Birgit Mair referiert im Malzhaus über rechtsextremistische Umtriebe in Nordbayern
"Sie werden immer aggressiver"

Dem "Freien Netz Süd" ist sie ein Dorn im Auge. Auf der Homepage des Netzwerkes, das als größter und gefährlichster Zusammenschluss von Rechtsextremen in Bayern gilt, können die Tiraden gegen Birgit Mair nachgelesen werden.

Am Mittwochabend referierte die Mitarbeiterin des Instituts für sozialwissenschaftliche Forschung, Bildung und Beratung (ISFBB) e.V. in Nürnberg auf Einladung der Volkshochschule Eschenbach im Malzhaus. Bereits am Nachmittag hatte sie am Gymnasium Eschenbach vor 120 Schülern der Klasse Q11 gesprochen.

Strukturen erklärt

Schnell zeigte sich, warum Mair bei Rechtsextremen und Neonazis in Nordbayern so unbeliebt ist: Sie nannte Namen und zeigte Gesichter, zeichnete Strukturen nach und machte die Zuhörer auf Strategien aufmerksam. Immer wieder streute die Referentin Episoden ein, in denen sie direkt mit Rechtsextremen und Neonazis zusammentraf: "Als plötzlich ein einschlägig bekannter Nürnberger Neonazi im Hof des Instituts auftauchte, fand ich das sehr befremdlich", berichtete Birgit Mair. Als sei er auf frischer Tat ertappt worden, habe er plötzliche eine Kehrtwendung gemacht und das Privatgelände verlassen. "Als ich ihm hinterherrief, er soll mich in Ruhe lassen, hat er geantwortet: ,Man wird ja wohl noch spazieren gehen dürfen in Nürnberg'."
Natürlich, so Mair, sei dies ein Einschüchterungsversuch gewesen: "Die müssen sich schon sehr sicher fühlen, wenn sie am helllichten Tag zum Spionieren kommen." Sie habe den Eindruck, dass die Neonazis nach dem Bekanntwerden der NSU-Morde noch aggressiver geworden seien.

Mair informierte, dass es seit 1990 rund 150 Tote in Folge rechter Gewalt in Deutschland gegeben habe. Pro Tag würden mehr als zwei Gewalttaten mit rechtsextremem Hintergrund begangen. "Die Dunkelziffer liegt wesentlich höher." Auch bei den NSU-Morden habe es Jahre gedauert, bis die offiziellen Stellen den rechtsextremistischen Hintergrund entdeckt hätten.

Ausführlich widmete sich die Rednerin anhand von zahlreichen Fotos den Neonazi-Bestrebungen in Mittel- und Oberfranken. Sie ging beispielsweise auf Aktionen in Gräfenberg, diverse Demonstrationen zum Thema "Zeitarbeit" und die missbräuchliche Verwendung des Wortes "sozial" durch Neonazis ein. Mair zeigte anhand von Graffitis auf, wie präsent die Szene und das Gedankengut in der Region sind - wenn auch nicht immer auf den ersten Blick erkennbar: Verbotene Zeichen und Begriffe seien durch Zahlencodes, symbolische Worte oder das Spiel mit noch erlaubten NS-Symbolen und Runen ersetzt worden. An die Stelle von Springerstiefeln und Bomberjacken seien häufig schwarze Outfits und Käppis mit kleinen Buttons getreten.

Von Franken in die Oberpfalz

Den Zuhörern stellte sie agierende Personen wie Gerhard Ittner, Matthias Fischer, Simon Preisinger oder Ralf Ollert vor. Auch Erklärungen zum "Fränkischen Heimatschutz" und der "Division Franken" gab die Referentin. Besonders im Blick hatte sie das "Freie Netz Süd": "Das ist nicht nur irgendeine Internetplattform, hier sammeln sich die Berufs-Neonazis", stellte die Referentin fest. Einen Überblick über verfügbares Propagandamaterial gab sie anhand des in Wackersdorf beheimateten Versandhandels "Final Resistance". Mit Blick auf die Jahre 2010 und 2011 stellte Mair außerdem fest, dass sich verschiedene Demonstrationen von Neonazis von Franken aus in die Oberpfalz verlagert haben.
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