Freilichtbühne am Buchberg inszeniert "Dracula" als "Komödie mit Biss"
Das war ganz schön schräg

Es war nicht die Geierwally. Dafür war's eine ziemliche Gaudi. Und ganz schön schräg. Genau so, wie's die Freilichtbühne am Buchberg versprochen hatte. Ihre Fans hatten sich einfach drauf verlassen - und wurden nicht enttäuscht: Die Besucher der Vorpremiere von "Dracula - Komödie mit Biss" kamen am Freitagabend aus dem Lachen gar nicht mehr heraus.

Ein gaaaanz kleines bisschen gruselig war's auch. Die beeindruckende (natürlich selbst gebaute!) Kulisse des mächtigen Vampirschlosses unter dem nächtlichen Himmel im Wald am Buchberg - das hat schon was. Eine Zuschauerin ganz vorne in der Mitte hatte auch was: leichtsinnigerweise nicht vorgesorgt. Und so kamen ihr die wilden Vampire von Schnaittenbach - pardon, aus Transsilvanien - gefährlich nahe. Gut, dass sich einige andere Besucher sicherheitshalber Knoblauchketten um den Hals gelegt hatten.

So eindringlich-dramatisch sich die Freilichtbühne vor ein paar Jahren bei ihrem "Meisterstück", der "Geierwally" zeigte, so ulkig präsentiert sie sich in der aktuellen Spielzeit. Eine solche Bandbreite hat nicht jeder Theaterverein zu bieten. Diesmal, in ihrer inzwischen 20. Saison, wollten die Schnaittenbacher mal "was ganz anderes" machen. Gesagt, getan. Sie können, das haben sie in ihrer Vorpremiere vor Ehrengästen und Freunden bewiesen, auch komisch. Wer sich darauf eingelassen hat, der hatte seinen Spaß.
Die Akteure auf der Bühne hatten ihn ganz offensichtlich auch, sie genossen das freche Spiel mit allem, was man Vampiren gemeinhin zuschreibt. Köstlich, wie Kerstin Donhauser als dauer-blutrünstige Vampirgräfin mit dem sexy-rollenden "R" jedem an die Halsschlagader wollte. Auch Dracula selbst, Christian Rubenbauer, genoss seine Rolle: Ziemlich schräg, dieser Blutsauger, der aussieht wie Rudolph Moshammer auf Ecstasy. Schade eigentlich, dass der "Aierl", Peter Kraus, diesmal nur eine Nebenrolle hatte - ein absolut genialer "Igorrrr", optisch wie auch akustisch ein Volltreffer.

Kompliment auch an die anderen Akteure, vom Theater-Nachwuchs, der tanzend in die Fußstapfen von Michael Jackson trat, bis hin zu Rufus und Fred (Thomas Reiß und Michael Zeiler), in Sachen Slapstick legitime Nachfolger von Dick und Doof. Keine Frage: Mit der Besetzung hat Spielleiter Stefan Reindl wieder punktgenau ins Schwarze getroffen. Die für die Freilichtbühne typische Liebe fürs Detail fehlte auch nicht: angefangen von Maske und Kostümen, die jeden Vampir zu einem eigenen Typen machten, bis hin zu den originellen Fernseh-Werbespots, mit denen der Verein geschickt seine Sponsoren würdigte. Und natürlich die lebendige Ahnengalerie, die am Ende aus dem Rahmen fällt. Oder steigt.

Ganz ehrlich? Dramatisch ist die Freilichtbühne packender. Aber es hat Spaß gemacht, einfach mal wieder herzhaft zu lachen.
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