06.09.2017 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

"The Circle" verschwindet im Funkloch

Dieser Film hat das Zeug zum Hit: Die Buchvorlage war ein Bestseller, die Besetzung ist exzellent und das Thema Privatsphäre im Internet zieht. Ob die Mischung aus Thriller und Satire aber funktioniert?

Natürlich legt Tom Hanks als Firmengründer Bailey in "The Circle" wieder eine starke schauspielerische Leistung hin, kann den Film aber auch nicht retten. Bild: Frank Masi/EuropaCorp/ Universum Film/dpa
von Agentur DPAProfil

New York. Der Buchautor Dave Eggers weiß, wie er den Markt bedient: Er schrieb "Ein Hologramm für den König" über westliche Investoren in Arabien oder legte "Weit gegangen" vor, die Geschichte des afrikanischen Flüchtlingskindes Valentino Achak Deng. Zuletzt veröffentlichte er ein Buch über Armut unter Weißen in den USA. Immer ist Eggers nah dran an der gesellschaftlichen Debatte - und genauso regelmäßig werfen ihm Kritiker vor, dass sein Erfolg mehr am Zeitgeist als am literarischen Wert seiner schnell hingeschusterten Bücher liegt.

Bei keinem anderen Werk war diese Debatte lauter als bei seinem bekanntesten Roman "Der Circle". Als die Social-Network-Dystopie vor drei Jahren hierzulande erschien, sorgte der gern genährte Technikgrusel des deutschen Publikums schnell dafür, dass sie an die Spitze der Bestsellerlisten schoss. Jetzt startet die Verfilmung in den Kinos. Kann sie den Erfolg des Buches wiederholen?

Im Zentrum der Geschichte steht Mae (Emma Watson), eine Mittzwanzigerin, deren Freundin ihr ein Vorstellungsgespräch beim heißesten Internet-Giganten in Silicon Valley verschafft und sie so aus ihrem öden Büroleben befreit. "Circle" heißt die Firma, ein riesiges soziales Netzwerk, das die düstersten Überwachungs- und Selbstentblößungsfunktionen von Google, Facebook und Co. in einem Unternehmen zusammenfasst.

Überdrehtes Unternehmen

Mae ist vom Leben auf dem "Campus" genannten Firmengelände des "Circle" angetan, schnell steigt sie intern zum Liebling des väterlichen Chefs Eamon Bailey (Tom Hanks) auf. Alte Freunde und ein in Ungnade verfallener früherer Mitarbeiter warnen sie aber vor den Allmachtsfantasien des überdrehten Unternehmens - bis es beinahe zu spät ist. Möglicherweise hätte Regisseur James Ponsoldt aus dieser zeitgemäßen Geschichte einen hübschen und kritischen Film drehen können, eine Kinoversion der exzellent technokritischen Serie "Black Mirror". Ponsoldt hat ohnehin schon mit kleineren Budgets für die Coming-of-Age-Romanze "The Spectacular Now" oder den David-Foster-Wallace-Interviewfilm "The End of the Tour" bewiesen, dass er intim und eindringlich inszenieren kann.

Auch eine bis in die Nebenrollen exzellente Besetzung mit vielen Schauspielern auf dem aktuellen Zenit ihrer Karriere sollte für den Film sprechen: Hauptdarstellerin Emma Watson ist derzeit eine der erfolgreichsten Schauspielerinnen weltweit, John Boyega startet mit "Star Wars" und "Detroit" durch und Tom Hanks passt ohnehin hervorragend zur Rolle als gütiger Firmenchef mit möglicherweise zwielichtigen Motiven. Sie alle bekommen aber von Ponsoldt und Eggers ein so dermaßen unausgegorenes Drehbuch um die Ohren gehauen, dass es schnell zum Ärgernis wird. Watson muss ständig besorgt auf ihren Computerbildschirm starren, ihre Begeisterung für den "Circle" kommt genauso aus dem Nichts wie zuvor die behauptete Orientierungslosigkeit ihres Charakters. Boyega dagegen steht während Firmenpräsentationen stets besorgt im Halbdunkel riesiger Säle.

Unausgegorene Mischung

Es gäbe auch in einem satirisch angehauchten Film viel zu erzählen zum Stoff von "The Circle", zur Technikgläubigkeit unserer Gesellschaft und zur Wahrscheinlichkeit von dystopischen Ideen wie Wahlberechtigung dank Social-Media-Profilen. Aber nie kommt die unausgegorene Mischung aus Thriller, Satire und Drama über das Offensichtliche hinaus: Alle Technikfirmen sind böse und wir Nutzer geben uns ihnen nur allzu gerne hin. Die knapp zwei Stunden Film fühlen sich an wie ein Funkloch: Alle Bestandteile sind vorhanden und müssten funktionieren - aber größere Mächte sorgen für einen Totalausfall.

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Regie: James Ponsoldt - Mit Emma Watson, Tom Hanks, John Boyega und Ellar Coltrane - 110 Minuten - frei ab 12 Jahren.

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