20.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bei Steiningloh stauten sich einst die Fuhrwerke auf dem Weg zu Freudenberger Eisenhammer Verkehrsader des Mittelalters

Tief haben sich die Fuhrwerke in den Boden gegraben. Die mit Pferden bespannten Wagen, die hier unterwegs waren, haben unübersehbare Spuren hinterlassen. 14 parallel verlaufende Gräben, die sich bei Steiningloh Richtung Schwand den Berg hinauf ziehen, zeugen von einer viel befahrenen Altstraße. Eine Info-Tafel weist nun auf diese Verkehrsader des Mittelalters hin.

Kreisheimatpfleger Mathias Conrad, AOVE-Geschäftsführerin Waltraud Lobenhofer und Bürgermeister Hermann Falk (von links) präsentierten die Info-Tafel, die auf die Altstraße bei Steiningloh hinweist. Bild: upl
von Uli Piehler Kontakt Profil

"Das hier ist eine besonders schöne Stelle", sagte Kreisheimatpfleger Mathias Conrad bei der Präsentation des Schild im Wald etwa einen Kilometer östlich von Steiningloh. "Hier sieht man wunderbar, wie diese Altstraße verlaufen ist, und wie viele Fahrbahnen einst angelegt wurden." An der Steigungsstrecke wühlten die Hufe der Zugtiere, die eisenbereiften Räder der Wagen und die bei der Talfahrt eingelegten Bremsketten oder -schuhe die Erde auf. "Der gelockerte Boden unterlag natürlich vermehrt der Erosion und wurde immer wieder weggeschwemmt", erklärte Conrad.

"War eine Fahrrinne so stark eingetieft, dass dadurch die Bewegungsfreiheit eingeschränkt wurde, legten die Fuhrleute daneben einfach eine neue an." So entstand oft ein breiter Fächer von mehr oder weniger parallel verlaufenden Hohlwegen, wobei die älteren stets in der Mitte liegen.

"Sofern man die Gräben der Altstraßen nicht als Müllkippe oder Bauschuttdeponie zweckentfremdet hat, sind zehn bis 15 solcher Fahrspuren keine Seltenheit", berichtet der Kreisheimatpfleger. "Je nachdem, wie lang und wie intensiv eine Altstraße befahren worden ist." Die Altstraße bei Steiningloh liegt an der Westflanke des Tannachrückens. Es handelt sich dabei um 14 parallel verlaufende, zum Teil über drei Meter in den Doggersandstein eingetiefte Fahrrinnen. Die breite Sohle der Rinnen weist auf ihre Entstehung im Mittelalter hin, als der Warentransport schon weitgehend per Achse erfolgte.

Der Trassenrest gehört laut Conrad zu einem Straßenzug, der in südöstliche Richtung verlief und sich zwischen Gebenbach und Freudenberg gut im Gelände verfolgen lässt. Von Gebenbach aus führte er über das Gebenbacher Kirchenholz und Urspring ins Krumbachtal, das er bei der Urspringer Mühle querte. Danach ging es hoch zum Sattel zwischen dem Tannachrücken und dem Blauberg und von dort hinunter nach Pursruck. Nach einem kurzen Stück im Tal führt die Altstraße bei der Sägmühle steil hinauf nach Hötzelsdorf und dann weiter zur Hammermühle.

Mathias Conrad präsentierte bei der Tafel-Enthüllung auch einen etwa 3,5 Kilogramm schweren Erzbrocken, den er vor 20 Jahren in einem der Steiningloher Gräben gefunden hat. "Es handelt es sich um Brauneisenerz aus dem Amberg-Sulzbacher Revier", sagte Conrad. "Offenbar ist es beim Transport auf der Steigungsstrecke vom Wagen gefallen und liegen geblieben." Der Heimatkundler geht davon aus, dass der Erzbrocken aus einer Sulzbacher Grube stammt. Von dort dürfte er zunächst über den Laubhof, Godlricht und Höhengau nach Steiningloh und dann auf der beschriebenen Trasse weiter nach Freudenberg befördert worden sein. Bestimmt war der Erzbrocken vermutlich für den dortigen Eisenhammer (Hammermühle), der bis etwa 1600 in Betrieb war.

"Wir unterstützen die Arbeit der Heimatforscher gern", sagte der Hirschauer Bürgermeister Hermann Falk. Zusammen mit der AOVE ermöglichte die Stadt Hirschau die Aufstellung der Info-Tafel. Auch AOVE-Geschäftsführerin Waltraud Lobenhofer lobte Conrads Engagement. "Das trägt dazu bei, dass sich die Leute noch stärker mit ihrer Heimat identifizieren."

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