Attenborough einst.

Regisseur aus Frust

Dies gelang ihm schon zuvor mit seinem Kriegsfilm "Die Brücke von Arnheim" (1977), der auch in Deutschland große Beachtung fand. Auch mit dem Anti-Apartheidsdrama "Cry Freedom" (1987) oder mit "A Chorus Line" (1985), in dem er die Schattenseiten des Showgeschäfts beleuchtet, berührte er das Publikum. Zu seinen bekannten Werken gehören zudem das filmische Porträt über Charlie Chaplin "Charlie" (1992) und das Drama "In Love and War" (1996) über die erste Liebe Hemingways.

Bei seinem unermüdlichen Engagement hinter der Kamera wird oft vergessen, dass Attenborough Dutzende Male als Schauspieler auftrat, darunter in den 40er Jahren als psychopathischer Gangster mit Babygesicht in "Brighton Rock" oder als exzentrischer Milliardär in Spielbergs Dinosaurier-Streifen "Jurassic Park".

Sein Enthusiasmus für die Schauspielerei hielt sich jedoch in Grenzen: Aus Frustration habe er ins Regiefach gewechselt, gestand er einmal. "Ich war in Filmen immer einer von den Typen, die nur auf den unteren Decks der Marine Ihrer Majestät mitspielen durften (...). Ich hatte ein so pausbäckiges Gesicht, dass ich als 25-Jähriger immer noch 15-Jährige spielen sollte."

Seinem Ruhm schadete das nicht. 1993 ernannte ihn die Queen zum Lord Attenborough of Richmond-on-Thames und verlieht ihm damit die Berechtigung, im Oberhaus Politik zu machen. Den Adelstitel hatte er sich redlich verdient, schließlich war der Picasso-Liebhaber in unzähligen Vorständen von Wohltätigkeits- und Kultureinrichtungen aktiv. Dabei übte sich Tausendsassa Attenborough gerne in Bescheidenheit. "Ich bin kein großartiger Regisseur, ich bin ein guter Regisseur", antwortete er auf die Frage, wie man sich als "lebende Legende" fühlt.

Harte Schicksalsschläge

In Rage konnte man ihn auch nicht mit Fragen nach seinem bekanntenBruder, dem Tierfilmer David Attenborough, bringen. Ihn bekümmere jedoch, dass er im Gegensatz zu seinen beiden jüngeren Brüdern nicht an die Universität gegangen sei - einen Mann, der in Cambridge als Sohn eines Universitätsrektors zur Welt kam, mag das wurmen. Doch dafür lernte er die Schauspielerei auf der Londoner Royal Academy of Dramatic Arts.

Jedoch blieb Attenborough, der mehr als 50 Jahre mit der Schauspielerin Sheila Sim verheiratet war und im Londoner Promi-Vorort Richmond lebte, nicht von Schicksalsschlägen verschont: Seine älteste Tochter sowie deren Tochter und Schwiegermutter kamen 2004 bei dem Tsunami in Südostasien ums Leben. Weihnachten mochte er deshalb nicht gerne feiern.

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