06.09.2014 - 00:00 Uhr
Deutschland & Welt

Brucker Burggut von Dr. Alois Wittmann im Museum Mappach thematisiert Tiefer Blick in die Geschichte

Lediglich ein Straßenschild verweist noch auf den herrschaftlichen Besitz, der das Bild des Brucker Ortskerns über Jahrhunderte und das der Marktgemeinde bis heute nachhaltig prägte. Die bewegende Geschichte des Brucker Burgguts wurde beim historischen Vortrag des Museumsvereins Mappach von Ortsheimatpfleger Dr. Alois Wittmann nochmals lebendig geschildert.

Ortsheimatpfleger Dr. Alois Wittmann referierte zur Historie des Marktes Bruck. Bild: hbr
von Autor HBRProfil

Erste Erwähnung fand das Gebiet um Nittenau im Jahr 1007. Im Besitz des Bistums Bamberg wurden die Forstbezirke Rechart und Durne angelegt. Die Siedlungstätigkeit des Bistums war bis Anfang des 12. Jahrhunderts weitgehend abgeschlossen. Als zentrale Orte mit Kirche wurden Fischbach und ab 1140 Bruck genannt.

Erblichkeit und Baurecht

Als "Kirchenburg Bruck" bezeichnete Ortsheimatpfleger Dr. Alois Wittmann das Areal des Brucker Burgguts in seinem Fachvortrag im voll besetzten Heimat- und Bauernmuseum. Heute verweist nichts mehr auf den herrschaftlichen Besitz, der im Umgriff der heutigen Pfarrkirche, dem alten Friedhof sowie hinunter bis zu den Anwesen Grimm und Seidl zu finden war. Die Letztgenannten firmierten als sogenanntes "kurfürstliches Beutellehen". Dabei handelte es sich um Güter, die im Mittelalter echte Ritterlehen waren und erst später an Bauern verliehen wurden. Mit Erblichkeit und einer Art Baurecht ausgestattet, kamen sie den Lehensnehmern günstiger als das sogenannte Freistift.

Der Eingang der kleinen Burganlage war zum heutigen Marktplatz hin angelegt. Bis um das Jahr 1200 fungierte der Dienstmann des Bamberger Bischoffs als Herr auf der Burg. Der unglückliche Ausgang des Italienzuges von Konradin, dem letzten legitimen männlichen Erben aus der Dynastie der Staufer, hatte gerade für das Herzogtum Bayern handfeste Auswirkungen.

Viele Besitzer

Nach Konradins Tod gelangte aufgrund der vor dem Italienzug getroffenen Erbregelungen und Verpfändungen der Großteil des staufischen Besitzes an die bayerischen Herzöge. Darunter fielen auch die Bamberger Besitztümer, zu denen das Burggut Bruck gehörte.

In Folge ging das Brucker Gebiet als Lehen an die Schwarzenburger, deren letzte Erbin Agnes 1345 zwei Jahre nach der Verleihung des Marktrechts Markt und Burg an die Pfälzer Wittelsbacher in Person von Ulrich von Sazenhofen verkaufte. Von 1365 bis 1518 bewohnten die "Dürner" die Burg. Danach sah die Burg bis zum Ende des 30-jährigen Krieges im Jahr 1648 viele Besitzer.

Nach den Kriegswirren, die in Bruck eine immense Verwüstung hinterließen, kam das Burggut in den Besitz von Johann Prantner, der als Gerichtsschreiber in der Marktgemeinde tätig war. Dieses Amt blieb dann mehr oder weniger in der Hand der Familie. Johann Prantners Tochter Ursula heiratete Gottfried Zaubzer, der in die Annalen der Brucker Historie bis 1803 als Gerichtsschreiber und Pflegverweser sowie bis 1809 als Marktschreiber aufgeführt ist. Der Überlieferung zufolge, so Dr. Wittmann, stattete der damalige Pfarrer Schraml die Pfarrkirche beim großangelegten Umbau im Jahr 1728 mit Gegenständen aus dem Prantnerschen Nachlass aus.

Nichts mehr übrig

1794 erhielt Baron Peter von Vieregg das Burggut. Der Adelige bekleidete das Amt des Oberforstmeisters und wurde Zeitzeuge einer großen Verwaltungsreform, die auch in Bruck vieles veränderte. Mit Peter von Vieregg ist auch unweigerlich das Ende des Burgguts verbunden, da er das Recht erhielt, es zu zertrümmern. Vieregg starb 1816 und seine Erben verkauften es 1836 an den Regensburger Bürger Friedrich Deininger, der noch im selben Jahr einzelne Teile weiter veräußerte.

Neubauten, Brände und andere Begebenheiten ließen in den nächsten Jahrzehnten das Burggut mehr oder weniger ganz verschwinden. Das Areal nahe der St. Ägidius-Kirche hat jedoch für Bruck eine lokalhistorisch wichtige Bedeutung mit Schulhaus, Schwesternwohnheim, Fleischbank aber auch mit dem Burggutschlößl, wo bis 1966 das alte Rathaus untergebracht war. Leider sei außer den historischen Überlieferungen von diesem Eckpunkt der Brucker Geschichte nichts mehr übrig.

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