Ausstellung des Heimatvereins im Taubnschusterhaus mit Werken von Josef Krieglstein
Der malende Professor

"Jetzt male ich." Mit dieser Aussage von Professor Dr. Dr. Josef Krieglstein eröffnet der Heimatverein am heutigen Freitag im Taubnschusterhaus eine Ausstellung mit Werken des weltweit anerkannten Pharmakologen und Toxikologen. Nach dem radikalen Ende seiner 50-jährigen wissenschaftlichen Tätigkeit hatte er beschlossen, etwas Neues zu beginnen.

Er entschied sich für die Malerei, die er mit viel Freude und Erfolg nahezu täglich ausübt. In mehr als zehn Ausstellungen präsentierte er bisher viele seiner Bilder.

Von der Dorfschule in Tremmersdorf über die Habilitation für Pharmakologie und Toxikologie sowie über die Tätigkeit als Wissenschaftler, Forscher und Gutachter zum erfolgreichen Maler. So lässt sich in Kurzform der Lebensweg des Ausstellers beschreiben. Zu seiner neuen Berufung sagt er: "Die Malerei kann meine zweite Karriere werden."

Krieglstein wurde am 10. März 1938 in Pechgrün im Egerland geboren. Mit den Eltern und drei Geschwistern fand er nach der Vertreibung in Tremmersdorf eine erste Bleibe. Nachdem Vater Lambert, langjähriger Berichterstatter unserer Zeitung, beim Landratsamt eine Anstellung gefunden hatte, wurde die Familie in Eschenbach sesshaft, und der kleine "Pepp" trat in die neu gegründete Private Realschule ein. Er gehörte damit zum ersten Jahrgang des heutigen Gymnasiums. An der Knaben-Oberrealschule Weiden machte er das Abitur. Bereits damals experimentierte er in einem Kämmerchen der elterlichen Wohnung in der Stegenthumbacher Straße mit chemischen Substanzen. In Eschenbach war er Gruppenleiter der Sudetendeutschen Jugend.

In Erlangen studierte Krieglstein Pharmazie, danach Medizin. 1965 erfolgte die Promotion zum Dr. rer. nat. und 1967 zum Dr. med.. Zunächst war er an der Universität Mainz als wissenschaftlicher Assistent im Pharmakologischen Institut tätig. Es folgte die Habilitation für Pharmakologie und Toxikologie. Im April 1974 wechselte er zur Universität Marburg und wurde dort Leiter des Instituts für Pharmakologie und Toxikologie. Darüber hinaus war er 1976/77, 1986/87 und 1995/96 Dekan des Fachbereichs Pharmazie. Seine wissenschaftlichen Schwerpunkte waren Plasmaproteinbildung von Pharmaka, Gehirnenergiestoffwechsel, neuronale Degeneration und Protektion, zerebrale Ischämie, Apoptose, Wachstumsfaktoren, Proteinphosphatasen und -kinasen.

Des Weiteren wirkte er als Gutachter für zahlreiche nationale und internationale wissenschaftliche Zeitschriften der Pharmakologie und der Neurowissenschaften. Wie der Marburger Landrat Robert Fischbach bei der Verleihung des Verdienstkreuzes Erster Klasse des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland im Jahr 2004 hervorhob, war Krieglstein auch Vorsitzender der Akademie für Pharmazeutische Fortbildung der Landesapothekerkammer Hessen, Referent auf zahlreichen Fortbildungsveranstaltungen der Pharmazie und Neurologie, Anleiter und Betreuer von mehr als 100 Doktoranden und drei Habilitanden sowie Ausbilder von rund 4500 Studierenden der Pharmazie.

Nach seiner Emeritierung am 31. März 2006 in Marburg setzte Krieglstein als Gast- und Seniorprofessor an der Universität Münster mit einer Kollegin interessante und völlig neue wissenschaftliche Projekte fort. Dazu bekennt er: "Mit diesen Ergebnissen haben wir der wissenschaftlichen Nachwelt interessante neue Erkenntnisse, aber auch drängende neue Fragen hinterlassen, wie es sich gehört."

Als am 30. September 2010 seine Seniorprofessur und seine Zeit in Münster zu Ende gingen, konnte er seine letzte Doktorandin promovieren. Im Rückblick darauf erklärt der internationale Ehrenbürger von New Orleans: "Das alles zusammen hatte Abschlusscharakter. Ich beschloss etwas Neues zu beginnen und entschied mich für die Malerei."

Die Ausstellung wird heute um 19.30 Uhr eröffnet. Sie ist bis 5. Oktober sonntags von 14 bis 17 Uhr geöffnet.
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