"The Song of the Sea-Tour" mit Donovan
Der ewige Bohemien

Schon mit 18 Jahren hatte der Mann seinen ersten Hit "Catch the Wind", für den er gleich den prestigeträchtigen "Ivor Novello Award" bekam. Seitdem ist der 1946 in Schottland geborene Donovan Leitch ein gefeierter Popstar und Inbegriff des Folk-Troubadours.

In den darauffolgenden Jahren veröffentlichte der smarte Brite Hits wie "Colours", "Universal Soldier", "Atlantis", "Mellow Yellow" oder "Sunshine Superman". Donovan ist nach wie vor aktiv. Und kommt jetzt anlässlich seiner "The Song of the Sea-Tour" 2018 für einige Konzerte durch deutsche Hallen. Eröffnet wird der Abend von Joolz Jones. Der bald 21-jährige Akustik-Musiker ist nicht nur Enkel von Rolling-Stones-Mitbegründer Brian Jones, der 1969 verstarb, sondern gleichzeitig Stiefenkel von Donovan, welcher dessen Mutter Linda Lawrence Mitte 1970 ehelichte. Hippie-Patchwork eben. Das übrigens prächtig funktioniert.

Was verbindet Sie beide neben den familiären Umständen am meisten?

Donovan: Dass Joolz mein Stiefenkel ist und ich sein Stiefopa, steht ganz klar im Vordergrund. Aber auch die Art, wie er groß geworden ist, in einer Art Hippie Boheme-Gemeinschaft, hatte entscheidenden Einfluss auf seine spirituelle Entwicklung. Hoffentlich auch auf seine Herzensbildung. Aber da bin ich mir sicher. Joolz ist ein großartiger Kerl.

Joolz: Ich kann dieses Kompliment nur zurückgeben - Donovan ist der beste, warmherzigste Großvater, den man sich wünschen kann. Vielleicht ist er etwas verrückt. Aber Verrücktheit in der heutigen Zeit besitzt etwas Positives.

Wie stark unterstützen Sie sich gegenseitig musikalisch?

Donovan: Ich habe Joolz mit 16 seine erste Gitarre geschenkt - und merkte rasch, wie talentiert der Junge auf diesem Instrument ist. Nachdem ich ihn unterrichtet hatte, spielten wir schon bald gemeinsam Konzerte.

Joolz: Ich bat Donovan, mir auf der Klampfe den Stoff meines Großvaters Brian beizubringen. Das hat er gerne getan. Ich liebe diesen Stoff und bin froh, dass ich ihn jetzt selbst beherrsche.

Donovan, welche Beziehung hatten Sie zu Brian Jones?

Donovan: Er war mein Mentor, wenn man so möchte. Er sorgte dafür, dass ich 1964, mit gerade mal 18, ohne eine Platte veröffentlicht zu haben, meinen ersten Auftritt in der beliebten englischen TV-Show "Ready Steady Go" bekam. Dort lernte ich Linda kennen, sie arbeitete im Fernsehstudio als Assistentin. Ich verliebte mich in sie. Brian und Linda hatten sich kurz zuvor voneinander getrennt. Inzwischen bin ich mit Linda seit einer kleinen Ewigkeit verheiratet und habe mit ihr zwei Kinder. Das alles dank Brian, der niemals eifersüchtig auf unser Glück war.

Wenn man Sie als "ewigen Hippie" bezeichnet - stimmt Sie das zufrieden?

Donovan: Nicht wirklich, weil ich mich eher als "ewigen Bohemien" bezeichnen würde. Für mich ist es so: Die 50-er sind abgeschlossen, sind Historie. Doch die 60-er, denen ich entstamme, deren Ideale und radikalen Gedanken, sind noch lange nicht tot. Die 60er stehen für Liebe und Zusammenhalt, für Weltfrieden und Spiritualität. Diese Ideen braucht die Moderne dringender denn je zuvor. Sie braucht ein Verständnis dafür, wie man das alles umsetzen kann. Wie man in ein neues, glückseliges Zeitalter kommt. Dafür stehen die 60er. Dafür steht der "Bohemien-Gedanke".

Letztlich geht es bei aufgeweckten Menschen heutzutage darum, Licht ins finstere, böse Dunkel der modernen Zivilisation zu bringen. Wir müssen Klarheit schaffen - für uns selbst, für die Anderen. Ich bin vor exakt 50 Jahren zusammen mit den Beatles nach Indien gereist, um dort beim Guru Maharishi Mahesh Yogi einen mehrwöchigen Kurs zu belegen. Seitdem bin ich glühender Anhänger der Transzendentalen Meditation. Wenn ich die betreibe, bin ich ganz nahe bei mir. Und sich selbst zu verstehen, das ist der Schlüssel für Menschen, die eine positive neue Welt gestalten wollen.

Haben Sie eine Botschaft an die junge Generation von heute?

Donovan: Studiert meine Songs sehr genau! Sie stecken voller Optimismus. Sie sind ein solides Bollwerk gegen all diesen üblen Materialismus, der die Welt verseucht. Rettet den Planeten, der ist es wert. Ich fürchte, wir besitzen keinen anderen, den wir retten könnten. Und habt Respekt vor alten Typen wie mir. Allerdings nur dann, sofern wir etwas zu sagen und zu geben haben. Die alten Leute, die egoistisch sind, nur an sich denken, haben euren Respekt nicht verdient.

Donovan spielt am Mittwoch, 14. März (20 Uhr), im Markgrafensaal in Schwabach.

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Karten beim NT/AZ/SRZ-Ticketservice unter % 0961/85-550, 09621/306-230 oder 09661/8729-0

Bild: Michael Collopy

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