02.10.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

"Straßenkunst": KunstvereinGRAZ zeigt seine erste Ausstellung in den neuen Räumen Modern, vielfältig und urban

von Susanne WolkeProfil

Regensburg. "Seit dem Moment, als jemand eine Kloschüssel in eine Ausstellung getragen hat, ist alles möglich." Eva Karl geht auf Konfrontation. Dabei ist das, was die junge Kuratorin im KunstvereinGRAZ auf die Beine gestellt hat, gar nicht so weit entfernt vom allgemeinen Kunstbegriff - zumindest nicht im Vergleich mit dem von Marcel Duchamp als vollkommen erachteten Pissoir. Doch irgendwie scheint Eva Karl schon ein paar Auseinandersetzungen hinter sich zu haben. "Ich habe keine Lust auf eine Legalitäts- oder Illegalitätsdiskussion", sagt sie und klingt dabei ziemlich energisch.

Die Rede ist von Graffiti und Streetart. Eva Karl will beides als moderne urbane Kunst nach Regensburg bringen und auch als solche verstanden wissen. Ganz offiziell werden die ehemaligen Untergrundgenres in einer Ausstellung im KunstvereinGRAZ präsentiert. "Straßenkunst" lautet der Titel dieser ersten Schau des Kunstvereins in den neuen Räumen in der Schäffnerstraße 21.

Vertreten sind die "Group of ten" mit Mitgliedern aus Regensburg, München und Augsburg, "emilone" aus Wien, "pixelpancho" aus Valencia sowie die Regensburger "Licca" und Rayk Amelang. Schriftzüge, Frauenkörper und an "Alien" orientierte Wesen überziehen die Wände des ehemaligen Spenglereibetriebes. "Die Ausstellung soll sein wie eine Straße", erklärt Eva Karl. Eine eindeutige Trennung zwischen den Werken der einzelnen Künstler gibt es kaum. Häufig reagieren die Darstellungen auch aufeinander: Ein Künstler malt etwas an die Wand, ein anderer fügt etwas hinzu, etwa eine Sprechblase zu einer bereits vorhandenen Figur.
"Die Kommunikation zwischen den Machern ist bei der Streetart ganz wichtig", sagt Eva Karl. Im Vergleich zum klassischen Graffiti, das sich in erster Linie auf gesprühte Nachrichten und Bilder konzentriert, ist diese in den 1990-er-Jahren aufgekommene Kunstform vielfältiger. Ihre Vertreter arbeiten mit Schablonen ebenso wie mit aufgeklebten Elementen und selbstkreierten Stickern. "Auf diese Weise kann man zum Beispiel schnell politisch reagieren", sagt Eva Karl über die teils "hyperkritischen" Werke.

Ein erklärtes Anliegen der Kuratorin ist die Schärfung des öffentlichen Blicks. "Die Leute sollen nach dieser Ausstellung bewusst durch die Straßen gehen und Streetart entdecken", so die Hoffnung Eva Karls.

Die Ausstellung "Straßenkunst" ist bis zum 12. Oktober im KunstvereinGRAZ in den neuen Räumen in der Schäffnerstraße 21 zu sehen. Öffnungszeiten sind Donnerstag bis Sonntag von 16 bis 19 Uhr.

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