02.03.2018 - 20:00 Uhr
Deutschland & Welt

UB40 werden 40 und veröffentlichen ein neues Album Reggae Tag und Nacht

UB 40 gehen ins 40. Jahr ihres Bestehens - abwechslungsreicher als die ihre könnte eine Band-Historie nicht sein. Trennung, permanente Umbesetzung, Bankrott durch ein korruptes Management, vollkommene Pleite sämtlicher Gründungsmitglieder trotz mehr als 70 Millionen verkaufter Tonträger. Alles dabei.

von Autor MFGProfil

Aber auch: "Alles egal: Für uns ist wichtig, dass wir mit einem neuen Album am Start sind", erklärt Sänger Terence Wilson, den alle "Astro" nennen. Der heute 60-Jährige war 1978 neben dem anderen Sänger Ali Campbell und Keyboarder Mickey Virtue eines der Gründungsmitglieder der Band aus dem englischen Birmingham. Ab der Gründung feierte die Formation mit schmissigem Dancehall-Sound der klassischen Ära immense Charts-Erfolge, beinahe ausschließlich mit Cover-Versionen in neuem Gewand: "Red Red Wine", "(I Can't Help) Falling In Love" oder "Kingston Town" seien nur als Speerspitzen der Erfolge genannt.

Astro hat wenig Lust, über das Tohuwabohu der Band-Historie zu sprechen. Eine Gruppe, die er im Streit wegen "finanzieller Unregelmäßigkeiten" verließ. "Irgendwelche dubiosen Finanzakrobaten haben uns dermaßen über den Tisch gezogen", meint er zum heiklen Thema, "dass Ali, Mickey und ich einen Offenbarungseid leisten mussten. Verrückt, wenn man so viele Platten wie wir verkauft haben, oder nicht? Doch es gab kein Entrinnen. Ali und Mickey verließen die Gruppe 2008. Bei mir brauchte es fünf Jahre mehr, ehe ich diesen Schritt machte."

Aber alte Reggae-Liebe rostet nicht, denn 2014 veröffentlichte das "Trio Infernale", wie Astro sich und seine Schulfreunde bezeichnet, ein neues Album unter UB 40. Wobei juristisch wichtig war, dass auf dem Cover zu lesen stand: UB 40 featuring Ali, Astro & Mickey. Daran hat sich auf dem aktuellen Werk "A Real Labour Of Love" nichts geändert. "Am Sound dieser Combo übrigens auch nicht", lacht Astro.

Und in der Tat: Diese Scheibe, eingespielt von insgesamt elf Musikern, beinhaltet so prächtige wie wuchtige Gute-Laune-Covers, etwa von Dancehall-Größen wie Eric Donaldson, Lord Creator oder Johnny Osbourne. "Bis auf wenige Ausnahmen haben wir uns dieses Mal Liedern aus den 80ern angenommen", erklärt Astro. "Jener Ära, als wir auf unserem Erfolgs-Zenit standen. Das Zeug haben wir in jener Zeit rauf und runter gehört! Für mich galt übrigens damals wie heute: Ich wache mit einem Reggae-Beat auf. Und schlafe mit einem solchen ein. Dadurch kriegt man den Kopf frei und wird glücklich." Doch warum ist diese Musik, der eigentlich als jamaikanisches Nationalheiligtum gehandelt wird, Astros alleine selig machender Soundtrack? "Damit bin ich groß geworden, damit war ich seit meiner frühen Kindheit umgeben", schwärmt er. "Egal ob ich zu Hause war und mit meinen Eltern Radio hörte, oder ob ich raus auf die Straße bin. Es gab keinen anderen Stoff, der gespielt worden wäre. Ich meine: Klar akzeptiere ich andere Stilrichtungen! Aber Reggae ist mein Lebenselixier. Er ist das Ding, das mich glücklich macht. Vermutlich auch, weil so viele Erinnerungen damit verbunden sind. Erinnerungen sind es ja, die das Leben eines Menschen prägen."

"A Real Labour Of Love" wurde in den legendären Londoner "Dean Street"- und "RAK"-Studios von Ali Campbell selbst produziert. Aufanahme-Räumlichkeiten, in denen sich bereits Mega-Stars wie Ed Sheeran, Paul McCartney oder Depeche Mode und viele mehr die Klinke in die Hand drückten. "Es sind altmodische Studios einerseits", seufzt Astro, "mit hoch-modernem Equipment versehene Läden andererseits. Ich denke, diese zwei Häuser passen perfekt zu unserem Klang - etwas anachronistisch, aber mitten drin im Rhythmus der Moderne."

In den Albumtitel integriert wurde auch dieses Mal wieder die "Labour Of Love", wie schon bei anderen Werken zuvor - die "Arbeit an der Liebe"". Ist es denn wirklich so schwer bei zwischenmenschlichen Beziehungen, dass man gleich von Schufterei sprechen muss? Astro lacht anhaltend, ehe er antwortet: "Ich fürchte ja. Denn es ist eine Angelegenheit, zu der immer mindestens zwei Menschen gehören. Sollten es mehr sein, wird die Sache noch verzwickter. Jedenfalls kann ein Umstand für Stress im Dasein sorgen, wenn Andere als man selbst an Bord ist. Und trotzdem ist Liebe - neben der Musik - zumindest für mich die erfüllendste "Arbeit", die ich mir vorstellen kann ..."

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Weitere Informationen:

www..ub40.org

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