27.08.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Binz boomt: Das Seebad im Osten Rügens ist die Nummer 1 auf der beliebten Insel Viel Meer geht kaum

Hoch-Zeit: Strandkorb reiht sich an Strandkorb. Gegen Mittag gibt es auch in Binz oft keinen mehr zu mieten. Bilder: Josef Maier
von Josef Maier Kontakt Profil

Das war doch nur Spaß. "Ich will wieder an die Nordsee, ich will zurück nach Westerland", schmettert der Sänger der Hit-Hunters-Show-Band den Song der "Ärzte" über die Promenade. Dabei gefällt's auch ihm hier in Binz bestens. Vor ihm tanzt die Menge, hinter ihm, nur etwa 50 Meter von der Bühne entfernt, wippen die Wellen der Ostsee im Takt. Wer will denn schon weg von hier?

Und da geht's ihm wie vielen Rügen-Urlaubern, die in den hohen Norden Mecklenburg-Vorpommerns kommen. Binz, eines der großen Seebäder im Osten Rügens, ist das Lieblingsziel der Insel. "Binz ist sicherlich der Touristenmagnet auf Rügen, was die Anzahl der Übernachtungen betrifft", sagt Marikke Behrens vom Tourismusamt. Belegen lässt sich das mit Zahlen. Belegen lässt es sich aber auch mit der Stimmung im Ort. Ein Ostseebad klassischer Prägung mit prächtigen, weißen Villen, aber auch ein Ostseebad, das trotz der vielen Besucher eine völlig relaxte Stimmung verbreitet. In den und um die Strandkörbe wimmelt es von Kindern, auf der Strandpromenade wird nicht nur flaniert, hier machen auch Tramper Station.

"Im Sommer wird es hier ganz schön eng", beschreibt Behrens die Zeit von Mai bis August. Dann ist Hochsaison in Binz, und man erntet schon ein müdes Lächeln, wenn man da kurz nach Mittag am Kiosk nach einem freien Strandkorb fragt. "Was wollen Sie? Um diese Zeit?"

Der flache Einstieg am Strand sei für Kinder nun einmal ideal, sagt Behrens. Alljährlich werden hier wohl Tonnen von Sand bewegt - für Sandburgen. Brauchen die Kleinen mal Abwechslung, kann man sie auch in den Kidsclub des Familotels in Strandnähe bringen. Programm gibt's hier nicht nur für Kinder der Hotelgäste.

Die reiselustigen Berliner

Jede Menge Kinder tummeln sich natürlich auch in den Statistiken. Im Jahr 2013 wurde in Binz erstmals die Marke von 400 000 Gästeankünften geknackt. Eine beachtliche Zahl für den Ort, der gerade einmal 5000 Einwohner zählt. Die meisten Urlauber kommen aus Berlin und - schon traditionsgemäß, wie Behrens sagt - aus Nordrhein-Westfalen. Da wird natürlich immer daran gearbeitet, weitere Unterkünfte zu schaffen.

So wie in den 1990er Jahren geht das nicht mehr. Der Ortskern stößt an seine Grenzen. Nach der Wende erlebte Binz nochmals einen Bau-Boom, auf viele Grundstücke wurden noch Gebäude draufgesattelt. Die Suche nach Wohnraum brachte so manches Kuriosum. "Die Leute fegten die Schornsteine, um noch eine Hängematte reinzuhängen", umschreibt es Klaus Boy überspitzt. Der ältere Herr mit dem weißen Seemannsbart ist ein Unikum in Binz. Seit Jahren führt er Urlauber durch den Ort, um ihnen die Schönheiten zu zeigen. Dabei beobachtet er auch ganz genau die Entwicklung eines neuen Projekts in Binz.

Richtung Norden liegt am fast zehn Kilometer langen Sandstrand ein riesiger Gebäudekomplex, etwas versteckt hinter Dünenwäldern. Eine Problem-Immobilie, sagen die einen. Die große Chance, noch mehr Urlauber zu locken, die anderen. In den Häuserzeilen im Ortsteil Prora hatten die Nationalsozialisten jede Menge Erholungsheime geplant. In der ehemaligen DDR waren später dort auch größere Armee-Einheiten untergebracht, ringsherum war militärisches Übungsgelände. Heute entstehen dort Eigentums- und Ferienwohnungen. "Jahrelang lag das alles im Dornröschenschlaf", sagt Touristikerin Behrens. "Wir sind alle gespannt, wie sich das entwickelt. Dort gibt es noch großes Entwicklungspotenzial."

Die Entwicklung der letzten Jahre in Binz kennt Klaus Boy ganz genau. Manchmal sei er genervt vom Verkehr im Ort, erzählt er ganz offen. "Früher sind ja die meisten Leute mit der Bahn gekommen. 85 Prozent mit dem Zug, 15 Prozent mit dem Auto, jetzt ist es genau umgekehrt." Aber vorne an der prächtigen Strandpromenade ist nichts vom Autoverkehr zu spüren. Boy liebt diese edlen, diese prächtigen Villen, in die auch Cafés und Restaurants integriert sind. Zu jedem dieser Gebäude weiß er ein Geschichtchen. Und er vergisst auch Fischer Kruse nicht, den letzten im Ort, der noch in aller Herrgottsfrühe auf die Ostsee hinausschippert und seinen Fisch hinterher ganz frisch an die Gäste verkauft. Dass es den Kruse noch gibt, findet Boy herrlich.

Dabei sagt er, der etwas nördlicher in Sassnitz geboren wurde, lachend: "Ganz früher habe ich Binz nicht gemocht." Heute liebt er es über alles, will hier nicht mehr weg. Da kann ihm die Nordsee, Westerland oder sonst was gestohlen bleiben.

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