09.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Abenteuerliches Ambiente

von Redaktion OnetzProfil

An Bord unseres Holzseglers hat Kapitänin Laetitia Wittock das Sagen: "Schaut, am Horizont der Sandstrand von Nosy Tanihely. Da schnorcheln wir zwischen tropischen Fischen." Auf diesem Robinson-Eiland begegnen uns die ersten Lemuren. Kein Wunder, dass die kuriosen Halbaffen im Hollywood-Streifen "Madagascar" zu Trickfilmstars arrivierten: Sie verrenken sich wie Clowns, bezirzen mit koboldgroßen Augen und zeigen ihr komödiantisches Talent auch vor unserer Kamera.

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Beim Insel-Hopping entlang der Nordwestspitze von Madagaskar ist etwas Piraten-Feeling garantiert. Wir genießen das abenteuerliche Ambiente auf unserer nostalgischen "Nofy Be". Da ziehen Boote an uns vorbei, deren Segel so zerlöchert sind wie gekaperte Korsarenschiffe. "Madegassen gehören zu den Armen dieser Welt, sie fangen ihre Fische für den Tagesbedarf, einen Kühlschrank haben sie nicht". Schiffskoch Roberto nimmt kein Blatt vor den Mund, auch wenn wir in paradiesischen Gewässern des Indischen Ozeans unterwegs sind.

"Während der Französischen Revolution entstand in diesem Archipel eine Kolonie namens Libertalia. Das war eine Utopia-Gesellschaft mit anarchischen Wurzeln", fährt Roberto fort. "Deren Freibeuter verzichteten auf privaten Besitz, propagierten sexuelle Freiheit wie später die Hippies." Mehr darüber nachzulesen ist in der Enzyklopädie zum Piratenwesen von Daniel Defoe (1660-1731). Demnach dienten die Piratennester der einstigen französischen Kolonie als Vorlage für "Die Schatzinsel", Stevensons berühmten Roman: "Besucht die Insel Sainte Marie. Dort trefft ihr Menschen mit blauen Augen und garantiertem Piraten-Gen", empfiehlt Roberto.

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Auf der Lemuren-Insel

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Später ankern wir vor dem vulkanisches Eiland Nosy Komba und kommen in der Maki-Lodge unter, die nach Öko-Prinzipien erbaut ist und wie ein Adlernest über einem Felshang am Meer klebt. Unsere Begleiterin Valisoa Rakotosolofo zeigt uns die schwarzpelzigen Lemuren der kaum bevölkerten Insel. Dann führt sie uns zu Frauen, die fürs Kokosnuss-Raspeln einen Hocker erfanden und Decken kunstvoll mit Schildkröten besticken: "Wir sind ein kreatives Völkergemisch mit arabisch-indischen wie afrikanischen und europäischen Wurzeln. Doch unser Ursprung liegt in Indonesien."

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Geister der Ahnen

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Eine Inselbewohnerin zeigt ihr Blasinstrument. Die Antsiva, eine Seemuschel, gibt ähnlich archaische Laute von sich wie die Buckelwale, die sich von Juni bis September vor der Lemureninsel tummeln. Auf Madagaskar spielen Naturreligionen eine zentrale Rolle. Ehrfurchtsvoll gepflegt werden Fady. Das sind rituelle Verbote, die aufs indonesische Wort Tabu zurückgehen. Auf der Insel Nosy Be zeigt man uns Seen, die von Krokodilen bevölkert sind. "Für uns sind sie heilig, denn nach unserem Glauben leben in ihnen die Geister unserer Ahnen weiter und niemand hat hier Zugang", sagt Valisoa und führt uns schnell weiter: "Da schaut, auf diesem Ast sitzt ein Chamäleon. Unsere Insel hat die größte Vielfalt dieser bunt schillernden Reptilien hervorgebracht, zudem sind wir Weltmeister beim Vanilleanbau."

Auch für Frankreichs Parfümindustrie ist die Duftinsel Nosy Be ein Eldorado. Kostbare Essenzen werden aus den sternförmig-gelben Blüten der Ylang Ylang gewonnen, die hier auf Plantagen prachtvoll gedeihen.

Die Natur zeigte sich auch bei der Ausformung von Madagaskars spektakulären Canyons erfinderisch. Auf einer Tour im Ankarana-Nationalpark entdecken wir die Tsingys: Das sind Felsnadeln, die sich bis zu zwanzig Meter hoch auftürmen. Im mystischen Abendlicht erscheinen sie uns wie Stelen, die Madagaskars hoch verehrten Ahnen ein Denkmal für die Ewigkeit zu setzen scheinen.

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