27.02.2010 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Auf Spurensuche nach dem Komponisten Georg Augustin Holler "Oberpfälzer Musicus"

Georg Augustin Holler wurde am 18. Juni 1744 in der damals simultanen, heute evangelischen, Pfarrkirche in Rothenstadt getauft. Bild: Popp
von Autor VORProfil

Annemarie Krauß, ehemals Stadtarchivarin von Weiden, und der Musikwissenschaftler Dr. Robert Münster haben sich intensiv mit einem Oberpfälzer Musiker und Komponisten des 18./19. Jahrhunderts beschäftigt. Sein Name war Georg Augustin Holler und er wurde am 18. Juni 1744 in der damals simultanen, heute evangelischen, Pfarrkirche in Rothenstadt getauft. Sein Vater, Johann Georg Holler, war Nagelschmiedmeister auf dem Maschinhammer, der heute Sperlhammer heißt, seine Mutter Margarethe, geborene Leeb, war eine Weberstochter aus Pertolzhofen.

Der Hammer war 1723 vom sulzbachischen Hofrat Johann Christoph Leonhard Sperl auf Wunsch des Pfalzgrafen Theodor Eustach errichtet worden. Um das Jahr 1750 verkaufte die Familie von Sperl wegen Streitigkeiten mit dem Rothenstädter Hofmarksherrn, dem Freiherrn von Sazenhofen, den Sperlhammer an die Hofmark.

Zu dieser Zeit verließ wohl die Familie Holler den Sperlhammer, der Vater nahm Dienst auf dem Eisenhammer Zangenstein, der zur Pfarrei Altendorf, an der Schwarzach gelegen, gehörte. Belegt ist, dass dem Ehepaar dort noch weitere Söhne, Johann Georg 1751, Stephan 1758 und Johann Stephan 1759, geboren werden. Johann Georg ist der spätere Benediktinerpater Aegidius Holler, der in der Abtei Attl am Inn lebte und ebenfalls als Komponist bekannt wurde.
Über ihn wurde einmal gesagt: "Er hatte sich in allen Zweigen des menschlichen Wissens wohl umgesehen, sprach fertig, wie seine Muttersprache, lateinisch, italienisch und französisch, war dabey der vollkommenste Sänger, Meister auf der Violine und nach dem seligen Abbé Vogler vielleicht der größte Orgelspieler seiner Zeit".

Sein älterer Bruder Georg Augustin Holler besuchte mit großer Wahrscheinlichkeit das Benediktiner-Gymnasium in Freising, denn Quellen belegen, dass 1763 dort eine lateinische Schulkomödie mit der Musik von "Augustin Holler, Palatinatus" aufgeführt wurde. "Palatinatus" heißt "der aus der (Ober)Pfalz stammende".

Im Jahr 1769 heiratet in der Frauenkirche der "Bürger und Musikus zu München" Georg Augustin Holler die Müllerstochter Maria Anna Übelhör aus Wessobrunn.

Am 4. Juni 1773 bewirbt er sich bei der Stadt München um eine Stelle als Stadtmusiker. Hierbei nennt er ein Vermögen von 100 Gulden, das seine Frau in die Ehe eingebracht habe. Noch am gleichen Tag wird er in die Zunft der Münchner Stadtmusikanten aufgenommen. Die Stadtmusikanten spielten bei Hochzeiten, veranstalteten Serenadenkonzerte, besorgten die Tanzmusik in den Wirtshäusern und waren aber auch sehr häufig im Dienste der Kirche als Kirchenmusikanten tätig. Die Stadtmusikanten waren in mehrere Kompanien eingeteilt, denen jeweils bestimmte Stadtviertel zum Spielen zugewiesen waren.

Mozart als Zuhörer

Im Oktober 1777 war Wolfgang Amadeus Mozart als Gast bei dem musikliebenden Weinwirt Albert untergebracht. Er hörte ein Gruppe der Stadtmusikanten im Gasthof "Zum Schwarzen Adler" spielen und auch bei einer Serenadenmusik. Seinem Vater schrieb er daraufhin: "Sie spielten gar nicht so übel zusammen".

Im Jahr 1780 wird Holler von Herzogin Maria Anna, der Witwe des Herzogs Clemens Franz in Bayern, als Musiklehrer an die von ihr gegründete Herzoglich Marianische Landesakademie in München berufen. Hier wurden die bayerischen Offiziere ausgebildet, später wurde diese Einrichtung die Königliche Kadettenschule.

Holler war hier bis 1789 tätig. In dieser Zeit muss auch das Zusammentreffen zwischen Peter Huber, dem Müllner Peter von Sachrang, und Augustin Holler stattgefunden haben. Für Huber schrieb Holler 1807 zwei Gratulationskantaten, was auf eine enge Freundschaft der beiden Musiker hindeutet. Der umfangreichen Sammeltätigkeit des Peter Huber ist es zu verdanken, dass 118 Werke von Holler überliefert wurden. Hollers Kompositionen, die für eine breite Bevölkerungsschicht geschrieben wurden, zeigen die enge Verbindung mit der Volksmusik. Er hinterließ Kirchenmusik, aber auch Serenaden, Divertimenti, Partiten, Menuette, Kammermusikwerke und Sinfonien.

In späteren Jahren erblindete Augustin Holler. Am 13. Februar 1814 starb er in München. Er war Stadtmusikmeister, das Totenbuch der Frauenkirche nennt ihn allerdings "Stadtmusikus".

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