Uraufführung von Franz Hummels Oper "Zarathustra" am Regensburger Theater am Bismarckplatz
Musikalisch durch Nietzsches Leben gepeitscht

Regensburg. Der Philosoph Friedrich Nietzsche und der Bayernkönig Ludwig II. standen in enger Verbindung mit Richard Wagner. Mittlerweile ergänzt auch ein zeitgenössischer Komponist das Gespann: Franz Hummel ist nicht nur Schöpfer des Musicals "Ludwig II. - Sehnsucht nach dem Paradies". Für das Regensburger Theater hat der Komponist nun auch eine Oper über das Leben von Friedrich Nietzsche geschrieben: "Zarathustra" hatte am Freitag Uraufführung auf der Bühne am Bismarckplatz.

Erstaunlich kurzweilig

Ein schwerer Stoff, mag man denken. Aber die rund zweieinhalb Stunden dauernde Aufführung entpuppte sich als erstaunlich kurzweilig. Mit großem Orchester und meist schweren, oft auch sperrigen Klängen leitete, nein peitschte Hummel das Publikum durch die Höhen und Tiefen des Lebensweges von Friedrich Nietzsche. Das Libretto aus der Feder von Hummels Ehefrau Sandra ist über weite Strecken hinweg in Versform gehalten und geht somit gekonnt auf den Zeitgeist des 19. Jahrhunderts ein.
Es erzählt von der eingeengten Kindheit Nietzsches in einem reinen Frauenhaushalt und von der ablehnenden Ignoranz der Gesellschaft gegenüber den freigeistigen Gedanken des Philosophen. Es geht um Nietzsches konfliktreiche Begegnung mit Richard Wagner und um seine gestörte Liebe zu Lou Salomé und schließlich um den endgültigen Bruch mit allen und Nietzsches Verfall in den Wahnsinn. Häufig werden bei dieser regelrecht dokumentarischen Nachzeichnung von Nietzsches Leben Originalzitate des Philosophen verwendet.

Franz Hummel greift in seiner polystilistischen Komposition immer wieder auf Zitate aus der Musikgeschichte zurück. Der Tristan-Akkord fällt mehrmals in abgewandelten Formen, aber auch Takte aus Georges Bizets Carmen tauchen auf, ebenso wie Klänge aus dem Dies irae. Der Einfluss von Richard Strauss, von dem Hummel in seiner Kindheit entdeckt und gefördert wurde, ist spürbar, kommt jedoch nicht eindeutig durch. Die stimmliche Besetzung der Rollen orientiert sich an den Charakteren. Dem kraftvollen Volumen Markus Ahmes als Richard Wagner steht der sowohl menschlich als auch stimmlich schwächere Nietzsche, als Erwachsener dargestellt von Kai Günther, gegenüber. Brillant sticht Gesche Geiers Sopran in ihrer Rolle als Lou Salomé hervor.
Ergänzt wird die Aufführung durch das Regensburger Ballettensemble. Von Olaf Schmidt choreographiert, treten die Tänzer als Schattenwesen auf und machen Nietzsches geistige Kämpfe und Verwirrungen bildlich. Ernö Weil hat die Oper hervorragend inszeniert. Bühnenbild und Kostüme, aufs Wesentliche reduziert und in kaltes Neonlicht getaucht, vermitteln eine Stimmung zwischen Film noir und Irrenanstalt. Gekonnt wird hier eine Verbindung zwischen Kostümierung und Minimalismus vorgenommen, die der Aufführung zu ihrer verdienten Opulenz verhilft.

Renommierter Komponist

"Zarathustra" ist die 19. Oper von Franz Hummel. Der Komponist gilt als einer der renommiertesten und originellsten Europas. Seine Opern, Sinfonien, Ballettmusiken, Konzerte und Kammermusikwerke werden von namhaften Musikern und Orchestern gespielt. "Mit ,Zarathustra" wollte ich nicht zuletzt auch meiner romantischen Lebensgrundstimmung einen Gefallen tun", äußert sich Hummel zu seinem neuesten Werk. "Insofern handelt es sich hier um eine ziemlich egoistische Arbeit. Doch sagt man nicht, ein Geschenk, das von einem selbst kommt, sei mehr wert als ein gekauftes?"
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