17.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Abgesägte Winterlinde sorgt für jede Menge Vorwürfe und Zwiespalt Baum fällt, Streit beginnt

Streit, verhärtete Fronten und zahlreiche Vorwürfe. Die Fällung einer über 100 Jahre alten Winterlinde in Großschönbrunn sorgt im Markt Freihung für Ärger. Es gibt viele Beteiligte - und jede Menge widersprüchliche Aussagen.

Bürger versuchten die Fällung der über 100 Jahre alten Winterlinde zu verhindern. Ein vergebliches Vorhaben, denn seit dem 7. August ist nur noch der Baumstumpf zu sehen. Bilder: hfz (2)
von Christopher Dotzler Kontakt Profil

Aber zuerst einmal die Fakten: Die Marktgemeinderatsmitglieder hatten in der Sitzung am 22. Juli beschlossen, die Linde zu fällen, was am 7. August auch geschah. Der Grund: In einem Gutachten ist von einer Gefahr für den Verkehr die Rede.

Schreiben an die Markträte

Fakt ist auch, Bürgerin Ellen Bauer sendete zwei Tage nach dem Beschluss ein Schreiben an alle Räte und Bürgermeister Norbert Bücherl (FW). Darin bat sie, "diesen Beschluss nochmal zu überdenken und uns Zeit zu geben, eine anständige Lösung zu finden". Ziel ihrerseits war es, dass der Baum nur gestutzt, nicht gefällt wird. Denn im Gutachten heißt es auch: "Es muss eine Kronenreduktion von 25 Prozent erfolgen" und "Nach dem Rückschnitt ist es nötig, dem Baum verstärkte Aufmerksamkeit zu widmen".

Bauer sammelte ihrer Aussage nach innerhalb einer Woche 350 Unterschriften für den Erhalt des Baumes und bot in ihrem Schreiben an: "Einige Personen wären bereit, beim Zuschnitt mitzuhelfen und auch Spendengelder werden mit Sicherheit eingehen." Eine ähnliche Aktion habe sie bereits vor einem halben Jahr gestemmt, sagte Bauer auf Nachfrage.

Eine Reaktion blieb aus. Das bestätigten sowohl Bauer, als auch der 2. Bürgermeister des Markts. Er ist in die Geschichte involviert, weil während der Fällung Rathauschef Norbert Bücherl im Urlaub weilte und Helmut Klier vorübergehend die Regentschaft übernommen hatte. Dem Vorhalt, warum es keine Antwort auf die Anfrage gab, entgegnete Klier: "Muss ich das tun?"

Wie gegensätzlich die Ansichten sind, zeigt auch Folgendes: Bauer bemerkte in ihrem Rundschreiben: "Ein übertriebenes Sicherheitsdenken und keine Eigenverantwortung mehr übernehmen zu wollen, ist anscheinend Mode geworden." Bücherl hält dagegen: "Der Baum stellte eine konkrete Gefahr dar, keine abstrakte."

Kritik für die Kommunalpolitiker gibt es nicht nur von Bauer. Ein weiterer Protagonist, der Vorwürfe erhebt, ist Volker Goebel. Er arbeitet beim Bundesforstbetrieb Grafenwöhr, betont aber, dass er seine Aussagen als Bürger tätigt. Diese unter anderem: "Die Gemeinde hat nicht mit offenen Karten gespielt." Sobald die Verantwortlichen mitbekommen hätten, dass sich Widerstand gegen die Fällung formierte, "haben sie auf die Tube gedrückt". Bücherl und Klier argumentieren wiederum: "Es lag ein Beschluss vor."

Uneinigkeit über Zustand

Goebel sagt außerdem, es sei Druck auf das Forstunternehmen ausgeübt worden. 2. Bürgermeister Klier entgegnet: "Das stimmt nicht." Goebel mokiert, dass vor der Abstimmung über die Zukunft der Linde zwar die Bauausschuss-, nicht jedoch den anderen stimmberechtigten Marktgemeinderatsmitglieder das Gutachten vor Augen hatten. Dem widerspricht Klier: "Das Papier lag den Mitgliedern in den Fraktionssitzungen vor und der Gutachter hat es auch nochmal komplett in der Sitzung vorgelesen." Goebel behauptet, nachdem die Linde gefällt und das Innenleben sichtbar ist: "Der Zustand des Baumes ist besser, als im Gutachten beschrieben. Die Linde hatte absolut keine bedrohliche Kernfäule und war für ihr Alter sogar sehr gesund. Traurig, da tut einem das Herz weh." Klier hingegen sagt: "Der Zustand erwies sich als schlechter."

Völlig machtlos

Wenn auch viele Fragen offen bleiben - fest steht, dass ein neuer Baum an alter Winterlinden-Stelle gepflanzt werden soll. Laut Bürgermeiser Bücherl im Herbst. Derweil überlegt Bürger Goebel, Schritte einzuleiten, weil er Artenschutz-Gesetze missachtet sieht. Der Ärger bei dem Bundesforstbetriebsmitarbeiter sitzt tief: "Wir waren völlig machtlos der ganzen Vetterles-Wirtschaft gegenüber", urteilt er.

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