18.04.2005 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Bergstüberlhöhle Zufluchtsstätte für Nasnitzer in den letzten Tagen des Krieges Dorf als Zielscheibe der Amerikaner

Auf einer kleinen Anhöhe im Flembachtal liegt die Bergstüberlhöhle. Verdeckt von Bäumen ist sie nicht leicht zu finden und daher auch wenig bekannt. Doch gibt es einige Menschen, denen die Höhle bereits seit 60 Jahren eng vertraut ist.

von Autor EBProfil

Es waren die Apriltage 1945 des Zweiten Weltkrieges. Eine kleine Gruppe von deutschen Soldaten hatte sich im nahegelegenen Kirntal mit einem Panzer verschanzt. Sie versuchte mit ihrer Schießerei die Feinde, also die amerikanischen Soldaten, die sich bereits in nächster Nähe befanden, aufzuhalten. So flogen die Granaten vom Kirntal über Nasnitz in Richtung Neudorf.

Angst vor Tieffliegern

Ein älterer Mann sagte besorgt zu der fanatischen Gruppe: "Hört doch auf, das hat doch keinen Sinn mehr." Sie aber ließen sich nicht abhalten und schrien zurück: "Denen werden wirs noch zeigen."

Nun eröffneten auch die Amerikaner das Feuer mit Ziel Nasnitz. Mit Angst und Schrecken verließen die Bewohner ihre Häuser und Höfe. Sie flüchteten über Äcker und Wiesen in die umliegenden Wälder und Höhlen. Es war ein Weggehen voller Gefahren, weil man sich auch vor den Tieffliegern fürchten musste.

Die Nasnitzer Familien Haberberger, Hupfer und Raß nahmen ihre Zuflucht in der Bergstüberlhöhle. Wenn man heute die kleine Höhlung betrachtet, dann kann man sich nicht vorstellen, dass dort einmal auf engstem Raum über zehn Tage hinweg drei Familien mit etwa 20 Mitgliedern gehaust haben. Es wurde dort aber nur geschlafen. Die Betten gaben Schutz vor der Kälte. Ein fest verwachsener Stein, der heute noch zu sehen ist, war wie auch der Höhlenboden Nachtlager.

Das weitere Leben spielte sich in der freien Natur ab. Dort kamen während des Tages Mensch und Tier zusammen. Auch die kleinen Gänschen, die um die Osterzeit schlüpfen. Dort wurden auch die kargen Mahlzeiten eingenommen. Wenn die Dunkelheit hereinbrach, machte man sich abwechselnd wieder auf den Heimweg, um für den Nachschub der Lebensmittel zu sorgen. Zu Fuß brauchte man dafür eine gute Stunde.

Der Russe im Heu

Da es für die Rinder auf der Weide noch nicht viel zum Fressen gab, wurde Heu vom Hof mitgenommen. Dazu hat der Bauer Johann Wittmann seine Kühe vor den Wagen gespannt. Entlang des holprigen Weges merkte er, dass im Heu etwas raschelte. Zum Vorschein kam ein russischer Gefangener. Beide tauschten erschrockene Blicke aus, dann sagte der Deutsche zum ehemaligen Feind: "Du, Lager gehen."

Während des Lebens in der Höhle erhellten in der Nacht Leuchtgeschosse den Himmel. Von Ferne mussten die Nasnitzer zusehen, wie ihr Dorf Zielscheibe der Amerikaner wurde und ihre Anwesen zum großen Teil in Schutt und Asche fielen.

An dies alles erinnert sich Josef Haberberger, bekannt auch als Vorsitzender der Nasnitzer Feuerwehr. Mit viel Glück kam sein Vater Georg aus dem Krieg wieder nach Hause. Da war es dessen Vorgesetzter in Grafenwöhr, der erst nach drei Tagen meldete, dass sein Untergebener abgehauen ist, da waren es Angehörige der Leibstandarte Adolf Hitlers, denen er in Auerbach unbemerkt entgehen konnte, weil diese just zu diesem Zeitpunkt mit jungen Mädchen schäkerten und da war es die Polizei, deren Suche nach ihm vergebens war, weil sich Georg Haberberger in einem Versteck in der Neubürg aufhielt. Dann war die Familie wieder vereint.

Viele mussten mit dem absoluten Nichts anfangen. So wurde die Schulspeisung der Amerikaner gerne angenommen: "Jeden Tag haben wir uns auf den Haferflockenbrei mit Weinbeeren gefreut."

Dem Heimatort gewidmet

Etliche Jahre nach dem Krieg, 1964, nach Ableistung der Bundeswehrdienstzeit von Josef Haberberger, entschloss sich dieser, die Bergstüberlhöhle aus Dankbarkeit als Mariengrotte zu gestalten. Die "Raß'n Mutter" (Margareta Wittmann) übergab dazu eine Lourdes-Madonna. In den folgenden Jahren nahm Haberberger immer wieder Verschönerungen an der Grotte vor. Eine Gedenktafel, gestiftet von Werner Ochs, weist auf die Kriegsjahre von 1939 bis 1945 hin.

Seinem Heimatort hat Josef Haberberger, der auch poetisch veranlagt ist, folgende Zeilen gewidmet: "Warst einst von Kriegeshänden schwer getroffen, hast viel gelitten in Not und Leid. Bist wieder schnell emporgekommen nach dieser harten Zeit."

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