20.02.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Skulpturen von Joachim Berthold in der Städtischen Galerie "Leerer Beutel" in Regensburg Wie die Menschen in ihrem Umfeld agieren

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. Joachim Berthold wusste schon als Kind: "Ich will Bildhauer werden." Der Sohn einer Malerin und eines Goldschmiedes wurde diesem Ziel nie untreu. Heute, rund 20 Jahre nach seinem Tod, gilt Berthold als eine der herausragenden Bildhauerpersönlichkeiten des 20. Jahrhunderts.

Erfolge feierte er außer in Deutschland vor allem auch in den Vereinigten Staaten. Die Städtische Galerie "Leerer Beutel" in Regensburg widmet dem Künstler eine Ausstellung anlässlich seines 90. Geburtstages.

Die Bronzeplastiken, die im "Leeren Beutel" zu sehen sind, wirken vertraut. Man kennt sie von Postkarten und aus dem öffentlichen Raum: reduzierte Formen, manchmal schlank, manchmal massig, aber stets voller Spannung. Gezeigt ist immer wieder der Mensch. Allein und in Gruppen, stehend, liegend, durch eine Mauer schreitend. Gerade diese roh gearbeiteten Mauern und Bronzeblöcke stehen in starkem Kontrast zu den exakten, wie geschliffenen Umrissen der Figuren, die sich aus ihnen lösen. Ein Vergleich mit Rodin ist hier nicht weit hergeholt. "Ich wurde außergewöhnlich gepackt", berichtete Joachim Berthold über seine erste Begegnung mit Werken des französischen Meisters. Das war 1937. Eine glückliche Fügung des Schicksals hatte es dem jungen Mann damals ermöglicht, nach Paris zu reisen.
Natürlich nutzte Berthold diesen Aufenthalt für den Besuch von Museen und Ateliers. Schließlich hatte er damals selbst schon die künstlerische Laufbahn eingeschlagen: Der 1917 in Eisenach geborene Berthold besuchte seit 1936 die Bildhauerklasse an der Kölner Werkschule. Es folgten Jahre an der Akademie der Bildenden Künste in München. Nicht weit von der bayerischen Metropole richtete der Bildhauer nach Kriegsende sein erstes Atelier ein: Oberaudorf am Inn sollte bis zu seinem Tod im Jahre 1990 Bertholds Heimat bleiben. Es war nicht nur Rodin, der den Bildhauer Berthold besonders beeinflusste. "Von Kindheit an ging meine große Liebe zur ägyptischen Kunst", hat Berthold einmal gesagt. "Hier liegt sicher der Beginn meiner künstlerischen Vorstellungen." Die strenge Linienführung seiner Gestalten ist wohl auf diese frühen Eindrücke zurückzuführen.

Noch eine weitere künstlerische Strömung scheint sich im Werk Bertholds zu spiegeln: der Kubismus. Immer wieder hat Berthold Menschen in Bewegung dargestellt - und zwar in einer Reihe von Momentaufnahmen. Die Plastik "Entwicklung" von 1976/77 ist ein Beispiel dafür. Die menschliche Gestalt ist hier regelrecht zersplittert in eine Reihe von Bewegungsabläufen.

Die Ausstellung "Joachim Berthold (1917 -1990)" ist bis zum 6. April in der Städtischen Galerie "Leerer Beutel" in Regensburg zu sehen. Öffnungszeiten sind Dienstag bis Sonntag von 10 bis 16 Uhr. Infotelefon: 0941/507-2440.

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