06.08.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Amerikaner investieren 90 000 Euro in Erhalt der ehemaligen Filialkirche in Kirchenödenhart Maria Magdalena ist jetzt gerettet

Es ist still inmitten der Dorfstelle Kirchenödenhart, nur wenige Kilometer von Schmidmühlen entfernt. Der Ort ist seit dem Spätherbst 1951 verwaist. Nur der Kirchturm steht jetzt wieder stolz, vielleicht etwas verloren und einsam, als das Wahrzeichen des ehemaligen Dorfes in der Kulturlandschaft von einst.

von Redaktion OnetzProfil

Von den ehemaligen Häusern des Dorfes ist nicht mehr viel zu sehen, nur Obstbäume und dazwischen liegende Mauerreste erinnern an die Bewohner und deren Besiedelung von einst.

Nur bei Übungsbetrieb ist Leben auf der ehemaligen Dorfstrasse. Schwere Militärfahrzeuge brausen vorbei, dichte Staubwolken zeichnen weithin die Spur der Panzerstrasse nach.

In einer wohl einmaligen Rettungsaktion haben sich die Verantwortlichen der amerikanischen Streitkräfte im Truppenübungsplatz zusammen mit dem Bundesforstamt mit Sitz in Schmidmühlen dafür eingesetzt, die ehemalige Filialkirche der Pfarrei Dietldorf, Maria Magdalena in Kirchenödenhart, zu erhalten.

Neben naturschützerischen und Denkmalschutzaspekten war es nicht zuletzt auch die Unfallgefahr derartiger Gebäudeteile, die letztendlich auch dazu bewogen hat, das einstige Kulturgut zu erhalten und der Nachwelt zu sichern.

Von einer "good new Story" sprach Lieutenant Colonel Steven Hebert bei der kleinen Einweihungsfeier im wieder hergerichteten Kirchenschiff von Maria Magdalena auch im Namen von Lieutenant Colonel David M. Witty. Dieses Projekt stärke die Gemeinschaft.

Der Kirchturm in Kirchenödenhart sei eine Realität, der man sich von allen Seiten mit Respekt stelle. Wenn die Amerikaner von der "Halloween Church" sprechen, bekundet es Achtung und Respekt vor den Relikten der einstigen Kulturlandschaft inmitten des jetzigen Übungsgeländes. Die Sicherungsmaßnahme sei eine good New Story, deren verbindender Charakter weit über die Grenzen des Übungsplatzes hinausreicht.

1938 mussten alle 138 Bewohner des Dorfes ihre Heimat der Errichtung des Wehrmachtsübungsplatzes opfern. Im Spätherbst 1951 folgten nochmals 78 Heimatvertriebene, die in Kirchenödenhart für ein paar Jahre eine vorübergehende Heimat gefunden hatten.

Das Kirchenödenharter Schloss ist bereits ganz verschwunden, die Bausubstanz des nach einem Brand im Jahre 1543 wiederaufgebauten Gotteshauses wurde seit 1951 nicht mehr gepflegt. Das Gebäude verfiel zur Ruine, große Teile des Kirchenschiffes waren abgetragen. Im Winter 2002 stürzte das mit Schieferplatten bedeckte Dach des Kirchturmes in sich zusammen.

Wertvolle Strukturen

Wie Diplomgeograph Bernhard Weber vom Environmental Office aus Hohenfels berichtete, wurde nach einer Dokumentation der Bausubstanz zusammen mit dem Bundesforstamt angeregt, Turm und restliches Mauerwerk der Kirche zu sichern. Etwa 90 000 Euro haben die US Streitkräfte in den Erhalt der Kirche investiert.

Neben der Sicherheit für die übenden Soldaten sei es den US-Dienststellen besonders wichtig gewesen, die kulturhistorisch wertvollen Gebäudestrukturen zu erhalten.

Forstdirektor Dr. Markus Perpeet verwies auf einen weiteren wichtigen Gesichtspunkt bei der Gebäudesicherung. Im Übungsplatz hätten viele seltene und gefährdete Tierarten eine Heimat gefunden. Dazu zählt auch die Fledermausart der großen Hufeisennase. "Nur noch siebzig Tiere dieser Art existieren in Deutschland, davon der Großteil am Rande des Truppenübungsplatzes", informierte er.

Der Dachstuhl der Kirche wurde als potenzielle Wochenstube für die große Hufeisennase ausgebaut. Frostfreie Winterquartiere findet die seltene Tierart in verschiedenen Höhlensystemen.

Randlinienreiche Strukturen aus Feldgehölzen, lockeren Wäldern und buchtigen Gebüschen geben die ehemaligen Kulturlandschaften im Truppenübungsplatz für diese aber auch andere seltene Tierarten.

Die erste Erwähnung fanden die Hofmark Kirchenödenhart und das Gotteshaus mit seinem romanischen Turm, in dessen Erdgeschoss noch das gratige Kreuzgewölbe zu sehen ist und den ein schiefergedecktes Pyramidendach zierte, bereit um das Jahr 1050. Im Jahre 1591 wurde die 1543 abgebrannte Kirche wieder aufgebaut.

Sakristei angebaut

1903 bauten die Kirchenödenharter eine Sakristei an der Südseite an. Die gleichnamige Gemeinde gehörte zum Amtsgerichtsbezirk Burglengenfeld, bis 1904 gingen die Kinder ins vier Kilometer entfernte Dietldorf zu Schule, dann nach Emhof.

Kirchenödenhart gehörte zur Pfarrei nach Dietldorf, wirtschaftlich war man nach Schmidmühlen hin ausgerichtet. Der meisterhafte Altar der Kirche fand in St. Jakobus in Emhof eine neue Heimat.

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