28.09.2011 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Versteigerung des Schlosses Münchshofen platzt - Sachverständiger soll aktuelles Wertgutachten erarbeiten Kein neuer Besitzer für altes Schloss

von Autor HWOProfil

Als der Baron den Sitzungssaal betrat, ging ein Raunen durch die dicht besetzten Zuhörer- und Bieterreihen. Antonius von Moreau und Schwester nahmen schweigend Platz, sie mussten auch in den nächsten 20 Minuten nichts sagen. Für sie sprach ein Anwalt, der die Versteigerung des Schlosses Münchshofen nebst zahlreicher Liegenschaften platzen ließ. Der Jurist stellte zwei Anträge auf Vollstreckungsschutz, verlangte nach einem neuen Wertgutachten und kam durch damit.

Vor großem Publikum

Einen solchen Andrang hatte der für Versteigerungen vorgesehene Raum des Amberger Amtsgerichts wohl lange nicht mehr erlebt. So kam es, dass der Rechtspfleger Hans Hollweck nichts gegen eine offen stehende Tür hatte. Denn auch die Leute draußen auf dem Gang sollten mitbekommen, wie es um die Zukunft des Renaissance-Schlosses Münchshofen (Stadt Teublitz) und seiner Ländereien bestellt ist. Um es vorwegzunehmen: Die Sache dauerte nicht lange, sie ging für Beobachter aus wie das berühmte Hornberger Schießen.
Sorgfältig wurde die Anwesenheitsliste abgearbeitet. Zur Rechten gleich vor dem Rechtspflegertisch zwei Vertreter der VR-Bank Burglengenfeld, genau gegenüber der den Baron vertretende Rechtsanwalt Wolfgang Distler, an dessen Seite ein Sachverständiger für Zwangsversteigerungen. Er hieß Klaus-Dieter Bräutigam und war eigens aus Hockenheim angereist. Diese Tour lohnte sich. Denn unter den Hammer kamen weder das schwer vom Zahn der Zeit angenagte Gemäuer noch Äcker und Wälder. Der Katalog von insgesamt 23 Einzelpositionen hatte sich rasch erledigt.

Die Gläubigerbank aus Burglengenfeld war nicht sonderlich erbaut, als plötzlich durch Anwalt Distler zwei Anträge auf Vollstreckungsschutz für den Baron von Moreau vorgelegt wurden. Distler schob auch sofort seine Begründung nach: "Es muss ein neues Wertgutachten eingeholt werden." Dieses Verlangen wurde irgendwie plausibel, als der Jurist dem in schwarzer Robe erschienenen Rechtspfleger vor Augen führte, dass die bisherige Expertise aus dem Jahr 1998 datiere, folglich nicht mehr auf dem Stand aktueller Befindlichkeiten sei. Distler bekam Beistand von dem Zwangsversteigerungs-Sachverständigen Bräutigam. Der führte Rechtssprechungen ins Feld und ließ auch keinen Zweifel daran, dass im Falle einer Versteigerung sofort eine Anfechtungsklage käme.
Während dann deutlich wurde, dass die Gläubigerbank letztes Jahr 550 000 Euro zur Schuldentilgung bekam, ließen deren Vertreter anklingen: "Wenn der Baron von Moreau meint, dass er die Sache hinausschieben kann, ist das okay." An den Forderungen aber werde dies nichts ändern. Worauf Rechtspfleger Hollweck kommentierte: "Das seit 1996 dauernde Verfahren ist verschleppt worden. Es wäre gut, wenn es neu aufgezogen würde." Mit Zustimmung der Beteiligten stellte er die ganze Zwangsversteigerungsangelegenheit ein, hob den Termin auf und wartet nun auf ein neues Wertgutachten. Das wird viele Monate dauern. Bis dahin bleibt das Geschlecht derer von Moreau in der von Fachleuten als "historisch wichtiges Kleinod" eingestuften Immobilie wohnen.

Stark sanierungsbedürftig

Liegenschaften wären an diesem geplatzten Versteigerungstag ab 1080 Euro Mindestgebot zu haben gewesen. Der dreiflügelige Schlosskomplex, errichtet Ende des 16. Jahrhunderts, stand mit mindestens 423 000 Euro im Katalog. Doch echtes Interesse daran war, wie sich Gesprächen entnehmen ließ, nicht vorhanden. Denn die Sanierung der Anlage würde Millionen kosten. Außerdem hätte ein neuer Eigentümer den Denkmalschutz als ständigen Partner.

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