02.08.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Auch als Architekt

von Susanne WolkeProfil

Heute kommt wohl keiner mehr auf die Idee, die Weltenburger Klosterkirche als "die schlechteste in ganz Bayern" zu bezeichnen. Diese Einschätzung ist aus dem Jahre 1721 überliefert. Und auch da war sie nur noch rückblickend gemeint. Denn der zitierte Prediger ergänzte bezüglich der Kirche sofort: "Nun gleichet sie aller und vielleicht ihr keine." Es hatte sich also herumgesprochen: Im ehemals vom Zerfall bedrohten Kloster Weltenburg entstand damals ein Prachtbau, der als Meisterwerk des Barock richtungsweisend für die deutsche Kunst des 18. Jahrhunderts werden sollte.

Nach neunjähriger Renovierungsphase erstrahlt die Kirche St. Georg und St. Martin nun in neuem Glanz. Eine kleine aber feine Ausstellung im benachbarten Museum im Felsenkeller informiert über die Kirche und ihre Entstehungsgeschichte. "Als der Barock bayerisch wurde", lautet der Titel der Schau, "Die Asams in Weltenburg."

Schließlich ist der Bau, in dem sich Architektur, Malerei und Ausstattung zu einer gleichberechtigten Einheit verbinden, eines der Hauptwerke der berühmten Brüder Cosmas Damian und Egid Quirin Asam. Die Weltenburger Kirche ist das einzige Gebäude, dem Cosmas Damian Asam zweifelsfrei als Architekt zugeordnet werden kann. Als "Maler und Baumeister" signierte er 1721 das Deckengemälde.
Sein jüngerer Bruder Egid Quirin vollendete das Gesamtkunstwerk durch seine Stuckarbeiten. Das Gotteshaus selbst gilt als stattliches Hauptexponat der Weltenburger Ausstellung. Seine Entstehung ist vor allem einem Mann zu verdanken: Als Maurus Bächel 1713 zum Weltenburger Abt gewählt wurde, stand das Kloster vor dem Ruin. Hohe Abgaben während des Dreißigjährigen Krieges hatten die Benediktinerabtei in immer größere wirtschaftliche Not getrieben. Die Kirche war ausgeraubt, die Gebäude vom Donauhochwasser zerstört, in den einsturzgefährdeten Mauern lebten nur noch acht Mönche.

Für Abt Maurus, dessen Portrait in der Ausstellung einen feisten Mann mit wachem Blick zeigt, kein Grund zu verzagen: Mit viel Wagemut und wenig Geld begann er 1714 mit dem Neubau des Klosters. Seine beste Entscheidung dabei: Er schenkte dem damals erst 29-jährigen Cosmas Damian Asam sein Vertrauen. Gemeinsam mit seinem sechs Jahre jüngeren Bruder stellte dieser alsbald sein Können unter Beweis. Die bei einem Romaufenthalt gewonnenen Eindrücke - in der Ewigen Stadt hatten ihn vor allem das Pantheon und die barocken Kirchen beeindruckt - mischte Cosmas Damian zu seinem eigenen Stil. Leicht und heiter sollten dessen Formen zum Vorbild werden für den bayerischen Barock.
"Mit fliegendem Pinsel", so die Beschreibung von Zeitzeugen, pflegte Cosmas Damian außerdem 30 Zentimeter unter der Decke auf einem Gerüst zu stehen und sein Deckengemälde mit großzügigen Strichen auf den nassen Putz zu setzen.

"Fresko - Malen ins Frische", heißt der Fachausdruck für diese Technik, wie die Weltenburger Ausstellung erklärt. Denn auch der handwerkliche Aspekt kommt dort nicht zu kurz. Gezeigt werden unter anderem Werkzeuge, mit denen die Maurer, Zimmerleute und Steinmetze auf einer Großbaustelle des 18. Jahrhunderts arbeiteten. Auch die Kunst des Stuckierens, die während des Barock ihre Blütezeit erlebte, wird in der Ausstellung behandelt. Der Besucher erhält dabei Einblick in das erstaunliche Innenleben der dargestellten Engel und Heiligen: Um das Gewicht der Stuckfiguren zu reduzieren, wurden diese oft mit Stroh oder Holzhäcksel gefüllt.

Egid Quirin Asam war ein Meister des Stuckierens, das ebenso wie die Freskomalerei ein rasches und sicheres Arbeiten erforderte - nach dem Erhärten des Stuckmörtels konnte nicht mehr korrigiert werden. Mit virtuosem Können gestaltete der jüngere Asambruder so eine der Hauptattraktionen der Klosterkirche Weltenburg: den Hochaltar. Durch Lichteffekte gekonnt in Szene gesetzt, scheint der heilige Georg aus dem Sonnenschein heraus in den dunklen Kirchenraum zu reiten.

Licht vollendet Meisterwerk

Das Licht spielt ohnehin eine große Rolle in Weltenburg. Es vollendet das Meisterwerk der Brüder Asam. Wiederum von italienischen Vorbildern beeinflusst, lenkte Cosmas Damian das Tageslicht durch Fenster, die für den Betrachter unsichtbar bleiben. Fast überirdisch erscheinen daher die Sonnenstrahlen, die von oben in das Dunkel des Hauptraumes dringen und die das Deckenfresko scheinbar schweben lassen. Als "theatrum sacrum", wird die Kunst der Brüder Asam häufig beschrieben, als "heiliges Theater". Die Klosterkirche in Weltenburg ist das beste Beispiel dafür.

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