Börsenbauer Johann Schmalhofer kennt sich nicht nur mit Rohstoffen aus, er hat die ganze ...
"Der große Crash ist nicht zu verhindern"

Staaten, die pleite sind, leihen sich Geld, um damit Staaten zu retten, die pleite sind.
Ja, Johann Schmalhofer hat Aktien gezeichnet. Ja, deren Kurse sind 1999 eingebrochen. Das stachelte sein Interesse an der Materie an und er ließ sich zum technischen Finanzanalysten ausbilden; Landwirtschafts- und Landtechnik-Meister war er schon vorher. Und ja: Die zufällig entstandene Bezeichnung "Börsenbauer", die ihn europaweit bekannt machte, hat er sich mittlerweile schützen lassen.

Johann Schmalhofer aus Taimering, südöstlich von Regensburg, bewirtschaftet einen Betrieb mit 63 Hektar. Bei der Bewertung und Analyse von Agrarmärkten kennt er sich bestens aus. Das zeigte sein Vortrag über die "Zukunft der Weltagrarmärkte im Rahmen der Finanzkrise", den er auf Einladung der Bayerischen Jungbauernschaft und des BBV-Kreisverbandes im Gasthof Erras in Fichtenhof hielt.

Niemand löst die Probleme

Zur Euro-Rettung meinte Schmalhofer, sie gestalte sich so einfach wie absurd: "Staaten, die pleite sind, leihen sich Geld, um damit Staaten zu retten, die pleite sind." Für ihn ist klar: Der große Crash kann nicht verhindert, sondern lediglich verzögert werden. Weder die USA noch die EU seien in der Lage, ihre Probleme zu lösen. Der Grund liege vor allem im Zinseszinssystem: Der Anstieg der Schulden sei durch den Zinseszins exponentiell, gesundes Wachstum dagegen linear. Daraus resultiere unweigerlich ein Punkt ohne Wiederkehr, an dem die Schulden das Wachstum übertreffen. "In dem Moment sind sie pleite." Die USA versuchten dies durch eine Geldmengenerhöhung in den Griff zu bekommen: Das Wachstum der Geldmenge sei beständig größer als das des Bruttoinlandsprodukts. So komme es zur Inflation und immer neuen Blasen.
Johann Schmalhofer ist sicher, dass alle Rohstoffe insgesamt anziehen werden. Das gelte über die Agrarrohstoffe hinaus auch für Gold und Öl. Sowohl Gold als auch Öl dürften seiner Ansicht nach in Kürze ihren letzten Rücksetzer markieren. Schmalhofer betonte: Der Agrarbereich sei im Verhältnis zu den Energierohstoffen, Edelmetallen und Industriemetallen immer noch massiv unterbewertet. "Die Unterbewertung wird mittelfristig aus der Sicht der technischen Finanzanalyse abgebaut werden. Das bedeutet nichts anderes, als dass die Agrarrohstoffe gegenüber den anderen Rohstoffen relative Stärke aufbauen."

Auf die Frage, welche Entschuldungsmöglichkeiten bestehen, zeigte Schmalhofer vier Möglichkeiten auf: 1. eine Hyperinflation (wie in Simbawe) - beseitigt die Staatsschulden; allerdings wird auch das Volksvermögen weginflationiert. 2. ein Währungsschnitt - verkleinert die Staatsschulden und in Folge das Volksvermögen. 3. eine Währungsreform - macht die Staatsschulden wertlos und so auch das Volksvermögen. 4. ein Schuldenabbau - macht den Staat schuldenfrei, aber auch das Volk vermögensfrei.

Sicherheit mit Immobilien

Welchen Schutz vor kalter Entschuldung sieht der Börsenbauer? Zum Beispiel Investitionen in Rohstoffe (Gold, Silber, Öl, Kupfer) oder in Substanzaktien wie VW oder den Saatgutzüchter KWS. Auch Immobilien böten eine gewisse Sicherheit, genauso wie Investitionen in Bauplätze ohne Bauzwang oder in Gebäude. Ferner nannte Schmalhofer: Investitionen in Maschinen und Geräte, vorwiegend zur Produktionsgüter-Erzeugung, oder in Agrarland.

Auf die Frage nach Wegen für den Privatanleger, sein Vermögen zu retten, meinte Schmalhofer: "Es gibt eine Ungleichzeitigkeit zwischen Börsen- und Wirtschaftszyklen. Prognosen sind noch gut, wenn Aktienkurse bereits fallen." Während Großinvestoren bereits verkauft hätten, würden Kleinanleger noch investieren - und verlieren. Umgekehrt stiegen die Kurse bereits dann, wenn die Wirtschaft noch stagniere: "Es ist daher wichtig, nicht einen Bereich zu betrachten, sondern alles im Auge zu behalten."
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