12.05.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ungewöhnliche Ausstellung auf dem Regensburger Haidplatz widmet sich dem Thema "Mobilität" Kunstschätze im Industrie-Container

von Susanne WolkeProfil

Regensburg.Kunst von heute ist nicht immer sofort als solche zu erkennen. In einer Zeit, in der Museumsbesucher angesichts eines Luftbefeuchters fragen, ob dies ein Kunstwerk sei, scheint alles möglich. Ein Beispiel ist derzeit der Regensburger Haidplatz: Zwischen eingerüstetem Thon-Dittmer-Palais und Kran machen sich hier nun auch noch sechs Industriecontainer breit. Aber die sperrigen Dinger haben nichts mit den Renovierungen zu tun. Was hier steht, ist das bayerisch-böhmische Kunstprojekt "Mobility".

Kleine Ausstellungsräume

Dass es sich hier um Kunst handelt, wird beim Blick in die Container klar. Denn die bergen wahre Schätze. Das zeigte sich, als die kleinen Ausstellungsräume - denn genau das sind die Container - offiziell geöffnet wurden. Sechs Künstler und Künstlergruppen aus Bayern und Böhmen stellen hier aus. Jeweils einen Container als Ausstellungsfläche nutzend, beschäftigen sich alle mit dem gleichen Thema: Mobilität. Dies geschieht auf unterschiedlichste Weise. Von der Installation und der Videoarbeit bis hin zur Zeichnung ist alles dabei.

Die ungewöhnliche Präsentation in Industriecontainern ist natürlich bewusst gewählt. "Die Container stehen geradezu bildlich für Mobilität, vor allem in dieser Stadt, die im Mittelalter durch den Fernhandel reich geworden ist", sagt Jürgen Huber. Der Vorsitzende des KunstvereinsGRAZ, der das Projekt gemeinsam mit der Volkshochschule Regensburg und der tschechischen Kuratorin Edith Jerabková initiiert hat, formuliert auch die Idee der Ausstellung: "Die Mobilitätsanforderungen an die heutige Gesellschaft sind groß. Wir wollten die Mobilität einmal von Künstlern darstellen lassen."

Das Ergebnis ist eine bunte, interessante ästhetisch ansprechende und witzige Mischung. Die aus Tirschenreuth stammende Künstlerin Susanne Neumann etwa nimmt das Wort "Mobilität" wörtlich. Ihre Installation zeigt Reisefotos, Landkarten und zerbrochene Autospiegel, deren Scherbenmuster wiederum an Straßennetze erinnern. Mobilität im Sinne von Bewegung ist dem Besucher bei den Werken von Alice Nikitinova aus Tschechien abverlangt. Die mit Texten versehenen Bilder geben klare Anweisungen an den Betrachter: "Beten Sie zu Jesus" - und zwar kniend -, oder "Versuchen Sie, ein Stück von der Salami abzubeißen". Die nötigen Requisiten sind vorhanden: ein süßliches Jesusbild sowie eine hoch an der Decke hängende Wurst.

Bewegung ist auch bei dem Regensburger Künstler Thomas Hart gefragt. Die großformatigen Zeichnungen von Möbeln, Teppichen und Fenstern, mit denen der gebürtige Weidener die Wände seines Containers überzogen hat, vermitteln die Illusion eines eingerichteten Zimmers. Wenn aber der Betrachter seinen Standpunkt ändert, wird die Illusion zerstört.

Nacht des Hörspiels

Die Container des Kunstprojekts "Mobility" sind bis zum 17. Mai jeweils Montag bis Freitag von 12 bis 18 Uhr sowie Samstag, Sonntag und feiertags von 10 bis 18 Uhr geöffnet. Zusätzlich gibt es ein umfangreiches Rahmenprogramm: unter anderem eine Hörspielnacht mit der Uraufführung des Hörspiels "Klagenfurt" von Susanne Amatosero am 17. Mai um 19.30 im Regensburger Café Scholz, ferner einen Kinoabend mit dem tschechisch-deutschen Film "Jahreszeit des Glücks" am 15. Mai (21 Uhr) in der Filmgalerie im Leeren Beutel.

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