16.06.2012 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

60 Jahre Michaelskirche in Oberwildenau Diamantenes Weihejubiläum

1950 war für die katholische Kirche das 24. Heilige Jahr. Für Oberwildenau brachte es zwei tiefgreifende Neuerungen: Am 1. Mai wurde die neue Schule übergeben, und am 12. August war der erste Spatenstich für die Kirche.

von Autor SEFProfil

Bereits 1947 hatte sich die Gemeinde, zu der seit 1946 Unterwildenau, Forsthof, Neumaierhof und Schwanhof gehörten, aus dem Sprengel Luhe gelöst. Mit dem neuen Schulhaus gaben sich Bürgermeister Michael Schmidt, Kirchenpfleger Franz Höhbauer, die Gemeinderäte und die rund 800 Einwohner nicht zufrieden. Ihnen fehlte im aufstrebenden Ort ein Gotteshaus als geistiges Zentrum.

Ihr Anliegen fand offene Ohren bei Diözesanbischof Michael Buchberger, der von 1946 bis 1961 nahezu 100 Kirchen erstehen, erweitern oder restaurieren ließ. "Wo eine Schule steht, gehört auch eine Kirche hin", war sein Standpunkt. Als Voraussetzung gründete er 1950 eine exponierte Kooperatur und 1952 eine Expositur. Das bedeutete eine Teilautonomie von der Mutterpfarrei St. Martin Luhe. Zum ersten Oberwildenauer Seelsorger berief er Markus Jakob, der seit 1948 Kooperator in Luhe war.

Erster Spatenstich

Mit dieser moralischen Unterstützung im Rücken riefen engagierte Bürger 1949 einen Kirchenbauverein ins Leben. Sie suchten einen geeigneten Bauplatz und fanden ihn mitten in der Ansiedlung nahe der Schule. Am 12. August 1950 - erst drei Tage zuvor hatte das Landratsamt das Baugesuch an die Regierung weitergeleitet - erfolgte der erste symbolische Spatenstich. Drei Wochen später inspizierte der Regensburger Oberhirte die Baustelle. Weihbischof Josef Hiltl überzeugte sich gleichfalls vom Fortschritt der Arbeiten, die in der Regel ohne maschinelle Hilfsmittel bewältigt werden mussten.

Grundtein gelegt

Am 8. Oktober wurde der Grundstein gelegt. Nach einer Andacht in der barocken Laurentiuskapelle zog eine Prozession aus Schulkindern, kirchlichen und weltlichen Vereinen, Musikkapelle, Ministranten, Pfarrer Johann Baptist Stadler, Kooperator Markus Jakob, Kirchenbauverein, Gemeinderat, Baumeister Adam Maier aus Luhe und Gläubigen von Unter- nach Oberwildenau. Auf dem geschmückten Bauplatz, wo der vorgesehene Ort des Altar durch ein Holzkreuz markiert war, spielte die Blasmusik, wurden Gedichte rezitiert und Lieder gesungen.

Im Mittelpunkt standen Segnung und Einsetzung des Grundsteins mit der Inschrift "ANNO SANCTO 1950". Eingeschlossen sind eine Gründungsurkunde und eine in Rom geweihte Medaille.

Nach den Worten von Architekt Franz Günthner aus Regensburg, der auch die Kreuzbergkirche in Schwandorf geplant hatte, ertönten drei Hammerschläge. Einer galt dem Erzengel Michael, als auserkorenem Kirchenpatron. Abschließend wurde das Weihespiel "Das Haus Gottes" von Erich Rommerskirch aufgeführt.
Noch vor dem Winter war der Rohbau fertig. Nun konnte der komplizierte Dachstuhl, für den 50 Kubikmeter Bauholz nötig waren, mit Hilfe vieler fleißiger Dorfbewohner aufgerichtet werden. Fünf Tage später verbreitete am 17. November ein geschmückter Richtbaum Optimismus für das weitere gute Gelingen.

Hochzeit im November

Am 23. Oktober des folgenden Jahres war auch der Innenausbau so weit abgeschlossen, dass Pfarrer Stadler am Christkönigsfest, 28. Oktober 1951, die Benediktion (lat. benedicere = segnen) des nagelneuen Gotteshauses vornahm. Am selben Tag feierte er die erste Messe. Die Gläubigen benützten 24 Stühle, die aus der abgerissenen Barackenkirche Hohenfels stammten. In der gesegneten Kirche schlossen am 17. November 1951 Johann und Rosa Kres aus Unterwildenau als erstes Brautpaar den Bund der Ehe.

Markus Jakob hatte nach seiner Exponierung den Pfarrhof Luhe verlassen und im Dachboden der neuen Schule eine Mansardenwohnung bezogen. Weil das nur ein Provisorium sein konnte, errichteten die Gläubigen ab März 1951 ein Priesterhaus, das bereits im Juli fertig war. Zusammen mit der Kirche kostete es 190 000 Mark. Am Totensonntag, 25. November 1951, wurden außerdem Friedhof und Leichenhaus eingeweiht.
Zur Konsekrierung des Gotteshauses kam Erzbischof Michael Buchberger am 21. Juni 1952. Bürgermeister Michael Schmidt begrüßte ihn um 17 Uhr. Nach der Öffnung des Portals zeichnete er als Teil des Besitzergreifungsritus das griechische und lateinische Alphabet mit dem Hirtenstab in ein Aschenkreuz. Dann schritt er zur Innenweihe.

2000 Gläubige

Der Sonntag wurde schon um 8 Uhr mit dem Bischofsempfang eingeläutet. Von der Schule aus setzte sich eine Prozession mit Reliquien der frühchristlichen Märtyrer Vetustus, Laetantius und Jucundina in Bewegung. An der Spitze gingen die Schulkindern. Nach deren Ankunft weihte Buchberger den Altar, in dessen Mensa er die Überreste der Katakombenheiligen beisetzte. Den Abschluss bildete ein Pontifikalamt. Mehr als 2000 Gläubige beteiligten sich am Nachmittag an einer Prozession, in der das Allerheiligste aus der Schlosskapelle Unterwildenau in das neue Zentrum der Expositurgemeinde übertragen wurde.

Das Geläut bestand anfangs nur aus einer Glocke, die Baronin von Hirschberg gestiftet hatte. 1953 folgten die Josefs- und Marien- sowie 1957 die Michaelsglocke.

Um Holz gebettelt

Der Bau von Schule, Kirche, Pfarrhaus und Friedhof samt Aussegnungshalle in nur vier Jahren war in der kargen Nachkriegszeit ein beispielhaftes Gemeinschaftswerk. Die Einwohner spendeten nicht nur erhebliche Beträge, sondern leisteten über die Maßen unentgeltliche Hand- und Spanndienste. "Der Kirchenneubau brachte mir sehr viele Strapazen und Sorgen. Um das nötige Material aufzubringen, ging ich mit dem Kirchenpfleger auch zum Betteln von Holzstämmen in die Dörfer der Umgebung", erinnerte sich der 81-jährige Expositus Markus Jakob 1999 kurz vor seinem Tod. Bis 1955 war er in Oberwildenau.

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