15.09.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

52-jähriger Exhibitionist vor der ersten Strafkammer des Landgerichts - Bewährungsstrafe Therapie statt schwedischer Gardinen

"Abgewöhnen", sagte er, wollte er sich das schon mehrmals. Geschafft hat es Robert U. (Name geändert) bis jetzt nicht. Und das hätte ihn fast ins Gefängnis gebracht, wäre er gestern vor dem Landgericht in Amberg nicht an Leute gekommen, die ihm - statt zu strafen - eher bei der Bewältigung seines großen Problems helfen wollten. Sein Problem heißt Exhibitionismus.

von Benjamin Tietz Kontakt Profil

Viermal war der 52-jährige Nabburger bereits vor dem Kadi. Und immer wegen des gleichen Vergehens: In der Öffentlichkeit hatte er die Hosen heruntergelassen. Das letzte Mal am 30. Dezember vergangenen Jahres, als er in seinem Garten stand, just als ein Auto mit einer 40-Jährigen am Steuer vorbeifuhr.

Spätes Geständnis

Gleiches war einen Tag zuvor schon passiert, "doch da dachte ich noch, er verrichtet nur seine Notdurft im Garten", gab die Zeugin gestern vor der ersten Strafkammer unter Vorsitz von Landgerichtspräsident Klaus Demmel zu Protokoll. Der Angeklagte räumte nach anfänglichem Zögern den Vorwurf ein, stritt aber vehement ab, auf die Frau gewartet zu haben.

Eine Sache für die Kammer wurde das Verfahren, nachdem das Amtsgericht in Nabburg im März diesen Jahres einen Verweisungsbeschluss an das Landgericht gefasst hatte. Denn, wenn unter Umständen mit einer Einweisung in ein psychiatrisches Krankenhaus gerechnet werden muss, ist das Sache der Landgerichte.

Nachdem der Sachverhalt klar war, stand nun die zentrale Frage im Raum, wie es mit Robert U. weitergehen soll. Das Problem war, dass er im Dezember vergangenen Jahres unter laufender Bewährung stand und bereits eine Therapie abbrechen musste, weil er die Kosten nicht mehr tragen konnte. Der 52-Jährige ist nicht krankenversichert. Das Damoklesschwert in Form einer Haftstrafe schwebte also bedrohlich nahe über ihm.

Sachverständiger Dr. Axel Rose aus Fürth sprach sich für eine sowohl medikamentöse, als auch psychotherapeutische Behandlung in einer ambulanten forensischen Abteilung aus, um den Angeklagten von künftigen Straftaten abzuhalten. Das sahen auch Richter, Staatsanwältin und Verteidiger in ungewohnter Einigkeit so: Auch sie meinten, damit wäre Robert U. besser geholfen als im Gefängnis.

Letzte Chance

Und so blieb dem Angeklagten der Gang in den Knast noch einmal erspart. Ein allerletztes Mal, wie Richter Demmel ihm bei der Urteilsbegründung klar machte. Zu der sechsmonatigen Bewährungsstrafe gab ihm der Präsident des Gerichts auch die Auflage mit auf den Weg, sich einer Therapie, die er notfalls selber zu bezahlen hat, zu unterziehen. Zahlen könnte er nämlich mittlerweile, denn aus einer Erbschaft ist jetzt etwas Geld auf dem Konto von Robert U.

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