19.08.2002 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Studium in China - Christian Bauer (24) lebt seit 2000 in Peking "Schlange schmeckt besser als Huhn"

Weiden. Mit asiatischem Kampfsport fing alles an - im zarten Alter von neun Jahren. Als Jugendlicher interessierte er sich für fernöstliche Philosophien. Und jetzt - mit 24 - studiert Christian Bauer Traditionelle Chinesische Medizin (TCM). Sozusagen an den Wurzeln: In der Hauptstadt des Reichs der Mitte - Peking.

von Redaktion OnetzProfil

Für zwei Wochen ist der gebürtige Weidener derzeit auf Heimaturlaub bei seinen Eltern, dem Architekten Robert Bauer und dessen Frau Gisela. Dann geht es wieder zurück in die 14-Millionen-Metropole, in der für europäische Augen alles so fremdartig wirkt. Doch Christian hat sich längst daran gewöhnt. Seit Oktober 2000 lebt er dort, spricht die chinesischen Namen mit modulierender Stimmlage ganz flüssig aus. Dabei konnte er nach einem dreiwöchigen Crashkurs in Bochum bei seiner Ankunft nur wenige Worte. "Gerade mal ,Hallo' und ,Auf Wiedersehen'. Die Antworten hab ich kaum verstanden."

Lehrer als großer Helfer

Doch Christian hatte einen wertvollen Helfer: "Mein Lehrer Yang, bei dem ich auch heute noch Ba gua quan lerne." Eine der zahlreichen verschiedenen asiatischen Kampfkünste. Bei ihm konnte Christian in den ersten Monaten wohnen. Und Yang wich ihm kaum von der Seite, half ihm, sich in der Millionen-Metropole zurecht zu finden und gab ihm später Kärtchen mit Adressen in chinesischen Schriftzeichen mit auf den Weg. Ohne die ist kaum Hilfe zu erwarten, wenn man nicht mehr weiter weiß. Denn selbst Taxifahrer sprechen kaum Englisch.

Nur fünf Deutsche an Uni

Mittlerweile lebt der 24-Jährige in einer eigenen Wohnung "etwas östlich vom Zentrum", hat drei Semester Sprachstudium hinter sich und zahlreiche chinesische Freunde. Europäer sind selbst an der Universität eine kleine Minderheit. "Es gibt fünf Deutsche und etwa eben so viele Engländer, Franzosen, Spanier, aber auch Russen, Afrikaner und Australier. Nur die Koreaner sind zahlreich vertreten, weil die Ausbildung besser ist, und die Japaner, weil es billiger ist."

Und die chinesische Küche? Für Christian Bauer kein Problem, selbst wenn manches für Europäer sehr ungewohnt klingt. "Schlange schmeckt wie Huhn, bloß besser. Hund ähnlich wie Rind, nur ist der Eigengeschmack deftiger." Auch Katze hat er bereits probiert. "Bei einer Reise nach Kanton. Das sind typisch südchinesische Gerichte. In Peking gibt's das nur in kantonesischen Restaurants." Am liebsten sind ihm allerdings die Spezialitäten aus der Provinz Xing xiang. "Das sind Muslime. Deshalb gibt es vor allem Lamm, pikant gewürzt." Sein absoluter Favorit: Gong bao ji ding - Huhn mit Erdnüssen und Gurken.

Zu den berühmten Sehenswürdigkeiten zieht es ihn nur selten. Aber natürlich hat Christian schon den Sommerpalast, den Himmelsaltar, den Glockenturm und den Konfiziustempel unter die Lupe genommen. Nicht zu vergessen die imposante chinesische Mauer - "da, wo kaum Touristen sind." Die Verbotene Stadt - den Sitz des letzten Kaisers von China und zahlreicher Herrscher davor - hatte er sich für April aufgehoben. Da waren seine Eltern zu Besuch, die mit ihrem Sohn auch viele Ecken entdeckten, die Otto-Normal-Tourist verborgen bleiben.

Grundzüge von TCM

Ansonsten heißt es für den 24-Jährigen pauken. Nach der Sprache nun die Grundzüge der Traditionellen Chinesischen Medizin in einem einjährigen Vorbereitungskurs. "Da stehen vor allem medizinische Fachausdrücke auf dem Stundenplan. Aber auch die altchinesische Sprache und erste Theorien in TCM." Akupunktur, Massage (Tuina), Kräuterlehre und Ernährung bilden die Schwerpunkte. Doch obwohl der 24-Jährige einen Hang zur alternativen Medizin hat, ist er überzeugt: "Mixen ist das Beste. Das machen die Chinesen selbst. Es gibt einfach Krankheiten, bei denen nur eine Operation hilft. Mit alternativen Methoden lässt sich anschließend die Heilung fördern." Was dabei an Kräutern und Tiersubstanzen - die Chinesen verblüffen Europäer mit ihrer für uns exotischen Palette - alles zum Einsatz kommt, muss er erst noch lernen.

Boom-Town Peking

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