16.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Schriftsteller fordern fairen Markt und faire Buchpreise - Brief an Amazon-Gründer Jeff Bezos Auch deutsche Autoren protestieren gegen Amazon

Auch Schriftstellerin Ingrid Noll und der gebürtige Oberpfälzer Autor Horst Eckert haben den Protestbrief an Amazon-Chef Bezos unterschrieben. Archivbilder: Wilck, hfz
von Redaktion OnetzProfil

(dpa/esc) Auch deutschsprachige Autoren üben scharfe Kritik an den Methoden des Onlinehändlers Amazon. In einem Protestbrief an Amazon-Chef Jeff Bezos, der dem "Handelsblatt" vorliegt und nächste Woche veröffentlicht werden soll, werfen die Schriftsteller Amazon vor, Schriftsteller einzelner Verlage zu boykottieren, die sich gegen höhere Rabatte wehren.

Bücher als Druckmittel

Laut "Handelsblatt" gehören zu den über 100 Unterzeichnern des Briefes Autoren wie Ingrid Noll, Nele Neuhaus und "Tatort"-Drehbuchautor Fred Breinersdorfer. Amazon würde Autoren und ihre Bücher als Druckmittel für mehr Rabatte missbrauchen, lautet ihre Kritik. Die Autoren fordern außerdem ihre Leser dazu auf, selbst an Amazon-Gründer Jeff Bezos und den Chef von Amazaon Deutschlanf einen Brief zu schreiben, und "ihm ihre Meinung über die jüngsten Erpressungsmethoden mitteilen".

Auch der in der Oberpfalz geborene Krimiautor Horst Eckert hat den Brief unterzeichnet. Er begründet seine Unterschrift so: "Marktmacht lädt offenbar zum Missbrauch ein und das ist der Fall, wenn Amazon Empfehlungslisten fälscht und Bücher einzelner Autoren mit großen Verzögerungen ausliefert, um deren Verlage zu größeren Rabatten zu zwingen. Darunter leidet letztlich die Literatur. Meine Bücher sind davon zwar nicht betroffen, aber in solchen Fällen müssen wir Autoren zusammenhalten."

"Wir müssen die Leser aufklären, dass die Manipulation der Empfehlungslisten und die verzögerte Auslieferung von Büchern, deren Verlage sich gegen Amazon wehren, zum Alltag bei Amazon gehören", sagte Regula Venske, Generalsekretärin des PEN-Zentrums Deutschland.

Amazon wollte zu dem Schreiben am Donnerstag nichts sagen. "Einen Brief, den wir noch nicht erhalten haben und dessen Inhalt wir nicht kennen, können wir nicht kommentieren", sagte ein Sprecher auf Anfrage der Nachrichtenagentur dpa. Allerdings wollte der Versandhändler am Nachmittag zu den Diskussionen mit der Verlagsgruppe Bonnier - zu der die Verlage Piper, Ullstein und Carlsen gehören - Stellung nehmen. Der Streit mit Bonnier war in Deutschland der Auslöser für die Diskussion um einen fairen Buchmarkt.

Auslieferung verlangsamt

Zuvor hatten schon in den USA mehr als 900 Autoren, darunter Stephen King und John Grisham, mit einem offenen Brief gegen Amazon protestiert. Es geht dabei um den seit Monaten schwelenden Streit mit dem US-Verlag Hachette. Die Autoren kritisierten, dass Amazon die Auslieferung gedruckter Hachette-Bücher verlangsamt sowie keine Vorbestellungen angenommen habe. Der Internet-Händler will niedrigere Preise für digitale Bücher durchsetzen. Literatur müsse günstiger werden, da sie mit vielen anderen Medien im Wettbewerb stehe, konterte Amazon.

Themenseiten:

Kommentare

Um Kommentare verfassen zu können, müssen Sie sich anmelden.

Bitte beachten Sie unsere Nutzungsregeln.