26.11.2007 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Anekdoten und Erinnerungen an alte Zeiten beim "Hutza-Oumd" in Schurbach Schmalspurbahn und Adler aus Kösseine-Granit

von Autor ÖTProfil

Längst vergangene Zeiten ließ das Hirschberger Fähnlein zu Schwarzenreuth mit einem "Hutza-Oumd" im Gasthof "Zum Fichtelgebirge" in Schurbach lebendig werden. Erinnert werden sollte dabei an früher, als im Herbst die Ernte eingebracht war, die Nebel und der böhmische Wind übers karge Land zogen und die Leute, damals noch ohne Radio und Fernseher, in den Abendstunden Zeit zum Musizieren und zum Erfahrungsaustausch hatten.

Vorsitzender Sepp König erklärte zu Beginn des sehr gut besuchten Abends, es werde zuerst eine Brotzeit gereicht. Danach sollten die Bewohner Schurbachs, aber auch andere Besucher zu Wort kommen und an frühere Zeiten erinnern.

Doch schon bei der Brotzeit war die Erfahrung der Älteren gefragt. Kartoffelpuffer, Brot und Kesselfleisch waren allen geläufig, aber bei der Ankündigung von Stinglkraut mussten die Jüngeren passen. Hier wusste Hans Vetter aus Ebnath Bescheid. Er konnte dessen Zusammensetzung und Zubereitung erläutern.

Karl Greger in seinem Element


Anschließend war Karl Greger als Kenner vieler Geschichten an der Reihe. Der Beginn der Gespräche beim "Hutza-Oumd" war zwar noch ziemlich träge, dann aber war das Eis schnell gebrochen. Die neugierig lauschenden Zuhörer ließen eine Anekdote nach der anderen folgen. Der "Wolf-Michl", so der Hausname Gregers, spannte das breit gefächerte Spektrum seiner Erzählungen vom Ebnather Pfarrer Hupfer über Schwarzenreuther Adelige bis zurück zum Bau des Eisenbahntunnels bei Langentheilen. Für dessen Errichtung wurde im Jahr 1875 eine Rollbahn von der Kösseine zur Baustelle eingerichtet auf der damals die Granitsteine nur durch das natürliche Gefälle zum Tunnel gefahren wurden. Der Rücktransport der Rollwagen erfolgte per Pferdekraft. Greger wusste auch von Schurbacher Tunnelarbeitern zu berichten, die am Wochenende ihren Lohn erhielten und diesen sogleich im Wirtshaus in Bier umsetzten und durchbrachten.

Karl Greger präsentierte den staunenden Zuschauern außerdem Bilder von Adlern, die während der NS-Zeit aus Kösseinegranit gefertigt wurden. Der Kenner der Heimatgeschichte erinnerte ebenso an die früheren Winter, reich an Schnee, und an Zoigl-Gaststätten.
Von einer weiteren Begebenheit berichtete Albert Greger. Im Jahr 1890 wurde eine Schmalspurbahn von der Steinmetzhütte der Grasyma in Neusorg zum Steinbruch in Schurbach gebaut. Die Burschen aus Schurbach hatten damals viel Spaß daran, die Gleise einzufetten und der Lokomotive und dem Personal die Fahrt auf der steilen Strecke zu erschweren.

Über die Entstehung des Schurbacher Hausnamens "Mouskounl" berichtete Irene Kunz aus Waldershof. Nach der Erzählung kneteten nachts Moosweiblein den Teig für das Brot. Als neugierige Hausbewohner bemerkten, dass sie dies mit bloßen Füßen taten, baten sie die Moosweiblein doch den Teig mit den Händen zu kneten. Von diesem Tag an waren die Moosweiblein verschwunden. Irene Kunz gab auch ein Gedicht zum Thema "Sauerkraut" zum besten.

Zur Sprache kamen später die frühere Aufteilung Schurbachs in drei Gemeinden und die Feuerwehrgründung anno 1906. Karl Gregers Erfahrungsschatz reichte von Wirtshaus- bis zu Kirchweihgeschichten. Ebenso konnte er den Text eines in Mundart verfassten "Schurbacher Eisenbahnerlieds" vortragen, das von der Schmalspurbahn der Grasyma handelte.

Musik von Irmbert Schmidt

Die Beschreibung einer Wanderung durch Schurbach, noch verfasst in altdeutscher Schrift, verlas Martin Exner. In ihr wird in poetischer Weise über die einzelnen Höfe der einst slawischen Siedlung "Surwana" berichtet. Zwischen den einzelnen Beträgen unterhielt Irmbert Schmidt mit seinem Akkordeon die Gäste.

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