25.07.2013 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Tone Schmid zeigt in der Straubinger Kraftzentrale kinetische Objekte und Skulpturen Kunstwerke mit Persönlichkeit

von Susanne WolkeProfil

Es wird immer schlimmer. Die bewegliche Skulptur "Der Mensch ist dem Menschen ein Hirsch" hat mittlerweile solch ein Eigenleben entwickelt, dass sie ihrem Schöpfer Tone Schmid einiges an Kopfzerbrechen bereitet. "Die Bewegungen funktionieren nicht mehr exakt, die Figur kämpft immer mehr gegen sich selbst und macht einen Irrenlärm", beschreibt der Künstler sein Werk, das sich aus einem Hirschgeweih, einem Motorradteil, einer Kiste und einer Bohrmaschine zusammensetzt. Sobald die Figur gemeingefährlich wird, will Tone Schmid einschreiten.

Hervorragend eingefügt

Dass seine kinetischen Skulpturen mitunter eine eigene Persönlichkeit haben, ist der aus Weiden stammende Künstler gewohnt. Und es zeigt sich auch in der Ausstellung, die Tone Schmid derzeit in Straubing präsentiert. "UnRuhe" lautet der Titel der Schau in der dortigen "Kraftzentrale". Der ehemalige Energietrakt ist das einzige erhaltene Gebäude einer mittlerweile abgerissenen Ziegelei. Seit Kurzem wird er als Kulturort genutzt. Für Konzerte, Vorträge, Kinovorführungen und eben auch für Ausstellungen.
Klar, dass sich die Werke Tone Schmids, die nach einer Fotoschau die erste richtige Kunstausstellung der Kraftzentrale bestücken, hervorragend einfügen in den ehemaligen Industrieraum. Der gelernte Automechaniker Schmid, der heute als frei schaffender Künstler lebt, bastelt seine Figuren mit viel Einfallsreichtum und Fingerfertigkeit aus allerlei Fundstücken zusammen. Schrottteile, alte Holzstücke und Steine werden unter seiner Hand zu technischen Fabelwesen.

"Es wird immer schwieriger", sagt Tone Schmid über die Beschaffung des Rohmaterials. Seit der Sperrmüll verstärkt von professionellen Firmen abgeholt wird, muss der Künstler länger nach geeigneten Stücken suchen.

Dass Tone Schmid dennoch immer wieder fündig wird, beweisen die neun kinetischen Objekte und Skulpturen, die er in Straubing zeigt. Da ist etwa "Der Zahn der Zeit", ein Gesicht aus Steinen, das durch Drehen mit einem knirschenden Geräusch seinen Ausdruck verändert. Oder "Der Trommler". Mit der alarmierend trommelnden Figur, die in erster Linie aus einem alten Massagegerät besteht, geht Schmid auf das Atomunglück in Fukushima ein - und zwar auf die Tierwelt, die davon ebenso betroffen war wie die Menschen. Der Trommler stellt einen Affen dar.

"Moderner Goldesel"

Eine neue Arbeit in Straubing ist der "Transaktor": In einer durchsichtigen Bahn, die sich sanft hin- und herbewegt, werden Cent-Stücke und Knöpfe nach links und rechts verschoben. "Eine Art moderner Goldesel", sagt der Künstler. "Denn angeblich wird das Geld durchs Verschieben ja mehr.

Unberechenbar sind dabei jedoch die Knöpfe. Sie stehen in ihrer Buntheit für Gefühl, Fantasie und Liebe, erklärt Schmid. Und sie machen nicht immer mit beim Fluss des Geldes. Durch statische Aufladung bleiben die Knöpfe immer wieder stehen. "Das ist nicht komplett vorhersehbar", sagt Tone Schmid. "Geld regiert viel, aber nicht alles." Und die Skulptur macht sowieso, was sie will. Mal wieder.

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Die Ausstellung "UnRuhe" mit kinetischen Objekten und Skulpturen von Tone Schmid ist bis Ende August in der Kraftzentrale in der Straubinger Mahkornstraße zu sehen. Öffnungszeiten: Samstag von 16 bis 18 Uhr und Sonntag von 11 bis 13 Uhr. Der Eintritt ist frei.

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