Schauspielensemble um den Speichersdorfer Adam Jaskolka inszeniert "Dracula" in der Hallermühle
Vampirtänze zwischen Knoblauch und Kruzifix

Die Scheinwerfer tauchen die Bühne in grellbuntes Licht, als Graf Dracula (Mario Zuber) der von ihm verehrten Mina (Dominique Berg) seine Aufwartung macht. In ihr sieht er seine tote Geliebte Elisabeta. Bild: apz
Es wird geliebt, gelitten und gepfählt. Vampire treiben ihr Unwesen, überlange Eckzähne blitzen auf, Knoblauchknollen fliegen ins Publikum, Kruzifixe dienen als Allzweckwaffe, und Fackeln kämpfen sich durch den undurchdringlichen Bühnennebel. Es ist unübersehbar: Graf Dracula hat seit Donnerstag in der Hallermühle in Lehen (an der B 22 zwischen Speichersdorf und Bayreuth) vorübergehend Station bezogen.

Der in München ausgebildete Schauspieler und Sänger Adam Jaskolka - ein Speichersdorfer mit polnischen Wurzeln, Jahrgang 1979 - bringt in diesen Tagen mit sechs überzeugenden Profi-Kollegen und vier Statisten das 80-minütige Schauerstück "Dracula" höchst unterhaltsam auf die Bühne. Heinz Fischer aus Bayreuth hatte die Idee zur Gründung eines "Stadl-Dinner-Theaters": Hier kann man schlemmen, gruseln und staunen in gemütlich-ländlicher Mühlenatmosphäre.

Film als Vorlage

Fischer, der auch Regie führt, schuf eine Fassung, die auf dem Roman von Bram Stoker beruht und sich an den Film von Francis Ford Coppola von 1992 anlehnt. Die insgesamt zehn Aufführungen finden noch bis zum 8. September im wildromantischen Garten der Hallermühle statt, bei schlechter Witterung im Stadl mit seinen 110 Sitzplätzen.
Als junger Londoner Anwalt Jonathan Harker, der kurz vor der Hochzeit mit seiner Mina steht, bringt Jaskolka intensiv, aber nicht übertrieben agierend große Spannung in die unheimliche Begegnung mit Graf Dracula, der in Mina (unschuldig und ahnungslos: Dominique Berg) seine ehemalige Geliebte Elisabeta zu erkennen glaubt. Jaskolka ist ein gefragter Musicalsänger und Schauspieler, wirkte bereits in der Bernd-Eichinger-Produktion "Der Baader Meinhof Komplex" mit. Die gewinnende Nähe zum Musical wird bei dieser Dracula-Inszenierung durch Text- und Toneinspielungen geschaffen, welche die einzelnen Szenen fast filmisch miteinander verbinden.

Attraktiv und brandgefährlich zugleich überzeugt Mario Zuber als oberster Vampir aus Transsylvanien im roten Cape. Franziska Lutz gibt die heldenhafte Ärztin Eva van Helsing, die mit Mut und Entschlossenheit kämpft, pfählt und Knoblauch als Waffe einsetzt. Nur sie erkennt den Grund der rätselhaften Blutarmut von Lucy (perfekt bleich und blond: Denise Schindler). Unter der Stadltreppe, im Verlies, haust der beängstigende Dr. Renfield (Horst Dinges), der seinem Meister Dracula ganz und gar hörig ist, am Ende aber auch keine Chance hat.

Aus Arzt wird Ärztin

Für Kostüme, Frisuren (!) und das dreiteilige Bühnenbild wurden sparsame, aber ausreichende Lösungen gefunden.

Die Inszenierung überzeugt und wird durch eine Idee getragen, die wohl nur in unseren Tagen zu verwirklichen ist: Aus Lucys Arzt Dr. Jack Seward wird mit Fabienne Kuether kurzerhand eine Jackie Seward, die zur untoten Lucy mehr Gefühle pflegt, als sie in einer Arzt-Patienten-Beziehung nötig und üblich sind. Viel Applaus von ganzen Familien, die sich gleich mit drei Generationen gruseln wollten.

Weitere Vorstellungen folgen am 13., 14., 18., 25. und 29. August sowie am 1., 3. und 8. September (Beginn mit Dinner um 18.30 Uhr, Vorstellung ab 20.30 Uhr). Karten bei der Bayreuther Theaterkasse (Telefon 0921/69001) und der Hallermühle (Telefon 09209/1351).

Weitere Informationen im Internet:

http://www.hallermuehle.de
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