Theater Pilsen inszeniert Prokofjews "Romeo und Julia"
Liebe in Zeiten des Grauens

Die Pilsener Julia, Anna Srncová, und Petr Strnad Romeo. Bild:Theater Pilsen

Prokofjews Meisterwerk galt als untanzbar - seinen weltweiten Siegeszug startete das Ballett "Romeo und Julia" in Brünn. Rockstars wie Robbie Williams greifen in "Party like a Russian" Motive daraus auf. Pilsen inszeniert das furiose Tanztheater neu.

Pilsen. "Ich halte "Romeo und Julia" für die schönste Musik, die jemals für das Ballett komponiert wurde. Sie ist Inspiration für meine Gestaltung", schildert der tschechische Ballett-Choreograph Libor Váculik seine Begeisterung, die in die Inszenierung des Stückes einfließt. Váculik, ausgebildet in Prag, Montecarlo und Bratislava, hat den Romeo selbst bereits mehrmals getanzt, und die Geschichte für die neue Pilsener Bühne auch als Musical inszeniert.

Kritiker bescheinigen der Pilsener Inszenierung "Emotion, Spannung und Humor". Das ehrwürdige Große Theater Pilsen ist der Rahmen einer Handlung, die schon mehr als 400 Jahre auf dem Buckel hat - und auch die Musik wurde bereits vor 80 Jahren geschrieben: "Das zentrale Thema sind Liebe und Hass, und die sind zeitlos", sagt Váculik.

Tschechien hat zu Prokofjews Meisterwerk einen besonderen Bezug: Am Silvesterabend 1938 wurde es zum ersten Mal in der südmährischen Universitätsstadt Brünn getanzt, als das europaweite Rasseln der Säbel nicht mehr zu überhören war: Drei Monate nach dem Münchner Abkommen und zwei Monate nach der Reichspogromnacht war das kommende Beben zu spüren. Fünf Monate später begann der zweite Weltkrieg.

Die Dissonanzen, das Grauen des dräuenden Schlachtfeldes, ist bei Prokofjew im "Tanz der Ritter" zu ahnen, erster Akt, dreizehntes Stück: "Im schwerfälligen Allegro pesante wanken Krieger auf die Tanzfläche, versuchen sich linkisch in grazilen Tanzbewegungen und können doch ihr Wesen nicht leugnen", erklärt Váculik. "Sie sind nicht vornehm, sondern forte. Nicht leicht und heiter, sondern e-Moll. Nicht harmonisch, sondern dissonant." Kontrastiert vom zweiten Motiv, den Damen in Dur, ist der "Tanz der Ritter" der Zivilisation entrissen - Prokofjews Porträt des Nazismus.

Das Bolschoi-Theater erteilte Sergej Prokofjew 1935 den Auftrag für das Ballett. Der Komponist vollendete sein gut zweistündiges Werk innerhalb von fünf Sommermonaten - aber keiner wollte "Romeo und Julia", neu erzählt in einer universellen Musiksprache, aufführen.

Ins Musical oder Ballett nach PilsenDer Kulturverein Bohème lädt zum Tagesausflug in die Pilsner Theaterszene ein. Mit im Programm:

  • Insider-Blick hinter die Kulissen des Großen Theaters

  • Kurzweiliger Stadtspaziergang durch das Zentrum der Stadt Pilsen

  • Böhmisches Abendessen in Bio-Qualität im urigen Gasthaus

  • Theateraufführung: Musical "Cats" auf der modernsten Bühne Europas im Neuen Theater oder das Ballett "Romeo und Julia" im ehrwürdigen Týl-Theater.

Zustiegsmöglichkeiten: Amberg, Hirschau, Weiden, Altenstadt, Vohenstrauß, Waidhaus. Anmeldung bis Montag, 11. September, möglich unter Telefon 0176/91145181 oder per E-Mail an maria_vonstern@web.de
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