Archäologen schließen Untersuchung der Wolfsgrube im Steinwald mit unerwartetem Fund ab
Köderschale unter Ascheresten

Ein vollständiger Fund ist nach Worten von Dr. Hans Losert die Wolfsgrube im Steinwald. Kurz vor Ende der Grabung kam sogar noch die Schale zum Vorschein, in der man in der über zwei Meter tiefen Grube den Köder deponiert hatte. "Da sind sogar noch die Blutreste dran", schwärmt der Archäologe. Nur mit der Datierung tut sich der Privatdozent an der Uni Bamberg schwer, denn diese Form der Keramik hat sich seit dem 15. Jahrhundert über einen sehr langen Zeitraum nicht wesentlich geändert.

Die Wolfsgrube befindet sich nahe der Ruine Weißenstein auf dem Höhenzug neben dem Weg, der die Ruine mit dem Oberpfalzturm verbindet. Seit drei Jahren wurde sie insgesamt sechs Wochen lang archäologisch untersucht. Nachgewiesen werden konnten drei unterschiedliche Nutzungen. So wurde aus der Wolfsgrube zunächst ein Grubenmeiler und später ein Rundmeiler.

Die Archäologiestudentin Iris Nießen arbeitet den Fund wissenschaftlich auf. Sie will ihre Bachelorarbeit in den nächsten Wochen fertigstellen. Bei der aktuellen Grabung half ihr Hedwig Drabig, die den Aufbaustudiengang Denkmalpflege absolviert und dabei einen Ausflug in die Archäologie unternahm. Berührungspunkte zu ihrem Bachelorstudium der Architektur ergeben sich schon bei der genauen Vermessung und Dokumentation der behauenen Granitsteine, die ein Viereck ergeben und den Boden der Grube bilden.

Grube urkundlich erwähnt

Dass man keine Reste von Wölfen fand, überraschte Iris Nießen nicht. Denn sie wurden entweder getötet und ihr Fell verwendet oder sie wurden für die weitere Wolfsjagd abgerichtet. Allerdings ist so eine vollständig erhaltene Wolfsgrube aus dem Mittelalter selten. Nur in Ehingen in Baden-Württemberg gibt es nach Auskunft der Archäologiestudentin ein vergleichbares Bauwerk.
Über die Wolfsgrube im Steinwald existiert auch eine Urkunde. 1498 hatte Hans Nothaft zu Weißenstein mit Oswald von Senckendorf eine Grenzstreitigkeit, bei der die Wolfsgrube als geografischer Anhaltspunkt genannt wurde. Die Burg auf dem Weißenstein, so vermutet Losert, war der Grund für die Eindämmung der Wölfe. Um von der Burg aus freie Sicht über den Steinwald zu haben, wurden Ziegen und Schafe gehalten, die den Bewuchs regulieren sollten.

Kein Entkommen

Damit sie nicht von Wölfen gerissen wurden, stellte man den Raubtieren nach. In der Mitte der Grube fand sich noch der quadratische Rest, in dem der zwei Meter lange Balken mit der Köderschale befestigt war. Denkbar ist eine weitere Sicherung zu den Wänden hin. Ähnlich einem Regenschirm wurde der Zwischenraum mit Zweigen bedeckt. Für Wölfe, die in die Falle tappten, gab es wegen der glatten Wände kein Entkommen.

Von der Köderschale fehlen nur wenige Stücke. Iris Nießen vermutet, dass sie bei der Nutzung des Grubenmeilers zerbrach und einige Scherben dann mit der Asche entsorgt wurden. "Die Schale hat sich unmittelbar unter den Ascheresten befunden", berichtet die Studentin. Von Fülle und Qualität der Funde ist Dr. Hans Losert begeistert. Zumal er nach einem unglücklichen Baggereinsatz bei der Grabung zunächst die Ergebnisse vernichtet glaubte. Auf die Grube hatten ihn Mitglieder der "Steinwaldia" Pullenreuth aufmerksam gemacht, die wie Ernst Grünbauer den Archäologen fleißig halfen. Nun werden die vollständig freigelegte Grube wieder verfüllt und die Keramikfunde näher untersucht.
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