31.05.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

44-Jähriger weist Überfälle und Betrügereien von sich - Schwierige Beweisaufnahme für ... Abenteuerliche Erklärungen von der Anklagebank

von Autor HWOProfil

Das Bauchgefühl sagt denen, die diesen Prozess beobachten: Er war es und kein Anderer. Doch das Gesetz fordert zweifelsfreie Beweise. Daran hapert es in mancher Hinsicht noch im Verfahren gegen einen des zweifachen Raubüberfalls und des mehrfachen Tankstellenbetrugs verdächtigen Mann aus Hirschau.

Am zweiten Verhandlungstag ging die Erste Strafkammer noch einmal genauer auf jene Utensilien ein, die man nach einem vom Beschuldigten gestandenen Tankbetrug in Wernberg-Köblitz (wir berichteten) beschlagnahmt hatte. Eine Wollmütze mit Sehschlitzen befand sich darunter, ein Fernrohr mit Stativgriff, eine Schreckschusspistole, diverse Kabelbinder, zwei Handfunksprechgeräte und ein Teleskopschlagstock. Alles Sachen, die zur Ausstattung bei Straftaten hätten dienen können.

Gelassene Reaktionen

Die Erklärungen des 44-jährigen Hirschauers ("Ich habe nie einen Überfall geplant") lösen immer wieder ungläubiges Erstaunen aus. Das Fernrohr habe zum Beobachten von Wildschweinen und anderen Waldtieren gedient, der wuchtige Schlagstock mit Trageschlaufe als Stütze von geöffneten Motorhauben. Einem, der im Zuhörerraum saß, entfuhr es daraufhin: "Kann man ein Gericht eigentlich noch mehr veralbern?" Diese Bemerkung beinhaltete auch den Benutzungszweck für ein Stück gesäumtes Tuch, das zum Abdecken von Autokennzeichen hätte dienen können. Dem Gericht sagte der Beschuldigte, seine Frau habe es als Wischmob hergenommen.
Nach der Festnahme bei Wernberg-Köblitz hatte die Amberger Kripo auch eine Menge kleiner Papierschnipsel gefunden. Sie wurden in mühevoller Arbeit zusammengeklebt und ergaben Buchstaben und Ziffern eines Erlanger Kennzeichens. Seltsam: Ein Autokennzeichen, das bei einem Tankbetrug in Schwandorf verwendet worden war, begann mit "ER". Und noch etwas ist bemerkenswert: Bei mehreren Straftaten tauchte ein Wagen vom Fabrikat Skoda auf. Einen solchen Pkw hatte der 44-Jährige letztes Jahr im Sommer von einem Händler als Leihfahrzeug.

Beim Überfall auf eine Bäckereifiliale in Sorghof war der Täter allerdings zu Fuß geflüchtet, beim Raub auf eine Sulzbach-Rosenberger Tankstelle benutzte er ein Fahrrad als Fortbewegungsmittel. Dieses Bike, auf Videofilm festgehalten, ähnelte einem Rad, das die Polizei bei dem Hirschauer fand. Wichtig wäre allerdings gewesen, dass die in Sulzbach-Rosenberg und in Sorghof hinter den Verkaufstheken stehenden Frauen den Räuber erkannt hätten. Das aber konnten sie nicht. Zumal auch schon deshalb, weil sich der Mann in beiden Fällen vermummt hatte.
Völlig unverhofft wurde dann ein Strafgefangener in Fußfesseln vor die Richter geführt. Der aus Regensburg stammende und dort auch momentan in Haft sitzende Mann, dem Angeklagten ähnelnd, war in Verdacht geraten, womöglich an dem Überfall in Sulzbach-Rosenberg beteiligt gewesen zu sein. Nach einer halben Stunde war die Vermutung widerlegt. Seine aus Niedersachsen angereiste Ex-Freundin verdeutlichte der Strafkammer anhand ihres Tagebuches, dass "er sich zu diesem Zeitpunkt sternhagel voll bei mir befand."

Der Angeklagte weist beharrlich von sich, jemanden überfallen und zwei Tankstellen betrogen zu haben. Dass verdächtiges Material bei ihm gefunden wurde, scheint den Mann nicht aus seiner Ruhe zu bringen. Er hat für alles Erklärungen - und seien sie auch noch so abenteuerlich.

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