05.07.2008 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ausstellung "Ackerbürger und Kommunbrauer" informiert auch über Gaststätte "Schermkarl" Einst schönste Gaststube der Stadt

Eine Gastwirtschaft hat sich über mehrere Generationen in der ehemaligen Kreisstadt gehalten: Das Gasthaus Rohrer, besser bekannt unter dem Namen "Beim Schermkarl". Dieser Hausname geht zurück auf die Familie Scherm, die das Anwesen gegen Ende des 19. Jahrhunderts von dem Bauunternehmer und Ziegeleibesitzer Zapf erwarb.

von Autor HEVProfil

Johann Scherm (geboren 1852) war Schmiedemeister und Landwirt, übte beide Tätigkeiten auch in dem Anwesen am Marienplatz aus. Daneben bekleidete der äußerst korrekte und pflichtbewusste Mann einflussreiche politische Ämter: Von 1893 bis 1912 leitete er als Bürgermeister die Geschicke der Stadt Eschenbach, wurde auch als "Landrat" (heute würde man sagen "Bezirksrat") ins Parlament der Oberpfalz berufen und war in mehreren Distriktausschüssen vertreten.

Seine Tochter Margarete verehelichte sich 1907 mit dem Diplom-Braumeister Karl Rohrer. Zwar wurde beim "Schermkarl" schon seit langer Zeit das süffige Bier aus dem nahe gelegenen Kommunbrauhaus ausgeschenkt. Doch dies geschah nicht ständig, sondern nur, wenn der weithin sichtbare Zoigl zum Marienplatz hin ausgeschwenkt war und anzeigte, dass das Haus gerade über einen Biervorrat verfügte und Gäste daran teilhaben lassen wollte.

Seit 1908 Gastwirtschaft

Karl Rohrer eröffnete mit seiner jungen Frau 1908/09 eine Gastwirtschaft, die ihre Stamm- und Laufkundschaft das ganze Jahr über mit Speisen und Getränken versorgte. Zunächst wurde das Bier immer noch im Kommunbrauhaus gebraut. Doch bereits 1928 baute Karl Rohrer in sein landwirtschaftliches Gebäude am Stadtweiher eine Brauerei ein. Die komplette Einrichtung stammte von einer aufgelassenen Brauerei in Niederbayern. Der Eiskeller wurde im Winter mit Eisbrocken vom Stadtweiher gefüllt und musste den ganzen Sommer über das Bier kühl halten. Von nun an floss das im weiten Umkreis bekannte Rohrer-Bier aus der eigenen Braustätte. Außerdem wurden viele Wirtshäuser der Umgebung mit "Vollbier Hell" und "Märzen" versorgt.
Vor dem Zweiten Weltkrieg hatte die Brauerei Rohrer die wohl schönste Gaststätte in Eschenbach. Ein großer Kachelofen spendete wohlige Wärme in der Gaststube, die ringsum mit Holz verkleidet war. Viele Stammkunden suchten die Wirtschaft mehrmals am Tag auf, so wohl fühlten sie sich hier. Nach dem Tod des Vaters 1951 übernahm Alfons Rohrer die Gaststätte.

Legendäre Disko "Pumpe"

Der Braumeister führte die Brautradition weiter. 1959 erfolgte der Umbau der Gastwirtschaft. Anfang der 1970er Jahre wurde ein großer Saal nach Norden angebaut für Hochzeiten und Faschingsbälle. Ab 1977 diente er dreimal pro Woche als legendäre Disko "Pumpe". Am Pfingstsonntag des Jahres 2000 wurde der Diskobetrieb nach 23 Jahren eingestellt. Bereits im April 1975 hatte Alfons Rohrer den letzten Sud in seinem Brauhaus gebraut: Der Preisdruck, der auf der kleinen Brauerei lastete, war zu groß geworden.

Danach schenkte er Münchner Bier aus. 1995, nach dem Tod von Alfons Rohrer, erwarb die Neuhauser Kaiser-Bräu das Gebäude mit Gaststätte (60 Plätze) und Saal (200 Plätze) am Marienplatz. Sohn Karl, der im Pegnitzer Feinschmecker-Restaurant "Pflaum's Posthotel" Koch gelernt hatte, konnte nur noch wenige Jahre den Betrieb aufrecht erhalten. Nach aufwendiger Renovierung eröffnete eine Pizzeria, die aber bald wieder schloss. Zurzeit betreibt die Familie Heimhuber Gaststätte und Saal. 2007 wurde das alte Brauhaus am Sommerleitenweg abgebrochen.

Informationen zum "Schermkarl" enthält auch die Ausstellung "Ackerbürger und Kommunbrauer" im Taubnschusterhaus. Sie ist am Sonntag von 14 bis 16 Uhr geöffnet.

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