26.02.2004 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Blaubandbärbling und Koi-Herpes machen den Fischzüchtern das Leben schwer Asiaten in Oberpfälzer Teichen

Drei "dicke Fische" hatte Vorsitzender Hans Klupp bei der Gebietsversammlung des Fischerzeugerrings Oberpfalz an Land gezogen: Mit Dr. Martin Oberle, Franz List und Bernhard Feneis informierten drei Experten über Probleme der Teichwirtschaft.

von Gisela WildnerProfil

Der Blaubandbärbling stand im Mittelpunkt des Vortrags von Dr. Oberle vom Institut für Fischerei in Höchstadt/Aisch. Der "Problemfisch" kommt auch in der Tirschenreuther Teichpfanne vor. Er wird bis zu 15 Zentimeter groß. Der im Volksmund zu den "Weißfischen" gerechnete Asiat tritt seit etwa einem Jahrzehnt in Bayern auf. Die explosionsartige, flächendeckende Vermehrung führt mittlerweile dazu, dass sich Kulturfische in den Teichen nicht mehr wie gewünscht entwickeln können.

Fische, die ohne Blaubandbärbling leben, wenig Zufütterung erhalten und in einer niedrigen bis mittleren Besatzdichte heranwachsen, werden deutlich größer und liefern fettarmes Fleisch. Unter gleichen Bedingungen, jedoch in Gesellschaft des Blaubandbärblings, benötigen Karpfen oder Schleien eine höhere Zufütterung und erreichen dennoch nicht die gleiche Qualität und Quantität. Außerdem attackiert der Fremde andere Fische solange, bis sie große Fleischwunden davontragen.

Fast nicht auszurotten

"Einmal eingeschleppt, ist der Blaubandbärbling kaum wieder auszurotten, so Dr. Oberle. " Als Maßnahmen gegen den Futterfisch nannte er das Trockenlegen von Teichen, Filtern des zulaufenden Wassers oder den Besatz mit Raubfischen wie Zander und Hecht.

Ein weiteres Thema waren drei Vermarktungsstudien von Karpfen. In Franken überlegt man sich, den Speisefisch wie schon den "Oberpfälzer Karpfen" in das europäische Register eintragen zu lassen. Eine Befragung im Aisch-Grund ergab, dass in 200 Lokalen in einer Saison rund 15000 Zentner Karpfen verzehrt werden. "Das ist eine beachtliche Zahl!"

Franz List, Fachberater beim Landwirtschaftsamt Schwandorf, machte auf die finanzielle Lage der Erzeugerringe aufmerksam. "Es ist fünf vor zwölf", auch wenn man die Hoffnung noch nicht aufgebe. Mitgliederwerbung sei die Lösung. Sonst werde das "Sprachrohr der Oberpfälzer Teichwirtschaft" verschwinden. Seit Juli 2003 wurden die Gebühren gesenkt, Leistungen angepasst, um wieder mehr Leute ins Boot zu bekommen, die den Wert dieser Einrichtung erkennen und beibehalten wollen.

Fachtierarzt Bernhard Feneis vom Fischgesundheitsdienst Weiden/Almesbach berichtete über die neuartige Seuche "Koi-Herpes", die nur Koi und Karpfen befällt. Das Virus ist in Bayern bisher nur bei farbigen Zierkarpfen aufgetreten, bei Teichwirten ist es noch nicht vorgekommen. Der Karpfen sei jedoch ein Verwandter der asiatischen Fische und damit gefährdet, so Feneis.

Das Virus löst die Schleimhäute von den Kiemen, so dass die Fische ersticken. Das Virus ist seit 1997 bekannt, es trat erstmals in Israel bei Koi-Karpfen auf und verbreitete sich in kurzer Zeit weltweit. "Andere Fischarten sind nach bisherigem Wissensstand nicht empfänglich."

Drei Wochen Quarantäne

Als Schutzmaßnahmen nannte der Veterinär den Ankauf aus verantwortungsvollem Handelsbestand, eine dreiwöchige Quarantäne vor Abholung sei ratsam. Händler sollten nach dem Untersuchungszeugnis auf Koi-Herpes gefragt werden. Japankoi-Bestände seien hochempfänglich für das Virus . Bei einem Ausbruch ist alles, was mit dem Koi in Verbindung kam, höchst ansteckend, ob Kescher, Gummischürze, Eimer, Netze, Spritzwasser oder Tische. "Im Zweifelsfall sogar Vögel, die die Teiche besuchen."

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