06.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Serben sprengten Bosniens historisches Juwel - Für Beendigung des Wiederaufbaus fehlt Geld Nach Zerstörung glänzt Ferhadija-Moschee wieder

Sie galt als eine der ältesten und kulturell wertvollsten Moscheen des Balkans. Die Ferhadija in Banja Luka wurde 1993 von Serben zerstört. Ein Parkplatz trat an ihre Stelle. Jetzt wird sie wieder aufgebaut. Bild: dpa
von Agentur DPAProfil

Als religiöses und architektonisches Kleinod stand die aus dem 16. Jahrhundert stammende Ferhadija-Moschee im bosnischen Banja Luka schon früh auf der Unesco-Liste des Weltkulturerbes. Doch im Mai 1993 sprengten Serben das historische Juwel, warfen Steine auf die Mülldeponie, verwendeten sie im Straßenbau oder entsorgten sie einfach im Vrbas-Fluss. Dann legten sie auf dem Gelände einen Parkplatz an. Jetzt erstrahlt das Schmuckstück wieder im alten Glanz - jedenfalls teilweise. Um den Wiederaufbau zu beenden, fehlt das Geld.

"Rund 60 Prozent der Originalsteine konnten wir sicherstellen", freut sich Armin Djindo, der die Arbeiten koordiniert. Zum Glück konnten auch Baupläne in Sarajevo ausfindig gemacht werden. Eine große Überraschung stand 2001 am Anfang des Wiederaufbaus. Die Fundamente zeigten, dass die Moschee auf Holzpfählen gestanden hatte. Wahrscheinlich hatte sie nur so das Erdbeben von 1969 halbwegs überstanden.

Finanziert wird der Aufbau hauptsächlich von der Türkei. Auch Spanien und Deutschland stellten kleinere Finanzspritzen bereit. Doch wegen dauernder Geldknappheit wurden die Arbeiten zeitweise eingestellt. Während die Außenmauern und das Minarett inzwischen wieder erstrahlen, hat der Innenausbau noch gar nicht begonnen. Die zweite Grundsteinlegung geriet zum Fiasko, erinnert sich der Präsident der Islamischen Gemeinde, Kasim Mujicic. Etwa 3000 aus dem ganzen Land nach Banja Luka gebrachte wütende Serben wollten das mit Gewalt verhindern. Ein Toter und mehrere Verletzte waren zu beklagen. Einen Monat später konnte unter dem Schutz eines massiven Polizeiaufgebotes die Grundsteinlegung nachgeholt werden. Bisher sind umgerechnet 3,5 Millionen Euro in den Wiederaufbau gesteckt worden, rechnet Mujicic vor. Eine Million Euro seien noch erforderlich.

"Der nationale Hass der Serben hat mit der Zeit nachgelassen", sieht der Gemeindevorsteher die Lage heute entspannter. Die Gemeinde habe sogar Positives aus ihrem ganzen Unglück ziehen können. Vor dem Bürgerkrieg (1992-1995) hätten nur die Alten die Moscheen besucht. "Heute kommen viele Junge, die durch den Krieg gläubig geworden sind", sagt Mujicic. Schätzungsweise 10 000 muslimische Bosnier leben nach seiner Schätzung in dieser zweitgrößten Stadt des Balkanlandes. Sie finanzieren wie eh und je mit Spenden den größten Teil der Gemeindekosten.

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