20.02.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Rupert Lummer schafft gelungene Projektion von Vincenzo Bellinis Oper "Norma" im Theater ... Mystische Schleier wehen in die Gegenwart

von Stefan RimekProfil

Regensburg. Das Mystische, das Seherische und die Symbolik regieren in der Inszenierung von Vincenzo Bellinis "Norma" durch Rupert Lummer am Theater Regensburg. So ist mehrmals im Rahmen einer Video-Projektion auf einem transparenten Vorhang überdimensioniert Normas Auge zu sehen, in welchem sich von einer Hinrichtungsszene bis hin zu Eindrücken aus Normas und Polliones glücklicheren Tagen so einiges abspielt.

Finale mit Weltenbaum

Treffend ist auch die Einspielung des Weltenbaumes "Irminsul" in der Schlussszene, der hier auch wirklich von Norma als "Baum" und nicht als Gott gesehen wird. Auch nimmt das Auge mal seherisch ein Bühnenbild vorweg, das dann im nächsten Moment exakt so dasteht, wie es auf der Projektion Norma erschienen ist, inklusive der Originalgröße der Gegenstände. Keine Frage, das ist sehr professionell umgesetztes, kreatives Musiktheater, wenngleich natürlich dieser Einfall mit dem Auge entfernt an die Inszenierung von Puccinis "Tosca" durch Philipp Himmelmann im Rahmen der letztjährigen Bregenzer Festspiele erinnert. Symbolische Anspielungen gibt es en masse in dieser modernen Inszenierung zu bestaunen. So werden gallischen Frauen Sprengstoffgürtel angelegt, um sie als Selbstmordattentäterinnen zu den Römern zu schicken. Obwohl Norma den Frauen die Gürtel wieder abnimmt, ist dies ein problematischer Vergleich.
Flavio fotografiert im Kampfanzug und mit kugelsicherer Weste Dokumente und auffällig oft sieht man zigarettenrauchende Protagonisten. Sollte das ein Zufall sein, bei Bayerns rigorosem Rauchverbot? Die Stimmen des Chores, der unsichtbar im 4. Rang platziert ist, malträtieren Norma im Kopf - hier wiederum als seherische Symbolik während sie den Mond anruft.

Insgesamt ist es Rupert Lummer hier überwiegend gelungen, einem antiken Stoff aus einem Werk des 19. Jahrhunderts ein packendes zeitgenössisches Gewand anzulegen, das zu fesseln versteht ohne die Substanz und Intention des Werks anzutasten. Das geschickte Einbeziehen der Dreh- und der Hebebühne komplettiert das Geschehen.

Ausstatter Rainer Sellmaier schuf dazu die passenden Bühnenbilder (Minimalistisch graue Kargheit mit bescheidenen Möbeln in Normas "Felsenwohnung", kultiges Steinambiente am Druidenaltar) sowie die modern gehaltenen Kostüme. Ärgerlich ist allerdings, dass Lummer es mit seinen Anspielungen übertreibt, wenn er vor dem Beginn des zweiten Aktes zum Rap "Gangsters Paradise" Normas Kinder nach Ghetto-Manier mit einem Basketball auf dem heiligen Hain der Druiden hantieren lässt. Das sorgte bei der Premiere nicht zu unrecht für einige wirklich lautstarke Unmutsäußerungen im Publikum. Dieser "Einfall" ist mehr als überflüssig und schadet der Produktion.
Große Opernkunst boten am Premiereabend die Bühnenakteure. Allen voran ist hier Tenor Yoon-Jong Kook zu nennen, der einen packend kraftvollen, sauber artikulierenden und fesselnd bühnenpräsenten römischen Prokonsul Pollione gab. Christina Lamberti in der Rolle der Norma stand ihm hier kaum nach und so wurden ihre Duette mit Pollione, aber auch die mit der als Gast eingesprungenen Rita Kampfhammer als Adalgisa zum Klangerlebnis. Aber auch die weiteren Rollen waren mit Martin-Jan Nijhof (Oroveso), Mirna Ores (Klothilde) und Kartsten Münster (Flavius) treffend besetzt.

Dynamisches Orchester

Der Chor ist von Christoph Heil hervorragend einstudiert worden und das Orchester fand unter der Leitung von Georgios Vranos zu angemessenen Tempi und zeigte eine überzeugende Dynamikarbeit sowie Sinn für die Spannungsbögen. Der Schlussapplaus hielt an und war in Bezug auf die Bühnenakteure und das Orchester zurecht aufbrausend.

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