30.07.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Sprachakrobatik auf höchstem Niveau bei den 25. Wurzer Sommerkonzerten Heinz Erhardt "vertont und versprochen"

von Rudolf BarroisProfil

Sie verliebte sich gleich in den barocken Pfarrhof von Wurz, als sie vor 25 Jahren den alten Garten mit den schönen Obstbäumen betrat: Dr. Rita Kielhorn, die Ärztin aus Berlin-Kreuzberg, hat in 25 Jahren aus dem idyllischen verträumten Ort unweit von Weiden ein Zentrum für kulturellen Ost-West-Austausch gemacht. Am Freitag gab es also etwas zu feiern, als mit einem Erinnerungsabend für den großen Komiker und Sprachkünstler Heinz Erhardt der diesjährige Wurzer Sommer vor großen Publikum eröffnet wurde.

Drei Jahre vor dem Fall des sogenannten Eisernen Vorhangs rückte die Medizinerin Wurz in die Mitte Europas mit einer Sprache, die über alle Grenzen hinweg verstanden wird, mit der Musik. In 215 Konzerten haben 1120 Musiker mitgewirkt: Polen, Tschechen, Russen, Italiener, Litauer, Kroaten, Slowenen.

Heinz Erhardt, mit dessen Leben und Werk der Jubiläumsabend eröffnet wurde, passt gut dazu: Denn auch er repräsentiert eine Ost-West-Geschichte. Seine ersten Sporen auf der Bühne der Komödianten verdiente er sich in Riga. Dort war er aufgewachsen. Dort schrieb er schon mit sechs Jahren seine ersten Gedichte, schon damals unverwechselbare Sprachspiele. Ihn nachzuahmen ist schier unmöglich, mit seinen Texten Programm zu machen, erfordert einen wirklichen Künstler.

Frisch wie am ersten Tag

In Wurz war dies Christoph Ackermann, Musicaldarsteller, Operetten-Buffo, Moderator auf deutschen Kleinkunst- und Großkunstbühnen. Titel der Show am Freitagabend: "Heinz Erhardt vertont und versprochen". Bernhard Oppel, Pianist, Chorleiter, Kirchenorganist, begleitete Ackermann, hat für ihn Erhardts Texte vertont und ihnen so eine neue Farbe gegeben, die, 33 Jahre nach dem Tod des Komikers, so frisch ist wie am ersten Tag.

Die Zuhörer erfahren viel aus dem Leben des Mannes, für den das Lachen Lebensphilosophie und Programm war, der aber ganz persönlich ganz andere Seiten zeigte. Ein guter Schüler war er nie, aber ein guter Musiker. Denn mit einem Musikstudium hat es begonnen. Die Zuschauer hören Klavierwerke von Erhardt, sogar Passagen aus seiner einzigen Oper, die sich mit dem eifersüchtigen Ritter Kunibert und seiner untreuen Frau beschäftigt: Eine Interpretation des berühmten Othello-Motivs, das die Zuhörer zu Tränen rührt.
Ackermann bietet aus der umfangreichen Sammlung von Gedichten und Vierzeilern auch die Todesgeschichten von Tieren, zum Beispiel das Ende der faden Made oder das traurige Ende einer Libelle. Beziehungsgeschichten, Liebes-Couplets, Erhardt hat überall Stoff gefunden, und wie Kritiker bemerkten, aus nichts etwas gemacht, vor allem ohne jede Logik, aber mit Hintersinn. Das ist nicht der Erhardt aus den bekannten Klamaukfilmen der 60er Jahre, das ist Sprachakrobatik auf höchstem Niveau.

Kultur verbindet

An diesem Abend gab es noch etwas zu feiern: das 50-jährige Jubiläum des Oberpfälzer Kunstvereins nämlich, der heuer in den Nebengebäude des Wurzer Pfarrhofs Werke von Günter Mauermann, Roman Friedrich, Klaus Kuran, Ulrich Kiowski und Hans Wuttig ausstellt: Die verbindende Kraft der Kultur wirkt einmal mehr auch zwischen den einzelnen Sparten.

Bis zum 1. September locken noch zwölf Konzerte die Zuhörer in den alten Wurzer Pfarrhof. Klassik findet sich auf dem Programm ebenso wie Moderne, die Besetzung ist wie immer international.

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