30.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Ausstellung beim Taubnschuster endet am Sonntag Die Schrecken des Ersten Weltkriegs

von Walther HermannProfil

"Wer die Geschichte vergisst, ist verdammt, sie noch einmal zu erleben." Dies ist einer der Merksätze, die Karlheinz Keck bei der Eröffnung der Ausstellung "Spurensuche 1914/18 - Heimat und Erster Weltkrieg" gebrauchte. Nach vier Monaten ist die Ausstellung mit erschütternden Zeugnissen kollektiven Wahnsinns am morgigen Sonntag zum letzten Mal geöffnet.

Wie die Einträge im Gästebuch beweisen, stieß die Präsentation des Heimatvereins im Taubnschusterhaus großes Interesse und ungeteilte Anerkennung bei Besuchern aus der nördlichen Oberpfalz und sogar aus Belgien und Finnland.

Gegen das Vergessen

Auch der Stadtrat ließ sich von Keck durch die Schau mit Hunderten von Exponaten führen. "Wir haben versucht, aus Erinnerungsstücken, Dokumenten, Bildern, militärischen und zivilen Gegenständen aus unserer Heimat ein Bild dieser Epoche zu formen, die Europa nachhaltig verändert hat", erklärte Keck. Größtes Anliegen sei es, diese Zeit nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Genau diesen Gedanken griff einer der Besucher auf und schrieb ins Gästebuch: "Sehr interessant und abschreckend. Nie wieder Krieg!"

Die Eindrücke, die ihr Gang durch die vier Ausstellungsräume bei ihnen auslöste, schrieb eine Gruppe von Schulschwestern von "Unserer Lieben Frau" nieder: "Tot ist, wer vergessen wird! Diese sehr sorgfältig gestaltete Ausstellung über den Ersten Weltkrieg, vor allem die erschütternden Einzelschicksale, bewahrt vor dem Vergessen. Vielen Dank!" Ein Besucher aus Störnstein kommentierte: "Eine tolle Ausstellung mit wichtigem Hintergrund, damit wir nicht nochmals so ein Unglück erfahren müssen".

Für die "tolle Ausstellung" und die "tollen Erklärungen" bedankte sich auch die fünfte Klasse der Markus-Gottwalt-Schule. Andere Besucher bezeugten ihre Achtung vor der "beeindruckenden, einfühlsam gestalteten Ausstellung" und "gratulieren dem Heimatverein zu der hervorragenden" Präsentation.

Die Ausstellung ist gegliedert in vier Themen- und Zeitbereiche. Über die "Zeitenwende" und den Vorabend des Ersten Weltkriegs informiert der erste Teil. Textbeiträge und großformatige Bilder erinnern an die Phase, in der sich das unaufhaltsam aufziehende Unheil ankündigte. Zur zweiten Abteilung gehören das Originalplakat zur Bekanntgabe der Mobilmachung, Postkarten, eine Uniformjacke und Bilder mit begleitenden Schilderungen. Eines davon befasst sich mit August Gradl und seinen drei Söhnen, die gleichzeitig Kriegsdienst leisteten: Der Vater bei der Landwehr, die Söhne als Matrose, Infanterist und bei der Küstenwache.

Uniform zieht Blicke an

Nachzulesen ist, dass Matrose Karl in seiner Uniform Aufsehen erregte, "weil er nicht einmal über den Stadtplatz gehen konnte, da ihm alle Kinder nachliefen". Noch im Alter von 85 Jahren habe Karl Reiß berichtet, dass er "als 13-Jähriger mit Spielkameraden und selbst gebauten Holzgewehren den Marktplatz hinunterzog und lauthals sang: Siegreich woll'n wir Frankreich schlagen."

Die Realität des Krieges zeigen unter anderem Filmaufnahmen von den Kriegsschauplätzen und viel Fotomaterial. Der vierte Teil der Exponate widmet sich der Nachkriegszeit. Dazu gehören die Feier der Kriegsheimkehrer im Jahr 1920, Sterbebilder, Ehrenmale, die alte Fahne der Krieger- und Soldatenkameradschaft, Waffen und zahlreiche Ausrüstungsgegenstände.

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