29.09.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

500-jährige Braugeschichte endet 1945 - Kommunbrauhaus Verkehrshindernis Letzter Sud nach Kriegsende

"In einer gefährlichen S-Kurve fährt man von Weiden kommend um das alte Kommunbrauhaus herum in den schmucken Marktflecken Luhe ein. Bei der Ausfahrt stellt sich aber ein neues Hindernis entgegen, das an sich recht romantisch wirkende, aber leider nur sehr niedrige und schmale Webertor. Die Verhandlungen über den Abbruch beider Gebäude sind nunmehr zum Abschluss gekommen, so dass in der nächsten Woche mit dem Abbruch begonnen werden kann."

von Autor SEFProfil

So stand es am 13. März 1937 in der Zeitung "Bayerische Ostmark". Doch trotz des Abrisses ging die 500-jährige Brautradition in Luhe noch etwas weiter. Endgültig Schluss war 1945.

Nachweislich wurde bereits anno 1420 in Luhe Bier gebraut. Damals erbten Hans Kuchler und seine Stiefmutter ein Bräuhaus. Am 23. Juli 1816 verkaufte die Kommunal-Administration das Bräu- und Malzhaus um 1500 Gulden an 40 Bürger. Sie erwarben gleiche Anteile und gründeten damit eine Kommunbraugesellschaft. 1921 veräußerten die Kompagnons das Malzhaus an Franz Herdegen.

Neues Brauhaus

1937 erklärten sich die acht verbliebenen Gesellschafter Georg Siegert, Christian Häusler, Johann Reichenberger, Anton Paulus, Josef Kick, Josef Zanner, Gustl Hirmer und Johann Frimberger bereit, eine neue Produktionsstätte für Bier zu errichten. Das neue Kommunbrauhaus stand im Gartengrundstück von Johann Frimberger in der "Fischlohe", der heutigen Ringstraße. Dort wurden auch die Kupferkessel, der Maischbottich mit Rührwerk, die Maischpumpe und das Kühlschiff mit einem Fassungsvermögen von 30 Hektolitern sowie anderes Brauzubehör weiter verwendet.
Noch im 18. Jahrhundert wurde in der mittleren Oberpfalz vielerorts Hopfen angebaut, was alte Luher Übergabeverträge beweisen: Dort tauchen Flurnamen auf wie "Hopfenackerl Lust am Berg" oder ,,Hopfenackerl am Geißbach". Gerste erntete man ebenfalls regional. Sie eignete sich hervorragend für die Vermälzung, gedieh auch in gemäßigten Breiten.

Um den Brauvorgang kümmerte sich im Ort zuletzt Bartholomäus Forster. Nach dem Erkalten über Nacht im Kühlschiff schütteten die Auftraggeber die Würze in große Bottiche und transportierten sie in ihre Keller. Dort gärte das Jungbier etwa eine Woche, bevor es in Fässer umgefüllt wurde.

Eis aus Naab und Luhe

Die Bierfässer transportierte man mit Ochsen- oder Pferdefuhrwerken in Felsenkeller, die eine gleichmäßige Temperatur von fünf bis zehn Grad garantierten. Dort konnte das Braunbier reifen. Felsenkeller gab es am Koppelberg und nahe der Marienkapelle. Der Forstmüller benutzte einen eigenen an der Bruckwiese westlich der Bahnlinie.
Ende Februar bis etwa Ostern konnte jeder Gesellschafter seine zugeteilte Menge - in der Regel acht bis zehn Hektoliter - nach Absprache mit den übrigen brauen lassen. Für den Unterhalt der Einrichtung sowie den Lohn des Braumeisters und -knechts entrichtete er Kesselgeld. 1899 waren dies 8 Mark und 57 Pfennige. Darüber hinaus zahlte er einen ermäßigten Biersteuersatz.

Grundsätzlich war das Gebräu für den Eigenbedarf bestimmt. Ausnahmsweise konnten Nachbarn einen Krug über die Gasse erhalten. Unter den 40 Rechtlern gab es einige Wirte, die für den Verkauf in der eigenen Gaststube Bier herstellten.

Alteingesessene Luher, die der Gesellschaft nicht angehörten, durften das Kommunbrauhaus ebenfalls nutzen, mussten allerdings doppeltes Kesselgeld berappen. An die Zollbehörde in Schwandorf hatten sie außerdem den vollen Biersteuersatz abzuführen.

Ende einer Tradition

Gebraut wurde in Luhe bis 1945. Am 30. Dezember entrichteten Josef Zanner, Anton Paulus. Johann Reichenberger, Josef Kick, Johann Frimberger, Georg Siegert und Christian Häusler letztmals ihr Kesselgeld. Josef Häusler half - unter strenger Bewachung amerikanischer Soldaten - seinem Vater Christian, das "Abschiedsbier" zum Koppelberg zu schaffen.

1950 verkauften die Gesellschafter ihr Kommunbrauhaus, das seit Jahren nutzlos geworden war, an Josef Frimberger. Das Haus wurde umgebaut und mittlerweile abgebrochen.

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