15.10.2017 - 14:52 Uhr
Deutschland & Welt

Von Demokratie bis Dystopie Ein Rundgang über die Frankfurter Buchmesse

Die Welt ist schlecht. Den Eindruck vermitteln Belletristik- und Sachbuchabteilung auf der Frankfurter Buchmesse. Manche Verlage bieten dennoch Lösungen an. Ein Rundgang.

Udo Lindenberg auf der Buchmesse: Bei einem Konzert stellt er einen Bildband von Lebensgefährtin und Fotografin Tine Acke (links) vor.
von Elisabeth Saller Kontakt Profil

Frankfurt. Der mit dem Deutschen Buchpreis ausgezeichnete Österreicher Robert Menasse ist nicht der einzige, der die Besucher der Frankfurter Buchmesse mit Literatur anzieht. Am späten Freitagnachmittag bilden sich am Stand von Cornelsen zwei Schlangen. In der ersten stehen etwa 30 Jugendliche und junge Frauen für ein Autogramm von Stefanie Hasse. Diese signiert ein Buch ums andere, während rechts von ihr die zweite Schlange wartet: Mädels zückten Smartphones, um ein Foto von der Autorin zu schießen.

Annette aus Sinsheim hat "Book Elements" mitgebracht. "Das ist ein Jugendbuch, geht aber in Richtung Fantasy und Dystopie", erklärt ihre Freundin Nadine aus Heilbronn. Obwohl sie nicht mehr die eigentliche Zielgruppe sind, wollen die beiden erwachsenen Frauen eine Unterschrift. Und prophezeien: "Am Samstag wird die Schlange noch länger." Auch als Krimiautor Sebastian Fitzek und TV-Koch Steffen Henssler zur Signierstunden kommen, drängen sich viele Besucher um die Stände.

Esoterik und Seelenheil

Bei Knaus ist ein halber Büchertisch Walter Moers gewidmet. Zum neuen Roman "Prinzessin Insomnia und der alptraumfarbene Nachtmahr" hat der Verlag ein witziges Magazin herausgebracht. Alle Artikel und sogar Werbeanzeigen (Eau de Toilette "L'Insomnia") sind auf das Fantasieland Zamonien zugeschnitten - inklusive medienkritischem Editorial von Hildegunst von Mythenmetz, einer Figur, die schon in Moers früheren Büchern auftritt.

Auf vielen Bühnen drehen sich Gespräche um Politik. Autoren, Journalisten und Politiker diskutieren über die Krise der Demokratie, den Brexit, Finanzprobleme oder Krieg. In Gebäude 3, einer der beiden Haupthallen für Belletristik und Sachbuch, geht es aber auch viel sanfter zu. Wenige Schritte vom Stand der Deutschen Bundesbank entfernt driftet der Besucher ab in Esoterik, Ideologie, Seelenheil. Die Verlage heißen "Das dritte Testament", "Synergia Auslieferung" oder "Buddha's Light Publishing". Sie bieten Bücher zu Glauben, Selbstfindung oder Kartenlegen an.

Wenig los ist auf den zwei Stockwerken der Internationalen Verlage. Im Erdgeschoss von in Halle 4 kann der Besucher ein Hemd nach Maß bestellen, und dann von einem asiatischen Verlag zum nächsten schlendern. Von Taiwan nach Japan und Korea. Sie bieten Kinderbücher, Manga, Kalender und Bildbände an. Letztere gerne in Hochglanz und mit Fotos aus Europa. Auf den Titel prangern asiatische Schriftzeichen, ab und zu gibt es ein Werk auf Englisch.

"Singing" mit Lindenberg

Zum Ausklang der Messe am Freitag gibt Udo Lindenberg ein "Singing" anstelle einer Lesung. Fotografin und Lindenbergs Lebensgefährtin Tine Acke brachte den Bildband "Stärker als die Zeit" über die vergangene Tour heraus. Der Musiker schlägt Seite 26 auf und stimmt "Mein Ding" an. Das Publikum singt kräftig mit. Danach holt Lindenberg das Panikorchester auf der Bühne im Hof zwischen den Hallen. Für den Auftritt bei der Buchmesse dichtet Lindenberg einen Vers um und singt: "Du spieltest Cello in jedem Saal in Frankfurt." (Hintergrund)

Hintergrund Dystopie ist das Gegenteil von Utopie. In einem dystopischen Buch beschreibt der Autor eine pessimistische Welt in der Zukunft. Damit möchte er vor aktuellen Entwicklungen warnen. Utopisch sind besonders positiv dargestellte Plätze. Utopische und dystopische Orte kommen in Büchern und Filmen vor. 

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