30.08.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Schwarze Bildergeschichten aus Scherenschnitten von Lisl Fiedler im Viechtacher lichtung verlag "Was man so sieht und hört und denkt"

von Susanne WolkeProfil

Sie bereisen zusammen die Welt, sie feiern Zechgelage, sie gehen auf Bußwallfahrt. Sie lachen, sie kämpfen, sie sterben: "Fünf für alle" nennt Lisl Fiedler die Protagonisten ihrer aus schwarzem Papier geschnittenen Bildergeschichten. "Was man so sieht und hört und denkt", beschreibt die Regensburgerin ihre humorvollen, philosophischen und kritischen kleinen Kunstwerke.

Die Scherenschnitte sind das Lebenswerk Lisl Fiedlers. Seit ihr ihre Tante Mila einst eine kleine Schere mit goldenen Griffen geschenkt hat, hat sie dieses Werkzeug nie mehr beiseite gelegt, erzählt die 87-Jährige. In feinster Kleinarbeit entstanden seitdem Märchenillustrationen und die schwarzen Geschichten, in denen Lisl Fiedler über Jahrzehnte hinweg ihre Eindrücke und Ansichten zum Ausdruck gebracht hat. Der Großteil der filigranen Arbeiten ist nun in einem schönen Buch veröffentlicht: "Scherenschnitte. Schwarze Geschichten - geschrieben und aus Papier geschnitten" ist im Viechtacher lichtung verlag erschienen (144 Seiten, 19,80 Euro).

65 Geschichten

Der Band enthält 65 Scherenschnitt-Geschichten samt den dazugehörigen Gedichten: kleine Welten, in denen die stets wiederkehrenden fünf Kameraden menschlichen Torheiten und Schwächen erliegen. Denn der Inhalt der Erzählungen widerspricht oft der auf den ersten Blick niedlichen Aufmachung der Scherenschnitte. In ihren Gedichten geht Lisl Fiedler mit den Menschen hart ins Gericht: "Der Menschheit ständige Begleiter / Sind die apokalyptischen Reiter", urteilt sie. "Kaum haben sie den letzten Ritt getan / Steht ein neuer schon auf dem Plan."

Gerippe, Geisterbahnfiguren, drohende Ehefrauen und immer wieder der mit rundem Gesicht auf die Erde herabblickende Mond bevölkern die mit Meisterhand gefertigten Scherenschnitte Fiedlers. Die trotz aller Gesellschaftskritik stets freundlich-moralischen Geschichten erinnern an den Geist der 50er und 60er Jahre, ohne allerdings altbacken daherzukommen. Eine besondere Liebe zum Detail zeigt die Regensburger Künstlerin bei der Darstellung von Tieren: Die Evolutionsgeschichte erzählt sie als Aneinanderreihung von Gliederfüßlern, Dinosauriern und Nashörnern in tropischer Landschaft, ihr Elefant im Zoo bespritzt sein Publikum zunächst mit Wasser und raubt ihm anschließend den Schirm.

Lange Tradition

Mit ihren Scherenschnitten steht Lisl Fiedler in einer langen Tradition, wie im einleitenden Teil des Buches nachzulesen ist: Ursprünglich aus Asien stammend, kamen Schattenriss und Scherenschnitt vor allem im Europa des 18. Jahrhunderts in Mode.

Weitere Informationen im Internet:

www.lichtung-verlag.de/

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