06.02.2018 - 15:27 Uhr
Deutschland & Welt

Berlinale 2018 #MeToo und viele deutsche Filme

Die Berlinale versteht sich seit jeher als politisches Filmfestival. In diesem Jahr will sie ein Zeichen gegen Missbrauch setzen. Aber auch zum Lachen einladen.

Dieter Kosslick.
von Agentur DPAProfil

Berlin. Stilettos und nackte Haut adé - die Berlinale könnte diesmal modemäßig etwas bodenständiger werden. "Ich werde auf jeden Fall keine Frau zurückweisen, die flache Schuhe trägt - und auch keinen Mann mit Highheels", verspricht Festivaldirektor Dieter Kosslick.  Gäste des Festivals können also getrost dem Aufruf von Schauspielerin Anna Brüggemann folgen, die angesichts der #MeToo-Debatte Gleichberechtigung auch bei den Outfits auf dem Roten Teppich gefordert hatte.

Missbrauch und Diskriminierung in der Filmbranche - auch sonst wird das Thema das am 15. Februar beginnende Festival prägen. Mehrere Diskussionsveranstaltungen sind geplant. Unter dem Motto "Nein zu Diskriminierung" soll es für Betroffene sogar eine eigene Anlaufstelle geben, wie Kosslick am Dienstag in einer Vorschau auf das Programm ankündigte.

19 Filme im Wettbewerb

Insgesamt bewerben sich diesmal 19 Filme um die begehrten Bärenpreise. Mit vier deutschen Regisseuren ist das heimische Kino so gut vertreten wie lange nicht. Zu den prominenten Gästen gehören Tilda Swinton, Isabelle Huppert, Joaquin Phoenix und - mit Chance auf Kreischalarm - Ex-"Twilight"-Star Robert Pattinson. Der Goldene Ehrenbär geht in diesem Jahr an den US-Schauspieler Willem Dafoe ("The Hunter") für sein Lebenswerk.

Als letzten Wettbewerbsfilm gab Kosslick das norwegische Attentatsdrama "Utøya 22. Juli" von Erik Poppe bekannt. 2011 waren auf der gleichnamigen Insel durch den Rechtsextremisten Anders Breivik 77 Menschen ums Leben gekommen.

Zu den vier deutschen Bärenkandidaten gehört der Flüchtlingsfilm "Transit" von Christian Petzold ("Barbara") nach einem autobiografischen Roman von Anna Seghers. Regisseur Thomas Stuber erzählt in dem Liebesdrama "In den Gängen" von einer Beziehung zwischen zwei Außenseitern. Hauptdarsteller sind Franz Rogowski und Sandra Hüller.

In dem Porträt "3 Tage in Quiberon" zeichnet Filmemacherin Emily Atef das Lebensdrama von Romy Schneider nach - mit Marie Bäumer, Birgit Minichmayr und Charly Hübner ebenfalls hochkarätig besetzt. Vierter deutscher Kandidat ist das Familiendrama "Mein Bruder heißt Robert und ist ein Idiot" von Philip Gröning mit Josef Mattes und Julia Zange.

Eröffnung mit Wes Andersons Animationsfilm "Isle of Dogs"

Eröffnet werden die 68. Internationalen Filmfestspiele Berlin am Donnerstag in einer Woche mit Wes Andersons Animationsfilm "Isle of Dogs". US-Regisseur Gus Van Sant ("Milk") ist mit seinem neuen Film "Don't Worry, He Won't Get Far on Foot" dabei, in dem Joaquin Phoenix an der Seite von Jonah Hill, Jack Black und Udo Kier zu sehen ist.

Als Weltpremiere wird im offiziellen Wettbewerb auch Benoit Jacquots "Eva" mit Frankreichs Schauspiel-Diva Huppert in der Titelrolle gezeigt. In der Reihe Berlinale Special ist "Das schweigende Klassenzimmer" zu sehen, der neue Film von Lars Kraume ("Der Staat gegen Fritz Bauer"). In dem auf Tatsachen beruhenden Drama aus dem Kalten Krieg spielen unter anderem Leonard Scheicher, Florian Lukas und Burghart Klaußner.

Im Wettbewerbsprogramm laufen außerdem "Dovlatov" des russischen Regisseurs Alexey German Jr. ("Under Electric Clouds") und "Meine Tochter" ("Figlia mia") der Italienerin Laura Bispuri ("Sworn Virgin"). Die polnische Filmemacherin Malgorzata Szumowska ("Body") schickt ihren neuen Film "Twarz" ("Mug") ins Rennen.

400 Titel in 11 Tagen

Insgesamt sind bei dem weltgrößten Publikumsfestival für den Film innerhalb von 11 Tagen fast 400 Titel zu sehen. Die Bären-Preise werden am 24. Februar verliehen. Im vergangenen Jahr hatte die ungarische Liebesgeschichte "On Body and Soul" von Regisseurin Ildikó Enyedi den Goldenen Bären gewonnen.

Zur Zukunft des Festivals äußerte sich Kosslick, langjähriger Festivaldirektor, nur knapp. "Für mich ist die Geschichte durch", versicherte er vor der versammelten internationalen Presse. Im vergangenen Herbst hatten 79 namhafte Regisseure einen Neuanfang bei der Berlinale gefordert und damit heftigen Wirbel ausgelöst.

Kosslick, dessen Vertrag im Mai 2019 ausläuft, fühlte sich durch die Debatte verletzt. Jetzt kündigte er an: "Ich werde jedenfalls nicht mehr so viele Witze reißen, der Humor wird etwas reduziert. Denn die Spaßbremsen möchten das ja nicht."

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